Solothurn
Hund Garo entdeckt eine tote Frau im Graben

In Solothurn hat am späten Samstagabend ein Hund die Besitzer zu einer Leiche im Brühlgraben geführt. Die gegen 80-Jährige hatte eine schwere Kopfverletzung.

Lea Durrer
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Heike Mund mit Garo am Ort, wo die Frau im Graben lag Garo zieht immer noch gegen den Graben, wenn die beiden hier entlang laufen.
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Gleich bei dieser Röhre lag die Frau. Am Samstag hatte es noch kein Wasser im Graben.
Von hier aus ist das Haus von Peter Bohnenblust zu sehen.
Dort sass der Rentner am Samstag mit einer Bekannten auf der Terasse, als er von Heike Mund und deren Mann um Hilfe gerufen wurde.
Peter Bohnenblust informierte die Polizei und leuchtete mit seiner Taschenlampe. «Ich wusste sofort, dass die Frau tot war.»
Hund Garo findet im Graben eine Leiche
Von der Strasse ist kaum in den Graben zu sehen. Das Gras ist heruntergetrampelt – auch von den Ermittlungen.
Auf der Strasse dürfen nur 30 km/h gefahren werden.

Heike Mund mit Garo am Ort, wo die Frau im Graben lag Garo zieht immer noch gegen den Graben, wenn die beiden hier entlang laufen.

Lea Durrer

So ganz verdaut ist das Erlebnis vom späten Samstagabend noch nicht. Noch heute bekommt Heike Mund Gänsehaut, wenn sie über die grausige Entdeckung spricht. «Ich und mein Mann machten so um 21.45 Uhr mit unserem Hund einen Spaziergang am Brühlgraben entlang bis zum Kreisel und zurück. Beide Male hob Garo an der gleichen Stelle Kopf und Nase und zog gegen den Graben. Das hat mich schon gewundert», erzählt sie.

Auf dem Rückweg gab Heike Mund, die die Leine in der Hand hielt, nach und liess Garo ins Gras treten. Dieses sei an einer Stelle ganz flachgedrück gewesen. Garo ging zum Bach hinunter, was er sonst nie tue, betont sein Frauchen. Dann habe er geknurrt. «Da wusste ich: Etwas stimmt nicht», so Mund. «Ich beugte mich über den Rand und sah unten jemanden daliegen.» Beim genaueren Hinsehen machte sie eine Frau aus. «Sie war hell gekleidet, hatte ein pinkes Shirt und eine bunte Hose an. Zudem war sie schön frisiert.»

Peter Bohnenblust genoss genau in jenem Moment den lauen Sommerabend mit Bekannten auf seiner Terrasse – mit Blick auf die Brühlgrabenstrasse und auf den Fundort. Gerade stand das letzte Glas Wein auf dem Tisch, als er vom Paar um Hilfe gerufen wurde.

«Die Frau lag mit dem Gesicht nach oben im Graben, war bleich und hatte eine starke Kopfverletzung», erzählt der Ingenieur. Sofort alarmierte er die Polizei. «Für mich war gleich klar, dass sie tot war.» Er habe sie nicht angerührt, nur mit seiner mitgebrachten Taschenlampe angeleuchtet. «Es gab keine Reaktion.»

Gekannt hat er die ältere Dame nicht. Gleich aufgefallen sind ihm die weissen Sandalen. «Sie hatte zudem einen Schlüsselbund in der rechten und einen Plastiksack in der linken Hand.»

10 Minuten nach seinem Anruf auf der Notrufzentrale traf die Polizei, kurz darauf die Ambulanz in der Weststadt ein. «Die Polizei hat sofort das Feld und die Brühlgrabenstrasse abgesperrt», sagt Bohnenblust. Einige Stunden wurden die Frau und der Fundort untersucht. Bohnenblust leuchtete zu Beginn noch mit seiner Lampe.

Medizinisches Problem?

Die Polizei geht derzeit von einem medizinischen Problem aus, das zum Tod der gegen 80-Jährigen führte. Genaueres über die Todesursache kann aber noch nicht gesagt werden. Die Frau wird obduziert, wie es auf Anfrage bei der Kantonspolizei Solothurn heisst.

Bohnenblust geht nicht davon aus, dass die Seniorin auf der Strasse zusammenbrach und in den Graben rollte. «Sie lag im Graben. Zwischen Graben und Strasse sind zirka 1.50 Meter Grasfläche.» Er vermutet, dass sie angefahren worden sein könnte.

Gar nicht ausmalen will sich Heike Mund, was gewesen wäre, wenn sie mit ihrem Mann und dem Hund zusammen an jenem Abend nicht die Bach-Runde gemacht hätten. Oder wenn sie nicht auf «Garos» Anzeichen gehört hätte. «Würde die Frau heute noch da unten liegen?», fragt sie sich.

Ihr Mann und sie seien sehr stolz auf ihren «Garo» gewesen, «obwohl die Situation furchtbar war».