Hutgalerie

Hut ab - Nelly Mathys zeigt nochmals was in ihren Hüten steckt

Im Kabinett für sentimentale Trivialliteratur zeigte die bekannte Modistin Nelly Mathys ihre Kunstwerke. Dabei kam die eine oder andere Hutgeschichte ans Licht.

Da steht sie, die kleingewachsene, charmante Frau, die in Solothurn Hutgeschichte schrieb, und begrüsst zusammen mit der Besitzerin des Kabinetts für Trivialliteratur, Lotte Ravicini, die Gäste. Für einmal stehen nicht feminine Buchklassiker im Vordergrund, sondern Kopfbedeckungen, die wie Nelly Mathys der Weiblichkeit und Eleganz der Frauen huldigen. Auf weissen Tischchen liegen sie, die kleinen Kunstwerke: lieblich, verlockend, zum Teil auch ein bisschen verwegen, mit Schleifen, Rosen, Tüll und Bändern garniert. Einige davon darf man anfassen und mit nach Hause nehmen. «Ich verreise demnächst an die Sonne», sagt Marianne Wüthrich aus Mühledorf, «da ist es wichtig, dass ich den Hut in den Koffer packen kann.»

Viele Hutgeschichten

Ein bisschen Nostalgie kommt schon auf unter den Frauen, die sich mit dem Glas Prosecco in der Hand auf den alten Sofas im Salon - mit und ohne Hut - niedergelassen haben. Selbstverständlich drehen sich die meisten Gespräche um den Hut, und fast jede Besucherin hat ihre eigene Hutgeschichte. Die eine oder andere sagt: «Mir stehen Hüte nicht.» Doch das lässt Nelly Mathys bei der anschliessenden Plauderei im Dachgeschoss, wo es kaum genug Stühle für die Besucherinnen gibt, nicht gelten: «Es gibt für jede Frau einen passenden Hut», sagt sie. Wichtig sei, dass man sich Zeit lasse beim Aussuchen. Zeit, die auch Nelly Mathys immer wieder aufbringen musste, um die Kopfform und das Gesicht ihrer Kundinnen zu studieren. «Früher», erzählt sie, «habe ich oft drei Hüte auf einmal verkauft, denn es gab eine Zeit, da trug man einen Hut für den Alltag, einen für den Osterspaziergang, einen für den Friedhofbesuch und natürlich einen für den Kirchgang.» Und Lotte Ravicini erinnert sich, dass man, wenn die Stimmung im Keller lag, einer Frau nicht zu einem warmen Bad riet, sondern ganz einfach sagte: «Kauf Dir einen neuen Hut.»

Was das Geschäft vermieste

Das Hutgeschäft gewaltig vermiest haben schliesslich ab den Sixties die Figaros, die das Toupieren propagierten. Und auch die Autohersteller hätten dazu beigetragen, dass der Hut als Markenzeichen weiblicher Anmut und Ausstrahlung in den Hintergrund rückte, weiss Nelly Mathys: «Die Autos wurden kleiner und die Frauen mussten ihre Hüte auf dem Rücksitz deponieren.» Doch nicht nur die Frauen verloren etwas von ihrem Charme, als man begann, ihnen die Hüte wegzunehmen. Auch die Männer hatten das Nachsehen. «Mit einem Hütchen mit Schleier lässt sich wunderbar flirten» schmunzelt Nelly Mathys, und auch Lotte Ravicini weiss: «Wenn die Frauen ihre Augen hinter einem kleinen Schleier verdecken, wird das Interesse der Männer geweckt.»
Das kleine, aber feine Nachmittagsgespräch beendete Angelia Schorre, die den beiden Frauen auf den Zahn fühlte, mit einer Lesung aus einem Buch von Lotte Ravicini.

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