St. Ursenkathedrale
Hochzeitspaare müssen auf andere Kirchen und Kapellen ausweichen

Während die brandgeschädigte St. Ursenkathedrale saniert wird, ist sie für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Angestellten mussten ihren Arbeitsplatz den Reinigungsarbeitern überlassen. Auch Hochzeitspaare müssen umdisponieren.

Lea Durrer
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Heute ist das Innere der St. Ursenkathedrale mit Gerüsten ausgekleidet. Auch die Freitreppe ist abgesperrt. Keine Chance für Hochzeitspaare hier ihren schönsten Tag des Lebens zu feiern.

Heute ist das Innere der St. Ursenkathedrale mit Gerüsten ausgekleidet. Auch die Freitreppe ist abgesperrt. Keine Chance für Hochzeitspaare hier ihren schönsten Tag des Lebens zu feiern.

Keystone

Heute Morgen kündigte die Solothurner Staatsanwaltschaft an, den Oltner Andres Z., der Anfang Januar Feuer in der St. Ursenkathedrale legte, wegen Brandstiftung anzuklagen. Weil es sich um ein Offizialdelikt gehandelt habe, war dieser Schritt auch für Roland Rey klar: «Wir haben schon mit einer solchen Anklage gerechnet», sagt der Kirchgemeindeverwalter der Römisch-Katholischen Kirchgemeinde Solothurn. Es könne ja nicht sein, dass ein Mensch ungeschoren davon komme.

Rey hat den 62-jährigen Feuerteufel auf frischer Tat ertappt, ihn aber zuerst gar nicht als Täter erkannt. «Der Mann machte auf mich einen seriösen Eindruck und ich glaubte zuerst einen Zeugen vor mir zu haben», sagte Roland Rey kurz nach dem Vorfall gegenüber az. Ein fataler Irrtum, wie sich nur wenig später zeigte. Der Oltner zündete die Flüssigkeit mit einer Kerze an.

Gerüst fast fertig aufgestellt

Der Schaden des Feuers ist für die Kathedrale riesig: Insgesamt sollen 8 Mio. Franken in die Sanierungsarbeiten investiert werden. Bei der Sanierung, die nach Pfingsten begann, laufe es bisher gut, so Rey. «Das Gerüst ist zu 95 Prozent fertiggestellt. Letzte Woche haben wir mit den Sanierungsarbeiten angefangen.»

Für die Öffentlichkeit ist der Zugang zur St. Ursenkathedrale seit dem Brandanschlag und bis Herbst 2012 gesperrt. Wo normalerweise Touristen den eindrücklichen Bau von innen bestaunen und sich Brautpaare das Ja-Wort geben, schlängeln sich 22 Kilometer Gerüst.

 Eindrückliche Dimensionen des Gerüsts zur Innensanierung: Das Hauptgerüst hat eine Länge von 50 Metern. (Foto: Hanspeter Bärtschi)
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 15 LKW-Fahrten an Gerüstmaterial waren dafür nötig. (Foto: Hanspeter Bärtschi)
 Fast schon eine «michelangeleske» Arbeit: Der Auf- und Abbau des Gerüsts allein «dauert» zweieinhalb Mannjahre. (Foto: Hanspeter Bärtschi)
Der Innenraum der St. Ursenkathedrale ist eingerüstet
 Der höchste Punkt des Gerüsts liegt auf 42 Metern. (Foto: Hanspeter Bärtschi)
 Am 30. September 2012 – dem St. Ursentag – soll das Sanierungswerk vollbracht sein. (Foto: Hanspeter Bärtschi)
 Jesus blutet das Herz. (Foto: Wolfgang Wagmann)

Eindrückliche Dimensionen des Gerüsts zur Innensanierung: Das Hauptgerüst hat eine Länge von 50 Metern. (Foto: Hanspeter Bärtschi)

Hochzeiten in anderen Kirchen

Doch wo werden in Solothurn nun kirchliche Zeremonien durchgeführt? «Wir haben das Glück, dass die Kirchgemeinde mehrere Kirchen und Kapellen in der Nähe hat», erklärt der Kirchgemeindeverwalter. Den Hochzeitspaaren wurde deshalb angeboten, ihre Feier in die Jesuitenkirche zu verlegen.

80 bis 90 Prozent der Paare hätten das Angebot angenommen, weiss Rey. Einzelne seien auch in die Kapellen ausgewichen. «Die Mehrheit hat jedoch von der St. Ursenkathedrale in die Jesuitenkirche gewechselt.»

Auch Anlässe wie Beerdigungen und die regelmässigen Gottesdienste werden in anderen der Kirchgemeinde angehörige Kirchen und Kapellen durchgeführt.

Mittlerweile reicht es nicht einmal mehr für Hochzeitsfotos auf der Freitreppe: Diese wurde letzte Woche ebenfalls abgesperrt.

Keine Überkapazität

Das Kirchenpersonal kommt nur noch teilweise in der brandgeschädigten St. Ursenkathedrale zum Einsatz. Beispielsweise bei Räumungsarbeiten oder beim Zügeln von Objekten. Die Mehrheit der zehn Betroffenen würde ihrer Arbeit einfach in den anderen Kirchen und Kapellen der Kirchgemeinde nachgehen.

Dazu gehören unter anderem der Domsakrist, der Stadtpfarrer und der Sakristan mitsamt deren Stellvertretungen, sowie der Domkapellmeister und Domorganistin Suzanne Zgraggen. Diese würde nun in der Jesuitenkirche orgeln. Da zurzeit auch die Orgel in der Kirche an der Hauptgasse restauriert wird, steht ihr nur ein elektronisches Instrument zur Verfügung.

Niemand sei überflüssig geworden, betont Rey. Und auch Kirchgemeindepräsident Karl Heeb sagt: «Bis jetzt ist so viel zusätzlicher Aufwand entstanden, dass wir sicher sind, dass noch keine personelle Überkapazität entstanden ist.» Allenfalls würden weniger Hilfskräfte benötigt.