Solothurn

Hohe Investitionen in ein unrentables Haus: Das Ferienheim Saanenmöser soll für rund 4 Mio. Franken saniert werden

Das Ferienheim Saanenmöser, das der Stadt Solothurn 1971 geschenkt wurde, ist stark sanierungsbedürftig.

Das Ferienheim Saanenmöser, das der Stadt Solothurn 1971 geschenkt wurde, ist stark sanierungsbedürftig.

Der Gemeinderat will das Ferienheim in Saanenmöser für rund 4 Mio. Franken sanieren. Das letzte Wort wird aber an der Urne gesprochen.

Knackig formuliert mit mehr als einem Funken Wahrheit, so die Kurzzusammenfassung von Marco Lupi zum Traktandum vier der Gemeinderatssitzung vom Dienstag: «Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul», sagte der FDP-Gemeinderat und fügte an: «Und nimmt man das Geschenk an, so hat man das Geschenk.»

Die Sprache ist vom Ferienheim Saanenmöser, das am 17. Juni 1971 mittels Schenkungsvertrag an die Stadt Solothurn überging. Mit der Unterzeichnung löste sich der Verein Schulfürsorge der Stadt Solothurn auf, liess aber im Vertrag festhalten, dass das Haus auch künftig nur der Jugendbildung und Erholung dienen darf.

Gemeinderäte waren als Jugendliche selber dort

Nun 48 Jahre später haben etliche Solothurnerinnen und Solothurner schöne Erinnerungen an das Ferienheim, das nordwestlich oberhalb der Kantonsstrasse Zweisimmen-Gstaad liegt. Wie etwa Laura Gantenbein von den Grünen, die in der Gemeinderatssitzung erzählte, wie sie sich vor dem Haus im Schnee zum Song Macarena aufwärmte. «Die Stadt liefert Erlebnisse, die unbezahlbar sind», betonte sie.

Gratis sind diese allerdings nicht. Die jährlichen Mieteinnahmen sind zu gering, um den jährlichen betrieblichen Unterhalt zu decken. Zudem gibt es ein Problem: Das Ferienheim ist in die Jahre gekommen und muss für beinahe vier Millionen Franken saniert werden, wie Andrea Lenggenhager, Leiterin des Stadtbauamts, ausführte.

Nach mehr als 80 Jahren Lebensdauer seien Anpassungen und der Ersatz von Bauteilen und Installationen unumgänglich. Denn teils stellen sie derzeit eine potenzielle Gefahr da, wie etwa die 80-jährigen Installationskabel, die in den Holzdecken und Wänden geführt sind und ein grosses Brandrisiko darstellen. Zudem entspricht das Gebäude nicht den heutigen Sicherheitsbestimmungen.

Doch trotz der hohen anstehenden Investitionen: Mit 26 Ja- zu 4 Nein-Stimmen sprach der Gemeinderat sich klar für die Bewilligung des Brutto-Ergänzungskredit von 3,71 Mio. Franken aus. Die Investitionskosten für die Gesamtsanierung wurden auf 3,96 Mio. Franken veranschlagt. Dies tat die Mehrheit der Gemeinderäte aber nicht, ohne den Mahnfinger zu heben. Denn Querbeet durch die verschiedenen Parteien war die Forderung klar zu vernehmen: Das Ferienheim muss künftig besser vermarktet werden, damit die Auslastung und somit die Mieteinnahmen um einiges höher sind als heute. In den letzten Jahren war das Ferienheim zu rund 30 Prozent belegt. Und wenn das Gebäude belegt war, dann auch meistens nur rund 30 der über 50 vorhanden Betten.

Wie man die Auslastung verbessern will, da hatten die Gemeinderäte ebenfalls ihre Vorstellungen. Und zwar indem das Ferienheim künftig professioneller vermietet, respektive vermarktet wird. Ein entsprechender Antrag von Seiten der SVP wurde angenommen. Bislang erfolgt die Reservation und Vermietung über das Sekretariat der Schuldirektion.

Urs Unterlerchner (FDP) war einer von jenen Gemeinderäten, die sich gegen die Sanierung ausgesprochen hatten, aber betonten, dass es nicht darum ginge den Schulen keine Lager mehr zu ermöglichen. Nur halt in gemieteten statt im eigenen Lagerhaus. Für ihn sei es okay, wenn man sich aus emotionalen Gründen für den Erhalt des Ferienheims entscheiden würde, sagte Unterlerchner. Mit etwas habe er aber Mühe: «Wenn man so tut, als könnte man mit besserer Vermarktung verhindern, dass wir Geld vernichten.»

Bevor aber mit der Sanierung losgelegt werden kann, müssen auch noch die Stimmberechtigten zum Projekt befragt werden. Sie haben das letzte Wort, ob das Ferienheim saniert und somit den Stadtschulen erhalten bleibt.

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Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

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