Grünen-Kantonsrätin Doris Häfliger wohnt zwar seit einem Jahr in der Stadt Solothurn. Sie wird aber bei den kommenden Kantonsratswahlen nicht in der Amtei Solothurn-Lebern antreten, sondern wie schon vor vier Jahren in der Amtei Bucheggberg-Wasseramt. Dort wohnte sie, bis sie vor einem Jahr von Zuchwil nach Solothurn umzog. Das ist zwar nur ein Katzensprung und die beiden Ortschaften sind raumplanerisch fast zusammengewachsen. Politisch gibt es aber eine klare Grenze. Solothurn und Zuchwil liegen in unterschiedlichen Amteien.

Häfliger wird nun wie vor vier Jahren in ihrem früheren Wohnbezirk antreten. Darf man das? «Kein Problem», sagt Staatsschreiber Stellvertreterin Pascale von Roll. Ein Kantonsratskandidat muss nicht in der Amtei wohnen, in der er antritt. Wer antritt, muss lediglich im Kanton stimmberechtigt sein.

Hat Häfligers Amteiwechsel etwa taktische Gründe? Schliesslich erreichten die Grünen in der Amtei Solothurn-Lebern bei den Wahlen 2013 knapp drei Sitze. Die drei derzeitigen Amtsinhaber treten wieder an. Häfliger wäre die vierte Bisherige auf der Liste Solothurn-Lebern. Damit droht die Gefahr, dass sie oder einer der drei Bisherigen (Brigit Wyss, Barbara Wyss Flück, Felix Glatz- Böni) abgewählt würden. Zudem war Häfliger in der Amtei Bucheggberg Wasseramt 2013 ein Zugpferd: Sie erreichte 3315 Stimmen, über 1000 mehr als der Zweitplatzierte Grüne. Häfliger verneint eine taktische Absicht. «In Solothurn anzutreten habe ich mir gar nie überlegt.» Für sie sei ihr Lebensmittelpunkt nach wie vor in Zuchwil. «Ich arbeite dort, ich bin dort in den Vereinen und ich kaufe in Zuchwil ein.»

Bekannter SP-Mann scheiterte

Für die engagierte Fusionsbefürworterin ist klar: «Früher oder später gehören Solothurn und Zuchwil zusammen.» Ihrer Amteipartei im Wasseramt habe sie angeboten, den Sitz freizugeben, was diese aber abgelehnt habe.

Bekanntes Beispiel für Antritte in fremden Amteien ist der spätere Solothurner Ständerat Ernst «Aschi» Leuenberger (SP). Der Stadtsolothurner trat 1985, als er schon Nationalrat war, im Thierstein zu den Kantonsratswahlen an, um Stimmen für die dortige SP zu holen. Ohne Erfolg. Die SP holte keinen Sitz. Leuenberger selbst machte das schlechteste Resultat auf der SP-Liste. (lfh)