Hudibras? Das steht doch irgendwo. Richtig: auf dem Steinbänkli in der Verenaschlucht. «Metzners hatten damals den Bach gepachtet», weiss Ober Charlie Schmid zu erzählen. «Hanspeter Metzner und mein Vater Ueli Schmid waren Ende 1965 die treibenden Kräfte, die eine neue Wagenbauzunft gründen wollten.» Die Gründergeneration, von der nur noch Roli Jäggi dabei ist, hatte schon in den fünfziger Jahren zusammen Fasnacht gemacht. Wägeli gebastelt, Instrumente gezückt und ab an den Umzug. Die Kinder, nun im Erwachsenenalter, aber immer noch aus der Schulzeit im «Hemmli» eng miteinander verbunden, bauten die ersten Wagen noch in Schmids grosselterlichem Gibelin-Hof an der Bielstrasse. Und nannten sich am ersten, dem 1966er Umzug, «Hudibras-Chutze.»

Denn «Hudibras» war das Pseudonym des Solothurner Schriftstellers Franz Josep Gassmann (1755-1802) eines aufmüpfigen Geistes am Vorabend der französischen Revolution. «Das Revolutionäre, das hat die Gründer damals fasziniert», so der heutige Ober.

Skandal, Skandal!

Die Hudibras-Chutze mussten ziemlich Druck aufbauen, damit sie 1970 als sechste und bis heute letzte Stammzunft in der Vereinigten Fasnachtsgesellschaft Solothurn UNO Aufnahme fanden. Zuvor hatten sie sich allerdings schon mit spektakulären, ja aufsehenerregenden Wagen einen Namen gemacht. Zu fünfzehnt gebaut war das erste Gefährt unter dem Motto «Sieben auf einen Streich» noch vergleichsweise bescheiden. 1968 glossierte man den Wirthen-Brand mit den original Zunfthaus-Stühlen auf dem Wagen, und ein Jahr später führten Insiderkenntnisse über die Bürgergemeinde Solothurn, preisgegeben am Umzug, sogar für eine Strafklage.

Einen Eklat gabs auch, als 1971 die Musikabteilung der Hudibrassen unter Dirigent Roland Fischlin im Stadttheater die Bühne während der Aufführung der «Fledermaus» stürmte, weil sie zu lange auf ihren Auftritt warten musste. Im Publikum war von Buhrufen bis Applaus alles zu hören. In der Folge spaltete sich ein Teil der Musikgruppe ab und mutierte zur Gugge der Sümgaggophoniker.

Skandal auch 1981, als einige Hudis Bundesrat Willi Ritschard mit Wasser bespritzten, und dessen Flucht einige reihen weiter nach hinten auch vom «Blick» kolportiert wurde. Und 1991 sorgten Hudibras-Bischöfe mit einem Rüebli als Kruzifix – gezielt wurde auf Bischof Haas – nicht nur für nette Leserbriefe.

Die Suche nach einer Halle

«Das war sehr wichtig», erinnert sich Charlie Schmid an seine Anfänge bei den Hudibras-Chutze. Als vierjähriger Knirps durfte er erstmals am Umzug mitmachen, weil Ober Werner Baumgartner beschlossen hatte, künftig auch Kinder auf die grosse Narrenparade mitzunehmen. «Heute rekrutiert sich ein Grossteil der Zunft aus dieser Kinderschar, erklärt der Ober.

44 Aktive und 13 Kinder werden heuer den Umzug bestreiten, auf dem Wagen, der wie immer in 30 Arbeitseinsätzen ab dem ersten Januarsamstag entsteht. Die Gringe stellt eine Gruppe der Hudibras-Chutze schon ab dem Spätherbst her, und aktiv ist auch die Redaktion der Fasnachtszeitung «Dr Hudibras», der aber nicht nur Zunftmitglieder angehören.

Das grosse Problem, das «alles überschattet», ist aber die Suche nach einer festen Wagenbauhalle. Nach den ersten Jahren bei Zetter und Conti in Zuchwil fühlten sich die Hudibras-Chutze 30 Jahre lang in einer Halle der Cellulose Attisholz gut aufgehoben. «Doch seit einigen Jahren sind wir auf der Wanderschaft», meint der Ober. Derzeit sei man im Bleichenberg untergekommen – allerdings ist die Halle nur noch für die nächste Fasnacht gesichert.

Nebulöses Treiben

Vieles hat sich geändert, seit der legendäre Hans Borer anfangs die Köpfe von Stadtpromis als Umzugsgringe formte oder die Hudis mit ihrer Musikkapelle von Beiz zu Beiz zogen, um zuletzt meist im «Rebstock» zu landen. Geblieben ist die Tradition, zwei Generalversammlungen im Frühling und Herbst abzuhalten und dass Novizen nach einjähriger Probezeit aufgenommen werden. Der Ober amtet für drei Jahre, ehe er seinem Vizeober, den er bestimmen kann, die Bürde mit Würde weitergibt.

Geändert hat sich aber auch die Finanzierung des ganzen Fasnachtsspasses: Waren früher spendable «Göttine» und Gönner, heute Sponsoren genannt, gang und gäbe, so müssen die Hudibras-Chutze heute über den Jahresbeitrag von 150 Franken, das Führen einer Märetfescht-Beiz und den Plakettenverkauf die nötigen Mittel beschaffen. Geblieben ist aber eins: «Betrieb und viel Spektakel am Umzug». Dieser Devise wollen die Hudis auch dieses Jahr umsetzen: «Wir haben zum Jubiläum ein Sujet gewählt, das seit 30 Jahren auf der Hand liegt, aber nie jemand gewählt hat – den Nebel.» Nicht ganz einfach umzusetzen, findet Charlie Schmid. Aber die Hudibras-Chutze haben in den letzten 50 Jahren noch jedes Problem gelöst.