Solothurn
Holpriger Start in die «Chestelemuni-Saison»

Wenn der Herbst mit seinen kühlen Tagen ins Land zieht, beginnt für gewöhnlich die «Chestelemuni-Saison». In diesem Jahr mussten sich die Marroni - Liebhaber jedoch etwas gedulden.

Mirjam Stuber
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Marroni

Marroni

Solothurner Zeitung

Es gehört zum Solothurner Stadtbild: Das braun-grüne Marronihäuschen vor dem St.-Ursen-Brunnen auf dem Märetplatz. Die Familie Strazzini verkauft dort bereits seit 174 Jahren Marroni. Dieses Jahr jedoch ereignete sich etwas noch nie Dagewesenes: Kurz nach der Eröffnung am 23. September sah sich Marzio Strazzini gezwungen, seine «Kastanienburg» für sechs Tage zu schliessen. «So etwas habe ich noch nie erlebt», sagt der Marroniverkäufer.

Seit 39 Jahren verkauft er im Herzen der Solothurner Altstadt «heissi Marroni». Dieses Jahr jedoch, so Strazzini, sei die Kastanienernte in Italien aufgrund grosser Hitze und Trockenheit schlecht ausgefallen. Zudem seien die Bäume wegen einer Schädlingsplage krank gewesen. «Die Kastanien, die man uns geliefert hatte, waren ungeniessbar und man konnte sie nur schlecht schälen. Einige waren sogar verfault», sagt er.

Seine Frau Yvonne Strazzini ergänzt: «Wir haben mehr Marroni weggeworfen, als wir verkaufen konnten». Das Marronihäuschen blieb daher vom 29. September bis zum 4. Oktober geschlossen. Nicht unwesentlich dazu beigetragen haben dürfte die Tatsache, dass auch in Solothurn zu Beginn der Marroni - Saison sommerliche Temperaturen herrschten. «Frische Kastanien sind leicht verderblich und müssen kühl und trocken gelagert werden», sagt der Marroniverkäufer.

Verlustgeschäft während der HESO

Besonders bedauert das Ehepaar, dass es ausgerechnet während der Heso keine Marroni verkaufen konnte: «Bis anhin begann für uns die Marroni-Saison mit der Heso. Während dieser Zeit machten wir stets grossen Umsatz». Für gewöhnlich hat die «Kastanienburg» von Ende September bis Mitte März geöffnet. Strazzinis hoffen, dass sie diese Saison mindestens bis zur Fasnacht Marroni verkaufen können.

Dass der «Chestelemuni» während sechs Tagen nicht an seinem Marroni-Bräter stand, sorgte in Solothurn für Gesprächsstoff. Es ging sogar das Gerücht umher, diese Saison würden keine Marroni verkauft werden. «Uns wurden neue Kastanien geliefert. Wir werden natürlich auch dieses Jahr Marroni verkaufen», sagt Marzio Strazzini. Und seit dem 5. Oktober herrscht im Herzen der Altstadt wieder Hochbetrieb: Der «Chestelemuni» steht an seinem Holzkohle-Bräter und röstet Marroni, sieben Tage die Woche, von 8.30 Uhr bis 19 Uhr.

Ein etwas holpriger Start

Jährlich wandern rund sechs Tonnen Kastanien in den Holzkohle-Marronibräter und in die Papiertüten zu den Kunden. Neben den warmen Köstlichkeiten verkaufen die Strazzinis auch rohe Kastanien, Tessiner Marroni-Crème, Kastanienhonig, Kastanienmehl und geröstete Erdnüsse. «Besonders unsere Marroni-Gutscheine sind sehr beliebt. Viele Eltern kaufen sie für den Adventskalender ihrer Kinder», sagt Yvonne Strazzini.

Sie ist zuversichtlich, was die diesjährige Marroni-Saison anbelangt: «Wir hatten einen etwas holprigen Start. Während den kalten Herbst- und Wintertagen läuft das Marroni-Geschäft jedoch auf Hochtouren.»

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