Solothurn

Hotspot zum Schmökern: Der offene Bücherschrank hat jetzt seinen eigenen Verein

Seit fünf Jahren ein Angebot für Gross und Klein: der offene Bücherschrank am Kreuzackerquai.

Seit fünf Jahren ein Angebot für Gross und Klein: der offene Bücherschrank am Kreuzackerquai.

Der offene Bücherschrank am Kreuzackerquai in Solothurn ist ein Anziehungspunkt für Jung und Alt. Nun hat er einen eigenen Verein: 22 Aktivmitglieder engagieren sich für den Betrieb und Unterhalt des Schrankes.

Wer von den Initianten des Offenen Bücherschranks am Kreuzackerquai hätte beim Start gedacht, dass ihre Idee einen solchen Erfolg zeitigen würde? Nicht nur bei schönem Wetter scharen sich seit fünf Jahren Interessierte rund um den Schrank, um dort neuen Lesestoff abzuholen, oder bereits konsumierten abzugeben.

Und so finden täglich durchschnittlich 150 Bücher einen neuen Besitzer – bei einem Bestand von rund 400 Büchern, 700 weitere hat Mitbegründer Hartwig Roth in seinem Lager. Nun gibt sich die Kerngruppe, die sich um den Betrieb und Unterhalt des Leseangebots im öffentlichen Raum kümmert, eine neue Form: Seit Ende März besteht der «Offene Bücherschrank» als Verein.

Keine Vereinsmeierei

«Doch im Grunde verstehen wir uns mehr als Interessengemeinschaft», sagt Roth, der zusammen mit Bruno Durrer das neue Co-Präsidium bildet. «Denn die Gründung soll nicht dem Selbstzweck der Vereinsmeierei dienen.» Die Vereinsstrukturen werden daher hintergründig bleiben.

«Der Vorteil ist, dass wir als Verein von der Öffentlichkeit und den Behörden noch besser wahrgenommen werden», sagt Durrer. Roth seinerseits macht auch rechtliche Gründe geltend: Gerade die Zusammenarbeit und Kommunikation mit der Stadt als Konzessionsgeberin seien vorteilhafter, wenn man sich nicht als einzelne Kontaktperson, sondern als Körperschaft präsentiere. «Ausserdem ist das Auftreten gegenüber Sponsoren und Gönnern solider und glaubwürdiger», erklärt Roth weiter.

Die beiden Co-Leiter kümmern sich um Werbung und Kontakte - und ihnen zur Seite steht ein kleines Kernteam für die Einsatzplanung. Insgesamt zählen 22 Aktivmitglieder zur Interessengemeinschaft, die sich alle für den Betrieb und Unterhalt des Schranks engagieren. Mit zu den tragenden Personen zählte auch der mittlerweile verstorbene Mitinitiant Urban Zehnder

Die Bürden der Betreiber

Ein Selbstläufer ist das Angebot längstens nicht geworden – es erfordert Aufsicht und Wartung: So gibt es jene, die den Schrank als Entsorgungsstelle für Bücher zweckentfremden und dicke Wälzer kreuz und quer in die Regale stopfen. Und jene, die auf ihrer Entsorgungstaktik mit dem dreisten Argument beharren, dass der Schrank ja schliesslich mit Steuergeldern bezahlt sei.

«Da mussten wir auch schon eingreifen und mitteilen, dass das Angebot auf privater Initiative und privatem Engagement beruhe», sagt Roth. Tatsächlich hat sich die Stadt vor fünf Jahren in Form eines Spendenbeitrags an der Finanzierung beteiligt. Ansonsten haben neben dem kantonalen Lotteriefonds vor allem private Sponsoren zur Realisierung des Schranks beigetragen. «Danach waren wir kaum noch auf Spendensuche», sagt Hartwig Roth.

Heisst: bis im Januar dieses Jahres. Da wurde der Schrank vermutlich durch Vandalen beschädigt. Zwei Schrankklappen aus Glas waren damals durch massive Gewalteinwirkung demoliert worden. Schaden: 600 Franken. Der Betrag jedoch war durch einen Anruf bald zusammengebracht: «Die Solidarität hat uns das Herz erwärmt», sagt ein dankbarer Bruno Durrer: «Wir werden wahrgenommen und von der Allgemeinheit getragen.»

Allerdings sei man weiterhin auf Spenden angewiesen, um den Schrank zu revidieren. Geplant ist unter anderem ein Wartungselement, das unter den Regalen installiert wird und Reinigungsmaterial enthalten soll.

Es bleibt bei einem Schrank

Es herrscht Halbzeit: Noch fünf weitere Jahre läuft die Konzession für den Betrieb der Anlage. Aber nicht nur die Vereinsgründung, sondern das sichtbare Interesse deuten darauf hin, dass auch 2022 noch nicht das letzte Kapitel um den Bücherschrank geschrieben ist. «Vor kurzem habe ich ein junges Pärchen beobachtet, das einen Bekannten mit Begeisterung an den Schrank herangeführt hat», sagt Bruno Durrer zur Beliebtheit des Angebots.

Ausserdem trete die Leseecke auch als Parcours-Posten beim Tourist Office in Erscheinung. Doch während bereits in umliegenden Gemeinden und weit über die Region hinaus die Schränke aus der Raumformer-Werkstatt von Toni Kaufmann zu sehen sind: Auf Platz Solothurn wirds – neben kleineren und zum Teil saisonalen Leseangeboten – auch weiterhin nur einen permanenten Schrank geben. «Der Betrieb eines weiteren Bücherschranks wäre mit zusätzlichem Aufwand verbunden», erklärt Hartwig Roth weiter.

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