Vor zehn Jahren war Gregory Dörfler in die Fussstapfen von Marie-Thérèse und Gerald Dörfler getreten, und hatte offiziell das Hotel Krone übernommen. Nun, nach dem Verkauf an den Kanton und die Stadt Solothurn, geht alles viel schneller als noch vor kurzem angenommen: Schon Ende August wird das Traditionshaus seine Pforten schliessen, ehe es – seit 1995 im Besitz der Familie Dörfler – ab 1. November definitiv den neuen Eigentümern gehört. Und vom Dritten im Bunde, dem Credit Suisse Funds AG als Baurechtsnehmer umgebaut wird.

Die «Krone»-Crew schaut sich nach neuen Jobs um

«Wir wollen einen sauberen Schlussstrich ziehen», betont Dörfler angesichts der Tatsache, dass sich die langjährige «Krone»-Crew nach dem Verkaufsentscheid für 9 Mio. Franken nach neuen Jobs umsieht. Die Hälfte des 18-köpfigen Teams habe sich schon anderswo vorstellen können, und die bestehenden Lehrverhältnisse laufen Ende Juli aus. «Wir möchten lieber bis zuletzt die gewohnte Qualität halten, als mit behelfmässig aufgebotenem Personal ein ‹Sterben auf Raten› erleben.»

Kommt dazu, dass ein Punkt des erst vor kurzem zustande gekommenen Deals noch offen ist: Die Inneneinrichtung – Mobiliar, Antiquitäten, Teppiche und Leuchter – waren nicht im Verkaufspreis, gehören also noch Dörflers. Und nach Einschätzung des Hoteliers bräuchte man – sollte der CS-Investor daran kein Interesse haben – zwei Monate Zeit und das restliche Personal, um das Haus fristgerecht auf den 1. November räumen zu können.

«Der Weg zur Post mit der Kündigung war ein schwieriger», resümiert der Hotelier, «und es wird noch einen melancholischen Moment geben.»

Suche nach einer neuen Heimat

Nicht nur für Dörflers, sondern auch für alle, die sich jahrein jahraus in der «Krone» getroffen haben. «Die Buchungen im Sommer werden plangemäss abgewickelt», meint Gregory Dörfler angesichts von Grossanlässen wie der Operngala «Classics» Anfangs Juli.

«Und 95 Prozent aller Veranstalter von Anlässen nach Ende August habe ich kontaktiert und ihnen Vorschläge für Alternativen unterbreitet.» Die Liste ist lang: Die Narrenzunft Honolulu muss den Hilari und Aschermittwoch anderswo durchführen, die Schnitzelbänkler Gastrecht in anderen Lokalen suchen. Der Casino-Ball wird ebenso heimatlos wie das alle zwei Jahre in der «Krone» angesetzte Freundschaftsessen der Lukas-Bruderschaft.

Noch härter triffts die öfter tagenden Rotarier, deren Frauenabteilung, den «Inner Wheel», den Lions Club, den Panathlon- und Ambassador-Club, die Union sowie die Stammtische Cardinal, Bastion oder der Alt-Amicitia. Speziell betroffen ist einer der zwei «Krone-Mieter», der Burger-leist: Er zahlt zwar keine Miete, muss aber wohl sein Leistzimmer mit dem ihm gehörenden altehrwürdigen Mobiliar räumen.

«Bedingung im Kaufvertrag war, dass das Objekt am 1. November ohne Mietverhältnis übergeben wird», erklärt Dörfler – was auch das Aus für Modistin Nelly Mathys am Kronenstutz bedeutet. Noch stehe sie aber in Verhandlungen mit der CS, betont die bald 73-jährige Ikone der alten Solothurner Gewerbewelt; «denn für einen vernünftigen Totalausverkauf brauche ich mehr Zeit.»

Das Problem der Investitionen

Das wirtschaftliche Auf- und Ab seit 2001, vor allem aber die veränderten Konsumgewohnheiten seien für die Gastronomie allgemein zum Problem geworden, erklärt Gregory Dörfler. «Am Essen verdient man fast nichts mehr, und auch der Bordeaux wird nicht mehr flaschenweise getrunken. Die Marge reicht einfach nicht mehr aus, um die ständigen Reinvestitionen ins Haus vornehmen zu können.» Und auf die Frage, ob Solothurn «overbeized» sei, schiesst aus dem Hotelier nur ein Wort: «völlig!»

Was Dörfler ab dem Herbst vorhat, «das ist noch offen». Aber er möchte Solothurn in der «alten Krone» noch einen Sommer lang bieten, was dieses offenbar nicht immer genügend goutiert hat: eine gute Küche zu fairen Preisen. «Denn die ‹Krone› litt auch immer unter einer gewissen Hemmschwelle – dabei waren wir nicht teurer als vergleichbare Häuser.»