Erlebnisbericht
«Hingere luege, Arm use, iispure» - unterwegs mit den Verkehrspolizisten

Wie ist es, mit einen Kopfhörer am Ohr Velo zu fahren und laufend Anweisungen der Polizei zu erhalten? Die Primarschüler erleben dies im Verkehrsunterricht mit den Stadtpolizisten - wir waren dabei.

Lea Schreier
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Adrian Bitzi bittet um Ruhe, um den Ablauf des Verkehrsunterrichts erklären zu können.
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Die Kopfhörer werden den Kindern ans Ohr montiert.
Auch die Journalistin wird von Adrian Bitzi verkabelt.
Die Kinder nehmen das Funkgerät unter die Lupe.
Kurze Testdurchsage - Hören mich alle?
Die Lautstärke kann individuell eingestellt werden.
Kurz vor Start der Fahrt gibt Adrian Bitzi der Journalistin noch ein kurzes Interview.
In Reih und Glied stehen die Räder bereit.
Sind alle bereit?
Und los gehts..
Velo-Übungsfahrt mit den Schulkindern in Solothurn, die jetzt einen Knopf im Ohr haben
Auch wenn der Bus kommt, muss das Einspuren klappen.
Neu sind die Schulkinder auf den Übungsfahrten nicht nur an der gelben Weste zu erkennen, sondern auch am Funkgerät mit Kopfhörer.
Auch der Journalistin tut eine Auffrischung der Verkehrsübungen gut.

Adrian Bitzi bittet um Ruhe, um den Ablauf des Verkehrsunterrichts erklären zu können.

Hans Ulrich Mülchi

«Und hören mich alle?», tönt es ziemlich laut direkt in meinem Ohr. Ich zucke zusammen und drehe am Lautstärkeregler des Funkgerätes, das in einer Tasche um meinen Hals baumelt. Mit einem Kopfhörer am Ohr stehe ich inmitten einer Horde Schulkinder mit der gleichen Ausrüstung vor dem Schulhaus Wildbach in Solothurn. Was wir hier tun? Die Viertklässler üben heute mit dem Polizisten Adrian Bitzi das Velofahren im Strassenverkehr. Nächsten Sommer steht die Veloprüfung an. Das Besondere dabei - und der Grund warum ich dabei bin - sind die neuen Kopfhörer, über die die Kinder während der Fahrt Anweisungen der Polizisten hören können.

Polizist Bitzi hat die Testdurchsage beendet und verkabelt die letzten Schüler mit der elektronischen Ausrüstung. «Herr Bitzi, können Sie nochmals etwas sagen?», «Warum brauchen wir diese Geräte, Herr Bitzi?» Die Zehnjährigen stellen aufgeregt Fragen. Begeistert sind sie alle: «Das ist mega lustig mit diesen Apparaten!»

Wir begeben uns zu unseren Fahrräder, die bereits in einer langen Reihe hintereinander bereit stehen. «Machen Sie im Sommer auch die Veloprüfung?», fragt mich ein Junge. «Nein, die ist doch viel zu alt! Sie haben die bestimmt schon vor zehn Jahren gemacht, oder?», erwidert ein Mädchen. Die Kleine hat gar nicht so schlecht geschätzt, denn ich habe tatsächlich vor neun Jahren ebenfalls den Verkehrsunterricht mit den Stadtpolizisten - auch da waren es schon die beiden gutmütigen Herren Müller und Bitzi - und die Veloprüfung absolviert.

Erst die jetzige Generation kann aber von der neusten Technologie profitieren. Als wir losfahren, erklingt auch schon die erste Anweisung im Ohr: «Also, wir fahren jetzt in den Kreisel, wir fahren in der Mitte und biegen dann nach rechts ab. Deutliches Handzeichen bitte!» Die Kinder machen, wie ihnen befohlen.

Dann gehts weiter in die Quartierstrassen, dort ist das Linksabbiegen Hauptthema. «Hingere luege, Arm use, iispure», sagt Polizist Bitzis Stimme in meinem Ohr. Das Verwirrende: Er selber fährt - da ich das Schlusslicht der Velo-Kolone bilde - zu diesem Zeitpunkt circa 50 Meter vor mir und für mich ist es zum Abbiegen noch viel zu früh. Die Schulkinder haben im Gegensatz zu mir kein Problem damit und spuren im richtigen Moment ein.

So geht es eine ganze Weile weiter. Die Viertklässler fahren mehr oder weniger diszipliniert hintereinander, üben konzentriert das Abbiegen und lauschen den Informationen des Polizisten. «Wenn ihr an parkierten Autos vorbeifahrt, müsst ihr immer aufpassen, denn es könnte jemand aussteigen.»

Auch ich muss mich konzentrieren, damit ich keinen Fehler mache. Schliesslich sind meine eigenen Fahrradunterrichtsstunden lange her und eine Wiederholung der Verkehrsregeln tut mir gut. Glücklicherweise höre ich bereits wieder die Stimme in meinem Ohr: «Und hingere luege, Arm use, iispure.»