Ernst Schär weiss genau, was er nächsten Sommer tun wird. «Wieder einmal einen schönen Sommertag im Garten verbringen. Das konnte ich 20 Jahre lang nie mehr.» Das Los eines Badi-Wirts. Wenn alle anderen rund um die Bassins herum «plegere», ist das Restaurant-Team rundum gefordert. «Diese Saison hatten wir extrem viel zu tun. In den Sommerferien gabs einen schönen Tag nach dem anderen. Da lagen keine Freitage drin», blickt Schär auf seine letzte, 20. Saison zurück.

Seine 14-köpfige Crew, alle im Stundenansatz beschäftigt, dürfte ebenfalls mit dem Sommer 2018 zufrieden sein – denn viel Arbeit bedeutet regelmässiger Verdienst. «Die Leute, die bei mir arbeiten, wissen, was das heisst», blickt der Badi-Wirt auf überwiegend positive Erlebnisse mit seinem Personal aber auch den Gästen zurück. Weniger gefreute Erinnerungen gibts an jene Saisons, die wegen Schlechtwetter jeweils ins Wasser gefallen sind. «2014 war nur der Juni gut. Zuerst hoffst du, es geht so weiter, dann ist der Sommer plötzlich vorbei. 2007 wars umgekehrt. Man wartet und wartet nach einem schlechten Start, tröstet sich, es kommen ja noch der Juli und August. Aus und vorbei. Eine solche Saison schlägt schon aufs Gemüt.»

Länger in der Badi

Die Gäste. Ernst Schär kennt sich mit ihnen aus. Er, der schon im Martinshof Zuchwil oder auf der «Grabachere» in Selzach wirtete. Dann 1997 das Solothurner Hotel Ambassador erwarb und es ab 1999 mit dem Badi-Saisonbetrieb fünf Jahre lang zusammen weiterführte, ehe er es veräusserte. «Zwei Betriebe gleichzeitig waren zuviel.» Zumal sich auch in der Badi einiges änderte. «Mit den Öffnungszeiten bis 21 Uhr blieben die Leute auch noch zum Nachtessen.

Viele seien auch Stammgäste, die ersten begrüsse er jeweils um 8.30 Uhr. «Wenn das Wetter stimmt, kommen sie jeden Tag.» Eigentlich sei so der Umsatz pro Gast durch das Abendgeschäft gestiegen, aber solche Frequenzen wie noch vor 15, 20 Jahren – im Rekordsommer 2003 gabs 225'000 Eintritte – die erreiche man heute nicht mehr. «Die Aare ist für unsere Badi zwar immer noch ein Magnet. Doch viele sind auch sonst im Fluss – mit Gummigefährten oder mit Standing-Paddeln», verweist Schär auf die Mega-Trends dieses Sommers.

Chicken-Nuggets statt Menüs

Doch auch bei den Verpflegungsgewohnheiten gibt es neue Trends. Verlierer sind Sandwiches, Menüs, die selbst gebackenen Kuchen. «Wobei ich die immer noch täglich mache», so Schär. Behauptet hat sich das legendäre Thai-Curry, «das wurde auch von Gästen mittags bestellt, die gar nicht zum Baden gekommen waren.» Der Trend gehe nicht zuletzt durch die Verjüngung des Publikums hin zum Snack. «Sehr gefragt sind neben Hamburgern beispielsweise Chicken-Nuggets. Die gabs vor 15 Jahren bei uns noch gar nicht.» Und natürlich war ein «Evergreen» im wahrsten Sinn des Wortes der Salat. «Davon haben wir diesen Sommer Unmengen gebraucht.»

Lift und Elektronik

Diesen Winter dürfte die Nachfolgeregelung von Ernst Schär bekannt werden, die Stadt hat seinen Job ausgeschrieben. Einiges wird sich ändern (müssen). Denn in der Badi-Beiz kann aktuell nur mit Bargeld bezahlt werden. «Vor fünf Jahren versuchten wir drei Saisons lang, auch Zahlungen mit Karten einzuführen. Es war zu langsam, denn es ging meist um Kleinstbeträge. Auch eine Untergrenze von 10 Franken zeigte kaum Wirkung», lautet Schärs Fazit.

Doch nun gibt es schnellere Systeme, zudem tauchten zunehmend Badi-Gäste, beispielsweise ausländische, vom Campingplatz nebenan auf, die gar kein Bargeld mit sich führten. «Wobei, Euro nehmen wir.» Aber für Ernst Schär ist klar: Die Elektronik und damit der bargeldlose Zahlungsverkehr werden nach ihm auch in der Badi Einzug halten.

Auch hofft er, dass im Zuge von absehbaren Umbauten in den nächsten zwei Jahren zumindest der Nachfolge ein Wunsch erfüllt wird, der ihm verwehrt geblieben war: der Einbau eines Behinderten- und Waren-Lifts.

Zeit fürs Jodeln

Der 67-jährige Wirt, gelernter Koch und Absolvent der Hotelfachschule, freut sich sichtlich auf den baldigen Ruhestand. Denn im Winter blieb ihm jeweils nur eine kurze Pause, «schliesslich bezog ich dann die ganze angehäufte Überzeit und die nicht möglichen Freitage». Mit dem Aufräumen und der Buchhaltung habe die Saison schon sieben Monate gedauert, «sie war eigentlich ein Vollzeitjob». Seine Tochter und sein Sohn hätten nie etwas von der Gastronomie wissen wollen, «haben sie doch erlebt, dass ich kaum Zeit für sie hatte, als sie noch Kinder waren». Dafür kann Ernst Schär mit seinen Enkelkindern nächsten Sommer den einen oder anderen Tag in der Badi verbringen – bis anhin undenkbar.

Und er braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn er seinen Betrieb im Stich lässt, weil er mit einem seiner Jodler-Clubs – Hasenmatt Selzach oder dem Jodlerchörli Oberönz – ein Fest besucht. So wie damals in Yverdon bei schönstem Sommerwetter. Als er dann am Sonntagabend nach Hause kam und sah, was sein Team alles hatte leisten müssen, ja da habe er nur gesagt: «Jösses Gott, was hani nume gmacht!»

Nun hat es der Badi Wirt gesehen. «Ich höre nicht auf, weil ich es nicht gerne mache. Aber es ist jetzt einfach genug!»