Solothurn
Historiker erzählt Museums-Freunden Interessantes zum Landesstreik

Peter Heim, Historiker und ehemaliger Stadtarchivar in Olten, hielt an der Generalversammlung der Freunde des Museums Altes Zeughaus einen packenden Vortrag zum Thema Olten und der Landesstreik 1918.

Mark A.Herzig
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Dieses Jahr ist der Landesstreik 100 Jahre her.

Dieses Jahr ist der Landesstreik 100 Jahre her.

Bruno Kissling

Peter Heim beschrieb vorab die wirtschaftliche, soziale und politische Lage, die vor hundert Jahren den Kanton, insbesondere aber die Region Olten prägte. Letztere unterschied sich in seiner ökonomischen Struktur durch das besondere Gewicht des öffentlichen Sektors markant von anderen Industrieregionen.

Basierend auf einer vergleichsweise komfortable Quellenlage werde heute von keinem ernsthaften Historiker mehr die Behauptung gestützt, dass im November 1918 eine Revolution versucht worden sei. Das habe bis vor etwa fünfzig Jahren gegolten und sogar dazu geführt, dass Leute sich geschämt hätten, weil das «Oltener Aktionskomitee» den Namen ihrer Stadt trug.

Nur gelegentlich in Olten

Dabei hatte das Komitee mit Olten, wo es allerdings am 4. Februar 1918 gegründet worden war, kaum etwas zu tun. Konstituiert wurde es in Bern und tagte nur gelegentlich in Olten, erläuterte Peter Heim vor den Freunden des Alten Zeughauses.

Unter Führung von Robert Grimm beschäftigte es sich mit der Vorbereitung eines Generalstreiks. Ausgangspunkt war die bundesrätliche Vorlage zur Einführung einer Zivildienstpflicht.

Der Fall Berna

Noch bei Kriegsausbruch wollten im Zeichen des sogenannten Burgfriedens alle Parteien zusammenarbeiten. Bald aber wurde klar, dass die Kriegsnot nicht alle gleich traf – der Burgfriede erwies sich als wacklig.

Zur Verschärfung des Klimas trug der Autobauer Berna bei. Er lieferte Lastwagen nicht nur an die Entente-, sondern auch an die Mittelmächte. Das Aktienkapital wurde massiv erhöht und 1915 eine Dividende von zehn Prozent ausgeschüttet.

Rot-schwarzer Sieg

Gegenüber Forderungen aus der Arbeiterschaft blieb die Berna-Geschäftsleitung hart, ein Gesamtarbeitsvertrag wurde abgelehnt. Als ruchbar wurde, dass die Firma mit buchhalterischen Tricks Steuern optimiert habe, schlugen die Wellen hoch.

Das Gemeinderatsbüro nahm die wichtige Steuerzahlerin in Schutz, der Berna-Direktor drohte mit gerichtlicher Klage und Wegzug der Firma. Anfang 1917 beschloss der freisinnig dominierte Gemeinderat, der Berna die Nachsteuer zu erlassen.

Unter dem Druck einer Kundgebung auf dem Munzingerplatz wurde dieser Beschluss rückgängig gemacht: «Anderthalb Jahre vor dem Landesstreik hat eine rot-schwarze Allianz den Freisinn in die Knie gezwungen», stellte Heim fest.

Ein exklusives Geschenk

Präsident Peter Platzer blickte an der Generalversammlung des Vereins Freunde des Museums Altes Zeughaus auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Die Zusammenarbeit mit dem Museum wurde weitergeführt, andererseits den Mitgliedern – neue wären stets willkommen – eine besondere Veranstaltung geboten.

Die Übergabe einer Halbarte mit Solothurner Prägestempel im April 2017 zeigt die Verbundenheit des Vereins mit dem Hause. Das Museum hatte bis dahin keine solche Halbarte in ihrem Bestand. Die Führung über und unter die Schanzen im September, organisiert durch Marie-Christine Egger und Roland Beck, war ein besonderer Höhepunkt. Die Mitglieder erfuhren durch den kantonalen Bauforscher Urs Bertschinger nicht nur etwas über den aktuellen Stand der Erforschung, sondern konnten auch die Unterwelt inklusive des Majorsganges erkunden.

Die vorgelegte Jahresrechnung des Vereins weist bei einem Ergebnis von 3500 Franken einen Gewinn von 800 Franken aus.

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