Landwirtschaft
Hier pflanzen Kindergärtler drei Hochstammbäume

Der Landwirtschaftliche Informationsdienst feiert dieses Jahr sein 75-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum haben Kinder vom Kindergarten Heidiweg auf dem Rosegghof in Solothurn drei Hochstammbäume gepflanzt.

Claudia Hofer
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Res Aeschbacher pflanzt mit den Kindern eine Linde
9 Bilder
Res Aeschbacher hält einen Engerling in der Hand
Kinder am Arbeiten mit Schaufel, sie heben ein Loch aus
Kinder beim Pflanzen des Lindenbaums
Peter Brügger, Regula Gygax, Markus Rediger
Kindergarten pflanzt Hochstammbäume beim Rosegghof in Solothurn
Stärkung nach der Arbeit
Müde von der Arbeit

Res Aeschbacher pflanzt mit den Kindern eine Linde

Claudia Hofer

«Bäume pflanzen ist etwas für die Zukunft», begrüsst Ursula Riggenbach, Betriebsleiterin vom Rosegghof, das bunt durchmischte Grüppchen. Anlässlich der Jubiläumsaktion des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes LID hat sich der Kindergarten Heidiweg aus Solothurn, sowie das Mitarbeiterteam von LID am Montagmorgen auf ihrem Hof zusammengefunden. «Wenn ihr in 10 Jahren diese Bäume seht, werdet ihr euch an heute zurückerinnern», richtet Riggenbach das Wort an die Kinder. Gemeinsam werden sie im Verlauf des Vormittags oberhalb der psychiatrischen Klinik Langendorf drei Hochstammbäume setzen. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit, da der Obstbaumbestand in der Schweiz rückläufig ist.
Die Baumpflanzaktion entstand durch die Zusammenarbeit mit SchuB, Schule auf dem Bauernhof, einem Projekt von LID. «In unserer schnelllebigen Zeit, ausgesetzt einer riesigen Informationsflut, wird es immer schwieriger, Leute abzuholen und für eine Sache zu begeistern», so LID-Geschäftsführer Markus Rediger. Die Organisation hat viele Schulen für ihre Aktion angeschrieben, angemeldet hat sich aber nur ein Kindergarten.

«Während in den 30er-Jahren von 100 Schweizern rund 18 den Beruf Landwirt ausgeübt haben, kommen jetzt auf 100 Personen noch drei bis vier Bauern», beschreibt Rediger die Situation und erklärt den Grund, warum Kinder und Jugendliche heute oft keinen Bezug zur ursprünglichen Nahrungsproduktion haben. «Dabei ist es wichtig, zu verstehen, dass die Schweizer Landwirtschaft ein wertvolles Allgemeingut ist und der nächsten Generation unbedingt erhalten bleiben muss.»
Graben, Entdecken und Lernen
Im Moment kümmert diese Problematik die Kindergärtler noch wenig. Während die «Alten» referieren, graben sie Kuhlen in den Boden. Jemand muss schliesslich arbeiten und ausserdem gibt es da viel Spannendes zu entdecken. «Iiih ä Rägewurm», schreit ein Kind, und ein anderes hebt den kleinen Erdbewohner vorsichtig mit der Schaufel aus dem Boden. «Würmer sind sehr wichtig für unsere Böden, sie lockern die Erde», erklärt LID-Projektleiter Res Aeschbacher den Kindern ihren Fund.

Die Tierchen werden alle liebevoll auf einem Erdhaufen platziert. Warum? Kindergärtler Niklas weiss jetzt Bescheid: «Damit si dänk nid kaputt gö, die si drum wichtig.» Aha! Kurze Zeit später wieder das gleiche Szenario. «Wääääh, was isch de das?» Dieses Mal haben die Kinder aber eine Made entdeckt. Sie lernen, dass Engerlinge dem jungen Baum schaden, da sie seine Wurzeln fressen. Während das Loch für den Lindenbaum schon eine beachtliche Spannweite aufweist, fehlt noch etwas, bevor der Baum gesetzt werden kann. «Welche Tiere schaden dem Baum noch?», fragt Aeschbacher in die Runde. «Mäuse», lässt die Antwort nicht lange auf sich warten und zum Schutz legt er ein Gitter in die Kuhle.
Nachhaltigkeit in Landwirtschaft
Im Kanton Solothurn bieten neun Bauernfamilien den praxisorientierten Unterricht auf ihrem Hof an. SchuB wird seit 2005 durch den Solothurnischen Bauernverband und dem Bildungszentrum Wallierhof in Riedholz koordiniert. «Wir hoffen, dass Schülerinnen und Schüler so einen Bezug zu den Lebensmitteln bekommen», erklärt Bauernsekretär Peter Brügger. «Es ist wichtig, dass junge Leute wissen, woher das Essen auf ihrem Teller kommt», ergänzt er und verweist weiter darauf, dass sie später alle wichtige Konsumenten sind, welche die Landwirtschaft als Verbündete gewinnen muss. Nur wenn die Leute davon überzeugt sind, dass Schweizer Produkte einen Mehrwert bieten, kann die Schweizer Landwirtschaft in einem liberalisierten Markt bestehen.
«Jeder braucht einen Bezug zur Natur», findet Markus Rediger und unterstreicht damit sein Ziel, dass jeder Schüler einmal einen Bauernhof besucht haben soll. «Denn Kopfwissen allein reicht nicht.» Diesen Worten schliesst sich auch Regula Gygax-Högger an. «Wir dürfen nicht vergessen, begreifen hat mit greifen zu tun.» Nach getaner Arbeit greifen die Kinder gerne auch zum selbst gebackenen Zopf von Ursula Riggenbach und trinken gierig Apfelsaft. So ein Morgen auf dem Hof ist interessant, aber auch ganz schön anstrengend.