Solothurn/Oensingen
«Ich merkte einfach, dass ich etwas Neues machen musste»

Der gebürtige Oensinger Daniel Meister kann am Donnerstag seine erste CD als Liedermacher taufen. Dabei ist er musikalisch alles andere als ein unbeschriebenes Blatt.

Mattias Ruchti
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Daniel Meister hat sich nach Rockmusik neu dem Liedermacher-Genreverschrieben.

Daniel Meister hat sich nach Rockmusik neu dem Liedermacher-Genreverschrieben.

«Mit experimenteller Musik in der Schweiz Erfolg zu haben, ist fast unmöglich.» Dieser Ansicht ist Daniel Meister aus Solothurn. Dennoch versucht der 32-Jährige mit einem Debütalbum, in der hiesigen Musikszene als Liedermacher Fuss zu fassen. «Mit dem Produkt, das nun herausgekommen ist, bin ich sehr zufrieden», so Meister.

Vor zwei Jahren der Bruch

Schon früh startet der gebürtige Oensinger seine Musikerkarriere. Mit 17 Jahren beginnt er, mit der Gitarre zu hantieren, und spielt fortan in seiner Freizeit in Heavy-Metal-Bands. Er nimmt mit ihnen in Amerika Songs auf und spielt in vielen bekannten Clubs in der Schweiz. Doch vor zwei Jahren dann der Bruch. «Ich merkte einfach, dass ich etwas Neues machen musste», sagt er rückblickend. «Ich kam mit der Rockband musikalisch einfach nicht mehr weiter, war nicht mehr inspiriert. Zudem wollten nicht alle das Gleiche», erzählt der studierte Informatikingenieur.

Meister beschliesst, seinen eigenen Weg zu gehen, und setzt ganz auf die Karte als Liedermacher. Schon bald hat er einige Lieder beisammen, und er entscheidet sich, ein eigenes Album aufzunehmen. Dieses tauft er nun am 30. Mai in der Kulturfabrik Kofmehl.

Musikalische Vielfalt

Nervös? «Nein, bis jetzt nicht», meint der Solothurner. Es bleibe noch viel zu tun. «Die Nervosität kommt dann wohl ein bis zwei Tage vor dem Konzert», sagt er und lacht. «Ich hoffe, dass wir die Raumbar füllen werden.» Ein Vorhaben, das ihm gelingen sollte. So ist es denn auch seine Absicht, möglichst viele Leute anzusprechen: «Wenn du musikalisch so breit fährst, dann ist die Chance relativ gross, dass ein Lied jemandem gefällt.

Diese musikalische Vielfalt entstand eher zufällig dadurch, als ich mit meinem guten Freund Marcel Frey begann, musikalische Experimente durchzuführen. Es war extrem spannend und faszinierend», erzählt der junge Musiker. So finden immer wieder exotische Instrumente wie Didgeridoo oder Glockenspiele Einzug in seinen Songs. Schubladendenken? Fehlanzeige, der Solothurner lässt sich nicht mit anderen Musikern in einen Topf werfen.

Spezieller Schaffensprozess

So ist auch sein Schaffensprozess speziell: «Ich komme nach Hause, nehme die Gitarre in die Hände, lege mich auf die Couch und beginne, irgendeine Melodie zu spielen. Wenn etwas cool klingt, gleich nochmals.» Meistens sei es dann so, dass nach wenigen Tagen der Song «vorhanden» sei. «Ich nehme ihn auf und höre ihn einige Wochen später», sagt er. Dann entscheide sich, ob er den Song fertigstelle oder liegenlasse. Der Text komme dann später dazu. «Dieser handelt meist von bestimmten Situationen oder Stimmungen. Es ist alles sehr autobiographisch.» Schliesslich soll jedoch der Text auf die Musik passen.

Und tatsächlich, die Vielfalt, die Meister mit seinem Album an den Tag legt, ist gross. Schnelle, pfiffige Nummern wechseln sich mit melancholischen, tiefgründigen und langsamen Songs ab. Meister versteht es, die Musik oder einzelne Instrumente für sich sprechen zu lassen. Die Lieder wirken nicht überladen, sondern einfach und simpel: Schlagzeug, Gitarre, und seine Stimme, gepaart mit einzelnen ungewohnten Instrumenten. Man fühlt sich ein wenig an die Musik des Amerikaners Jack Johnson erinnert. Dennoch: So richtig vergleichen lässt sich Daniel Meister mit anderen Musikern nicht.

Live-Konzerte als eigentlicher Antrieb

Die Ziele, die Meister mit seinem Album erreichen möchte, sind klar. «Der eigentliche Antrieb für das Album sind Live-Konzerte. Ich möchte meine Musik den Leuten vor allem live zeigen.» Dies umso mehr, als dass es in der Schweiz relativ schwierig sei, Erfolg mit einer solchen CD zu haben. Gründe dafür findet er schnell: «Der Markt ist klein, dadurch verteilen sich die vielen verschiedenen Musikstile auf wenige Leute. Es gibt beispielsweise einen Stephan Eicher, der bereits seit Jahren als Chansonnier erfolgreich ist. Da musst du einfach jahrelang dranbleiben, gut sein und die richtigen Leute kennen.»

In der Schweiz sei dies sehr schwierig, insbesondere in der Deutschschweiz, da man dort experimentelle Musik mit extremer Vorsicht geniesse. «Die Deutschschweizer sind immer extrem vorsichtig mit Sachen, die neu oder mit anderen Sachen schwierig zu vergleichen sind», kommt Meister zum Schluss.

In der Romandie Fuss fassen

Ein weiteres Ziel des Solothurners ist es, in der Romandie Fuss zu fassen. «Den Song Heart of a Lion meines neuen Albums habe ich auch auf Französisch eingesungen (l’esprit du lion). Ich habe auch schon recht gutes Feedback erhalten», zeigt er sich zuversichtlich. Tatsächlich scheint der Erfolg nicht weit, so haben bereits einige bekannte DJs – wie Ebokai aus Holland, Volkan Ocak aus Oensingen oder DJ Kermit aus Bern – Remixes von Meisters Lieder gemacht.

Die Plattentaufe findet am Donnerstag, 30. Mai, in der Raumbar im Kofmehl Solothurn statt. Supporting Act ist die Slampoetrin Tanja Kummer. Tickets: www.kofmehl.net oder www.dood.ch