Die Idylle in der früheren Von-Roll-Villa am Stadtrand lässt nichts zu wünschen übrig. Vögel kündigen singend wärmere Zeiten an, während es ihnen die Flora spriessend gleichtut.

Zudem zeugt ein eifriger Frühlingsputz an allen Ecken und Enden der Ausbildungsstätte Hohenlinden ebenfalls vom Jahreszeitenwechsel - und davon, dass dieser Freitag, 21. März, als «Tag der Hauswirtschaft» im Zentrum steht.

Doch für die Frauen, die hier wohnen und ihre Ausbildung absolvieren, ist Reinlichkeit weit mehr als das wiederkehrende Pflichtgefühl in eigenen vier Wänden. Die Institution Hohenlinden bietet rund 30 Ausbildungs- und Wohnplätze für junge Frauen mit Lernbeeinträchtigungen.

Für diese bedeuten hauswirtschaftliches Geschick und praktische Fertigkeit die berufliche Zukunft, bestätigt auch Institutionsleiterin Brigitte Kober: «Das Thema beschäftigt uns nicht nur im Hinblick auf den Tag der Hauswirtschaft, sondern 356 Tage im Jahr.» Zentrale Zielsetzung der meist zweijährigen Berufsausbildung: den Start in ein selbstbestimmtes Leben - im Privaten wie im Beruflichen.

Sorgfalt und Präzision hoch im Kurs

Die 16-jährige Patricia Castelli ist an diesem Morgen mit dem Tischdecken betraut, während andere Lernende in der Schul- oder Institutionsküche den Kochlöffel schwingen. Castellis Berufsbildnerin beäugt die Arbeit aufmerksam und kritisch.

Sind die Tischsets mittig und bündig mit dem jeweiligen Stuhl? Wie liegen Messer und Gabel? Genauigkeit und Sorgfalt werden hier grossgeschrieben, während man als Unbedarfter im privaten Haushalt eine Fünf auch mal gerade und ein Löffel auch mal schief sein lässt.

«Hier sind junge Frauen, denen nicht einfach so die ganze Welt offensteht», verdeutlicht Peter Beer, Bereichsleiter in der beruflichen Förderung und Integration im «Hohenlinden».

Es sei allemal das Ziel, dass diese Frauen möglichst bald im ersten Arbeitsmarkt Fuss fassen können. Dass man deshalb auch die qualitativen Ansprüche in der Ausbildung hoch ansetzt, erklärt sich von selbst.

Mehr als 20 Personen arbeiten in der Institution, davon 15 in der Berufsbildung und sozialen Begleitung der Lernenden. «Wir bieten hier eine gute und vielseitige Grundausbildung», ergänzt Beer. Die Vielfalt zeigt sich bei einem Rundgang, der auch am Gartenbereich vorbeiführt ...

Gartenarbeit gehört auch dazu

Rita Geissbühler, 18, und Jasmine Gfeller, 18, pikieren mit ruhiger Hand im Treibhaus Setzlinge, dies unter Anleitung von Dorothea Isch Sy, Berufsbildnerin Garten. Sie geniessen die frühe Lenzensonne, die schon kräftig durchs milchige Glasdach strahlt.

Was hier und später im Freibereich als Kräutchen oder als Blüte heranwächst, findet später den Weg in die Küche oder wird zu heimischer Deko weiterverarbeitet. All dies gehört ebenfalls in den Lehrplan im «Hohenlinden». Ebenso mit dem Anspruch an Genauigkeit wird derweil in einer Klasse künftiger praktischer Mitarbeiterinnen der Wetterzustandsbericht festgehalten - in gezeichneter Form.

Der Fokus für Berufe wie Praktikerin Hauswirtschaft oder Hauswirtschaftspraktikerin EBA liegt - der Name sagt es - auf der praktischen Ausbildung. Und dies in den Bereichen Hausdienst, Service und Gästebetreuung, Kochen, Wäscheversorgung und Garten.

Natürlich gehört aber auch Theorie in den Lehrplan. Zuweilen werden die Ausbildner auch mit Leseschwierigkeiten konfrontiert, während beispielsweise Arbeitsanleitungen oder Rezepte ein gewisses Leseverständnis voraussetzen.

In jedem Fall ist aber auch eine individuelle Lernbegleitung wichtig. «Wir fragen nach Stärken und Ressourcen der Lernenden. Diese gilt es zu fördern und so den Fingerzeig von ihren Defiziten zunehmend abzuwenden», sagt Beer weiter.

Türöffner ins Berufsleben

Kurz vor ihrem Abschluss steht die 21-jährige Michèle Hügli aus dem Aargauischen. Sie hat sich bereits als hauswirtschaftliche Mitarbeiterin beworben. «Für meine Zukunft wünsche ich mir eine abwechslungsreiche Tätigkeit», verrät sie.

«Ich könnte mir eine Tätigkeit als hauswirtschaftliche Mitarbeiterin in einer Kinderkrippe vorstellen», sagt die 18-jährige Anna Paula Da Silva, die gerade in der Schulküche arbeitet.

«Hauptsache einen Job», meint eine weitere Lernende, die in der Küche gerade einen Butterzopf flicht. Es sind Berufswünsche junger Menschen, die hier im «Hohenlinden» heranreifen.

Die Chancen, im ersten Arbeitsmarkt Fuss zu fassen, schätzt Peter Beer recht hoch ein. «Ausschlaggebend für eine Anstellung sind neben den praktischen Fähigkeiten Motivation, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, gute Umgangsformen und ein soziales Verhalten. Unter diesen Voraussetzungen können Arbeitgeber auch eine reduzierte Leistungsfähigkeit meist gut akzeptieren.»

Wenn den Lernenden also dereinst auch nicht die ganze Welt offenstehen wird: Einige Türen in die Berufswelt öffnet das «Hohenlinden» seinen Absolventinnen allemal.
Einblicke in die Institution bietet das «Hohenlinden» anlässlich mehrerer Veranstaltungen während des ganzen Jahrs. Weitere Infos www.hohenlinden.ch