Der eiskalte Wind auf dem Klosterplatz scheint Kurt Küenzli die Nachfrage nach «Selbstglismetem» geradezu vor seinen Marktstand zu blasen. Dabei beginnt gleich nebenan eine andere Klimazone: Seine Nachbarin verkauft Unterwäsche.

«Kannst Du noch einige Paar Socken Grösse 45/46 machen?», weist der Biberister indes seine Frau per Handy an. Das Wetter ist für ihn ein Stimmungsmacher. Es animiere die Leute mehr oder weniger, durch den Markt zu schlendern. Doch so kommt ihm die Kälte günstig. Auch «Mittli» – Pulswärmer – haben Konjunktur, sobald sich die Besucher des Monatsmärets die Hände zu reiben beginnen.

«Self Made» ist für den hobbymässigen Standbetreiber Devise: «Eigens gezogene Pflanzen, die bei uns ums Haus wachsen, verkaufe ich ebenfalls hier», sagt er und zeigt auf die Silberblatt-Töpfchen, die bei der Stammkundschaft begehrt sind.

Vor sieben Jahren kam er auf den Geschmack, als er seinen Estrichfundus auf einem Flohmarkt feilbot, seit fünf Jahren trifft man ihn in Solothurn. Noch immer zieren Objekte von damals seinen Verkaufstisch, manchmal kommen neue Trouvaillen hinzu, die er wieder verkauft. «Aber dies geschieht eher wenig.».

«Man ist per ‹Du›»

Ganz anders halten es Ruth und Kurt Roth von Rüti bei Büren. Flohmarkt-Tand wandert inständig durch ihre Hände, auch wenn die Standdichte auf dem Klosterplatz zugunsten der Hauptgasse eher abgenommen hat.

«So kann es sein, dass aus einem privaten Nachlass neue Ware hinzukommt», sagt Kurt Roth, der seine Frau bei ihrem Hobby unterstützt, dies erst recht seit seiner Pensionierung vor vier Monaten. «Sie reinigt und etikettiert die Sachen jeweils in der Garage», erklärt Roth.

Eine Frau tritt neugierig an den Stand und begutachtet ein kleines Tischührchen aus Holz: «Funktioniert die noch?» Ruth Roth stellt klar, dass nichts Defektes feilgeboten wird. «Auch die elektronischen Geräte werden vor dem Verkauf überprüft.»

Seit 22 Jahren kennt man das Ehepaar auf dem Solothurner Monatsmarkt. Was zählt, ist der gesellige Aspekt. Auf grosse Einkünfte hoffen die beiden nicht am Monatsmäret: «Ich mache es halt einfach gern, solange auch die Gesundheit mitmacht», sagt Ruth Roth, «Man kennt sich einfach und ist per ‹Du›.»

Hans Ruedi Schmid aus Safenwil ist erleichtert. Während des Markts schultern er und Partnerin Yanmei Huang den ganzen Marktstand an einen besseren Standort. Am Baustellen-Nadelöhr am Chronestutz sei der Stand wenig günstig platziert.

Obwohl: Die Passanten kommen sowieso nicht an ihrem Stand vorbei, ohne die Auslage mindestens eines Blickes zu würdigen. Ein junges Paar bewundert die dreidimensionalen filigran gearbeiteten Scherenschnitte, die aus aufgeklappten Glückwunschkarten in die Höhe steigen.

Vor anderthalb Jahren entwickelten die beiden die Idee der Kunstkarten zur Marktreife: Ein Team in China fertigt die Karten, die hier designt werden.

Es ist kurz vor zwölf: Die Stadtpolizei ist auf dem Rundgang, um die Marktgebühren einzuziehen. Mit Portemonnaie und Märkli ausgerüstet klappern die Ordnungshüter alle Stände ab. Das Prozedere wirkt höflich und eingespielt.

Aber natürlich gibt es auch jene Mitstreiter, die tugendhafte Standsteller zum Kopfschütteln anregen. Entweder kommen sie unangemeldet oder melden sich als feste Standbetreiber nicht ab.

Es zählt die Begegnung

Ein bekanntes Gesicht auf der mittlerweile belebten Hauptgasse ist Johanna Gut, die noch bis vor drei Jahren am Unteren Winkel einen Handarbeitladen unterhielt und mittlerweile ein Kurs-Atelier in Zuchwil betreibt.

Auch Bestände von damals stehen zum Verkauf bereit: «Noch besser als Ausverkauf-Ware läuft aber, was ich selbst gefertigt habe», weiss sie. Dazu gehören auch Nuschis und Finkli. Doch für sie ist die Marktpräsenz auch ein Mittel, ihre Kurse bekannt zu machen – und dient der Begegnung, dem Gespräch: «Der Zeitaufwand ist enorm. Da ist es wichtig, auf Werte zu setzen, die über das Ökonomische hinausgehen.» Schon nur deshalb folgt ihr Appell: «Die Leute sollten wieder mehr ‹z’ Märet goh›.»