Solothurn

Hier zählt jeder Rapper – bis zum Hangover

Johnny Trash alias Johnny Sollberger ist ein bekanntes Solothurner Rap-Gesicht.

Johnny Trash alias Johnny Sollberger ist ein bekanntes Solothurner Rap-Gesicht.

Von «Riich und Gschiid»: Johnny Trash & Many More tauften in der Rothushalle in Solothurn ihr neues Album «Dr Sohn vom Ruedi».

Ruedi ist ein SVP-Wähler und sein Sohn auf der Suche nach einem besseren Weg. Als Götti möchte Johnny Trash sein Vorbild sein. Deshalb rappt Johnny gegen Egoismus, gegen den Hunger in der Welt und fragt: «Wär si die Riiche und wär die Gschiide?»

So lautet die Kurzfassung des Konzerts, das Johnny Trash & Many More am Samstag in der Solothurner Rothushalle gaben. Obwohl bei ihm der «Pseudo-Krupp» unerwartet einen Besuch abgestattet und als Geschenk Fieber und Halsweh mitgebracht hatte, sagte Johnny seinen Auftritt nicht ab. Und die Stimme hielt tatsächlich durch.

Eine leise Enttäuschung gab es trotzdem: Johnny trabte zwar frisch geföhnt vom Coiffeur an, aber er trat nicht ganz in Schwarz gekleidet auf, wie man das von seinem entfernten «Cousin» kennt. «Ich habe mir das tatsächlich schon überlegt, vielleicht das nächste Mal», erklärte Johnny Trash, warum er eben nicht Johnny Cash heisst.

Johnny Trash & Many More mit «Tenor»

Johnny Trash & Many More mit «Tenor»

Schliesslich ging es weder um den Cash noch um das Cash. Die Halle war aber nur locker mit Hip-Hoppern gefüllt. Der Eintrittspreis von 25 Franken war wohl etwas steil und hielt vermutlich ein paar Leute fern. Der hohe Preis hat einen guten Zweck: Der Gewinn des Abends soll der Krebsliga Solothurn für den Kampf gegen den Brustkrebs gespendet werden. «Kultur sieht pink» heisst das Projekt, das noch zwei weitere Wochenenden weitergeht.

Viele Fans von City Nord dabei

Gut die Hälfte der Gäste waren als Fans von City Nord zu identifizieren. Die Grenchner, die in Solothurn Asyl gefunden haben, sind eben schon alte Hasen in einer Hip-Hop-Szene, in welcher der junge Johnny Trash zusammen mit Many More erst seit zwei Jahren für frisches Blut sorgt. «Wenn mir öppis mache, denn mache mirs richtig», lautete das Motto – und so heizten City Nord routiniert die Stimmung für Johnny Trash an.

Johnny Trash & Many More performen am 15.September 2016 im SRF Virus Studio «Bus hei»

Johnny Trash & Many More performen am 15.September 2016 im SRF Virus Studio «Bus hei»

Dann wurde in der Rothushalle «Dr Sohn vom Ruedi» richtig getauft. Obwohl Vinyl schon lange tot ist und es nicht einmal eine CD gibt, musste eine Plattentaufe einfach sein. «Wir sind ein überschaubares Grüppchen», animierte Johnny Trash seine Fans, «das ist Hip-Hop, kommt alle etwas näher in die Mitte, und dann will ich die Hände in er Luft sehen.»

Die Special Guests «Ta Mère» mit Mauro und Fabio Kiener sorgten für den absoluten Höhepunkt des Abends.

Die machtvollen Gitarrensoli der jungen Rockband kombinierten faszinierend ungewöhnlich mit Johnny Trash. Ein Experiment, das mehr als nur ein Stück lang dauern soll: Zum Abschluss der Serie «Kultur sieht pink» gibt es am 22. Oktober in der Rothushalle noch einmal «Ta Mère» als Hauptact – dann vielleicht mit Johnny Trash als Special Guest. Die kleine Bühne füllte sich mit immer mehr Gästen, Spontanrappern – und sogar Geige wurde gespielt.

Plötzlich verwandelte sich Johnny Trash in Alan Garner. Er verführte seine Fans mit gratis «Shots». Alle grölten «ein Prosit der Gemütlichkeit» und sorgten für Hangover-Stimmung wie am Tag nach dem Oktoberfest. Und so ging das Rap-Konzert nahtlos in die Afterparty über.

Ab sofort gibt es die Musik von Johnny Trash & Many More gratis zum Download unter www.manymoremusic.ch. «Der Sohn vom Ruedi soll wachsen können. Es geht darum, unsere Reichweite zu vergrössern», erklärt Johnny Trash, warum er seine Musik verschenkt.

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