Auf drei Jahre befristet, vermittelt der Verein der Freunde des Stadttheaters Solothurn Patenschaften für junge Schauspieler und Schauspielerinnen. Das dafür notwendige Geld wird nicht nur bei Vereinsmitgliedern gesammelt. Erfreulicherweise können die gesteckten Ziele erreicht werden, was dem Theater erlaubt, über das Stammensemble hinaus junge Talente zu beschäftigen. Eines dieser jungen Talente ist Tatjana Sebben. Wir haben mit ihr gesprochen.

Tatjana Sebben, wie und warum sind Sie Schauspielerin geworden?

Tatjana Sebben: Mein darstellerischer Werdegang begann im Alter von vier Jahren mit Unterricht in klassischem Ballett. Nach der Matura, bis zu welcher und nach der ich immer noch tanzte, war der Wunsch Tänzerin zu werden stets vorhanden. Ich glaube es war die fehlende Unterstützung meiner Tanzlehrerinnen und das Unwissen meinerseits, wie ich mit 18 Jahren noch eine professionelle Ausbildung in diesem Bereich absolvieren könnte, die mich davon abhielten. Ahnend, dass mir das Schauspiel weiterhin Möglichkeit zum Tanzen geben und viele andere Tätigkeiten, die ich liebe, vereinen würde, habe ich dann die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule der Zürcher Hochschule der Künste gemacht - inzwischen habe ich das Studium abgeschlossen.

Wie sind Sie nun an das Stadttheater Solothurn gekommen?

Als die Schauspieldirektorin Katharina Rupp für das Stück «Ephebiphobia - Angst vor Teenagern» noch eine weibliche Rolle zu besetzen hatte, setzte sie sich mit der ZHdK in Verbindung. Es wurden ihr insgesamt sechs Schauspielerinnen vorgeschlagen, welche ihr und dem Regisseur Dominik von Gunten vorsprechen durften. Ihre Wahl fiel dann auf mich, so dass ich zu meiner grossen Freude noch während der Ausbildung am Tobs gastieren durfte.

Kam es dann in der Folge zu dieser Patenschaft?

Richtig. Katharina Rupp hat mich den Freunden des Theaters vorgeschlagen. Die meisten davon hatten mich bereits anlässlich meiner Gastrolle in «Ephebiphobia» auf der Bühne gesehen. Als ich von dieser Patenschaft erfuhr, war ich überrascht, sehr glücklich und fühlte mich wirklich geehrt. Diese Patenschaft hat es mir ermöglicht, weiter am Theater beschäftig zu werden bis eine Planstelle frei geworden ist. Seit Januar dieses Jahres bin ich festes Ensemblemitglied.

Derzeit spielen Sie in «Verweile doch, du bist so schön», einem Theaterstück, das nicht den klassischen Aufbau eines Stückes hat und sie auch keine konkrete Figur verkörpern. War das eine Herausforderung für Sie?

Während meiner Ausbildung haben wir oft mit solchen Theaterformen gearbeitet. Natürlich ist dies herausfordernd, bedeutete aber im Grunde genommen nichts Neues für mich.
Bei einer jungen Schauspielerin stellt sich fast zwangsläufig die Frage nach einer Wunschrolle.
Ich wünsche mir Rollen, welche zur Herausforderung werden. Rollen, die ihre eigenen Grenzen zu sprengen versuchen. Rollen, die vor Lebenskraft Funken werfen. Ich spiele sehr gerne körperbetont, wobei mir hier mein Ballettunterricht zu Gute kommt. Es reizt mich auch immer wieder Figuren anhand von Tierstudien aufzubauen, weil ich glaube, dass es ihnen etwas ganz Urinstinktives, Fleischiges und Kraftvolles verleiht.

Wie gefällt Ihnen eigentlich Solothurn?

Aufgewachsen bin ich im aargauischen Burg, habe die Kantonsschule in Aarau besucht und später während der Ausbildung immer wieder in Zürich gewohnt. Solothurn ist die erste Stadt, in welcher ich mich wohlfühle. Wenn ich bei schönem Wetter der Aare entlang gehe, kommt bei mir ziemlich zuverlässig Feier- und Ferienstimmung auf. Solothurn hat für mich etwas sehr Warmes und Geborgenes.

Und was kommt als Nächstes?

Im «Tell» spiele ich die Ulrike - bei Schiller ist das die Figur des Ulrich von Rudenz. Ulrike ist eine junge Frau aus adeligem Hause, die versucht die Mauern der Tradition zu sprengen, hoffend der Schweiz und sich selbst eine bessere Zukunft zu bescheren. Die Tell-Inszenierung des Tobs ist eine freie Bearbeitung des Schiller’schen Klassikers durch Jérôme Junod und Daniela Janjic.

Die Premiere des «Tell» findet im Stadttheater Solothurn am Dienstag, 15. Mai, statt.