Sie führt mitten durch ein begehrtes Wohnquartier, doch sind auch die schnaubenden Dampflokomotiven auf den brachliegenden Geleisen kein Thema mehr. Das Bahn-Trassee der stillgelegten SBB-Linie Solothurn–Büren böte viel Potenzial für eine Überbauung. Mehrere hundert Meter zieht sich der Bahndamm dem Bucheggweg entlang mit einem grösseren Abstand zur nördlich parallel verlaufenden BLS-Strecke Solothurn–Burgdorf–Thun hin.

Der Grünstreifen zwischen den Gleisanlagen ist so breit, dass sogar die Anlage von Schrebergärten möglich wurde. «Nein, dies war bisher kein Thema», bestätigt Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt, dass eine Überbauung bislang noch von keiner Seite geprüft worden ist. «Aufgegebene Bahnlinien werden möglicherweise später wieder in Betrieb genommen. Man denke beispielsweise an die Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist und damit die Aktivierung der Kriegsschlaufe zwischen Rothrist und Zofingen auf dem Gemeindegebiet von Aarburg und Oftringen.»

Das neue 850 Meter lange Verbindungsgleis habe den SBB einen «zusätzlichen Quantensprung im Fahrplanangebot» ermöglicht, hält Lenggenhager weiter fest. Doch verweist sie auch auf ein Beispiel in Naters-Visp, wo ein aufgegebener Gleisstrang der Matterhornbahn durch einen Fuss- und Veloweg ersetzt worden ist.

Überbauen wird sehr teuer

Proportional zum Stadtgebiet weist Solothurn einen hohen Anteil an Bahngeleise-Flächen und Bahnhof-Areal auf. Dies gilt vor allem für die bis gestern Dienstag von einer Stilllegung bedrohte Bahnlinie zwischen Solothurn und Moutier, die ab dem Westbahnhof bis nach Langendorf grösstenteils auf einem Damm mehrere Quartiere durchschneidet. Doch kein Thema ist für Andrea Lenggenhager auch das Überbauen solcher Flächen.

«Das Überbauen hat grössere Nachteile. Aufgrund des Lichtprofils der Bahn muss das erste Geschoss sehr hoch oben sein.» Zudem komme die Tischkonstruktion, welche eine Überbauung erst möglich macht, sehr teuer zu stehen. Bei vielen anderen Projekten sei sie nicht finanzierbar gewesen – «beim Bahnhof Zürich wurde eine solche Idee über Jahre geprüft und schliesslich verworfen.»

Pläne bei den Bahnhöfen

In der aktuell laufenden Ortsplanungsrevision spielen die Bahn-Flächen insofern kaum eine Rolle, weil die Bahn-Areale im Gegensatz zu den Gleisanlagen bereits in der Kernzone liegen, also für eine Überbauung nicht umgezont werden müssen. Bei Gleisanlagen wie eingangs erwähnten Streckenabschnitt in der Vorstadt ist eine Überbauung derzeit (noch) gar nicht möglich.

Käme es einmal so weit, gäbe es für die Leiterin des Stadtbauamtes nur ein Vorgehen: «Gestützt auf eine sorgfältige Abwägung der Vor- und Nachteile und eine qualitätsvolle Planung wäre eine Änderung der Nutzungspläne zu prüfen.»

Im Gegensatz zu den eigentlichen Trassee-Flächen stehen für Andrea Lenggenhager eher die Gleise auf zwei Bahnhof-Arealen im Fokus. «Beim Studienauftrag RBS werden wir die RBS-Gleise mit einbeziehen. Und beim Westbahnhof sind wir daran, einen Studienauftrag aufzubereiten. Dort könnte dies ein Thema werden.»