«Man weiss nie genau, was kommt. Aber Spass gemacht hat es immer.» Tatsächlich ist und war der Job von Martin Allemann eine tägliche Wundertüte – eine brennbare obendrein. An Einsätzen, die sich ins kollektive Gedächtnis einbrannten, herrscht kein Mangel. Doch dazu später.

Allemann geht nach 42 Jahren in der hiesigen Feuerwehr, davon 13 als Kommandant mit 63 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand. Auch wenn er es als 19-Jähriger nicht beabsichtigt hatte, eine Feuerwehrkarriere einzuschlagen, kam es anders: Ein Jahr nach der Aushebung wurde Allemann in die Pikettabteilung aufgenommen. Als Feuerwehr-Soldat erlebte er mit dem Brand des Schärenhofs 1977 einen seiner ersten Grosseinsätze.

Während er beruflich bei der Autophon AG Fuss fasste, stieg er im Militär bis zum Adjutanten auf – und auch die Feuerwehr bestimmte immer mehr sein Leben: Bis 1985 war er zum Dienstgrad des Offiziers gelangt, ab 1989 amtete er als kantonaler Instruktor. 2001 folgte die Festanstellung auf dem städtischen Amt für Feuerwehr und Zivilschutz. Als Adjunkt war Allemann für die Planung der Wiederholungskurse im Zivilschutz zuständig.

Drei Jahre später wurde er vom Gemeinderat zum Kommandanten gewählt und übernahm die Nachfolge Peter Hänslis, der die Bereiche Feuerwehr und Zivilschutz in Personalunion geführt hatte. Zum Einsatzgebiet seitens Feuerwehr zählt neben Solothurn auch Feldbrunnen. «Aber auch sonst hilft man Stützpunkt-Feuerwehren der Umgebung nötigenfalls mit Material und Personal aus», so Allemann. Seitens Zivilschutz umfasst der Radius 14 Gemeinden oder ein Einzugsgebiet von 37 000 Einwohnern. 360 Zivilschützer und 72 Feuerwehrleute zählen zum Amt.

Von Handelsbank bis Hauptgasse

Allemann erinnert sich an seinen ersten Grosseinsatz als stellvertretender Kommandant: In einer Juninacht 2004 brennt die ehemalige Handelsbank lichterloh – 120 Feuerwehrleute stehen unter Allemanns Einsatzleitung. Ein Jahr später wird ein Güterschuppen am Hauptbahnhof zum Raub der Flammen.

In die Schlagzeilen kommt zu seiner Amtszeit aber auch dieses ein Ereignis, wenn auch für die Feuerwehr wenig aufwandintensiv: Der Brandstifter-Akt in der St. Ursenkathedrale im Januar 2011. «Wir hatten zum Glück jemanden mit Feuerlöscher vor Ort, um Teppich und Altar zu löschen.» Eine Wasserleitung muss keine gelegt werden. Das grösste Problem ist aber der Rauch, der abgeleitet werden musste.»

Erst nachdem ein Dachdecker ein Kuppelfenster eingeschlagen hat, kann dieser abziehen. Doch da hat der Brennstoff bereits den Russschaden angerichtet. «Wenn aber das Dach gebrannt hätte, wären wir einem noch grösseren Problem gegenübergestanden.»

Eine Altstadt, wie sie Solothurn ihr eigen nennt, ist für jeden Kommandanten eine Herausforderung. Als «nahrhaft aber glimpflich» bezeichnet Allemann die erlebte Extremsituation schlechthin: den Dachstockbrand in fünf Altstadthäusern – ebenfalls 2011: Reichlich spät trifft die Meldung auf der Alarmzentrale ein, während viele Passanten das Handy nur zum Filmen benutzen und die Einsatzfahrzeuge beim Vorankommen hindern

Allemann selbst sucht nach Zugängen, rennt Treppenhäuser rauf und runter, versucht, die Brandherde im Korridorlabyrinth der Altstadthäuser auszumachen. Was folgt, ist der so genannte Flashover, der Übergang zum Vollbrand, Zuchwil und Bellach werden ebenfalls aufgeboten, um den Brand in seine Schranken zu weisen. Noch drei Tage später schwelen Glimmbrände. Die Feuerwehr kann Schlimmeres verhindern.

«Ich baute auf Erfahrung und auf Bauchgefühl», erinnert sich Allemann. «Ausserdem ist es wichtig, die Leute für solche Ereignisse zu schulen.» Und der Umgang mit den Medien war zentral: «Dank einer Schulung wusste ich, dass man die Presse nicht abschütteln soll, sondern mit gezielten Infos beliefern, die sie dann auch verwenden. Probleme gab es so nie.»

Und: «Ich wurde nie direkt angegriffen», sagt er im Rückblick dieses und anderer Brandereignisse. Tatsächlich taten viele ihre Dankbarkeit in Worten kund, «ab und zu auch in Form eines Banknötlis.» Kam Kritik, dann nie direkt, sondern nur hinter dem Rücken. «Es waren Nörgler, die im Nachhinein immer alles besser gewusst haben wollen», so Allemann. «Dennoch: Wir fühlten uns als Helfer wahrgenommen», was auch die Budgetrunden zeigen, bei denen der finanzielle Bedarf der Feuerwehr nie infrage gestellt wurde. «Wir haben mit Kosten auch nie überbordet und sind auch ohne Schnickschnack gut und modern ausgerüstet.»

Zwei Organisationen in einem

Nun war Allemann auch Zivilschutz-Kommandant und hat als solcher den Übergang von der als «Dachlattenseminar» wahrgenommenen Institution hin zur Organisation für nicht kriegerische Ereignisse und Einsätze zugunsten der Gemeinschaft miterlebt, ja mitgeprägt.

Beispielsweise mit einem Wochenkurs in Eggenberg, wo Pioniere Wege, Bewässerungskanäle oder Brücken instandsetzen. Dass Feuerwehr und Zivilschutz unter einem Kommando stehen, sieht Allemann als Vorteil. So können Synergien in Sachen Ausbildung, Organisation und Material genutzt werden. Und mit einem zu 500 Stellenprozenten besetzten Amt ist immer jemand mit Führungskompetenzen im Einsatz.

Zufrieden blickt Allemann auf seine Zeit als Kommandant zurück – und weil Sicherheit an oberster Stelle ist: «Gottseidank ist niemand aus der Mannschaft zu Schaden gekommen.» Gute Leute mit guter Ausbildung, lautet die Devise. «Aber übers Szenario eines Todesfalls in der Mannschaft macht man sich schon Gedanken.» Wichtig sei der Zusammenhalt mit den Offizieren. «Ich habe ein gutes kameradschaftliches Kader und eine gute Mannschaft. Und wenn sich die Leute kennen, ist Führen einfach.»

Nachdem Allemann das Kommando am kommenden Samstag anlässlich der Feuerwehr-Hauptübung (Klosterplatz, ab 15 Uhr) an Boris Anderegg übergeben hat, will er sich im Privaten einer Leidenschaft widmen, die während seiner einnehmenden Tätigkeit zu kurz gekommen ist. «Ich will die Städte der Schweiz und Europa bereisen», sagt der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder und Grossvater von Zwillingen.