Kino im Uferbau
Hier gibts nur hochstehende Kino-Kost

Das Kino um Uferbau ist das einzige Kino in Solothurn, das ein striktes Arthouse-Programm anbietet und den künstlerisch wertvollen Film pflegt, ohne gross auf den kommerziellen Erfolg zu achten.

Helmuth Zipperlen
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Jean-Claude Käser engagiert sich im und für das Kino Uferbau, um Solothurn Alternativen zum Mainstream-Kinoprogramm zu bieten.

Jean-Claude Käser engagiert sich im und für das Kino Uferbau, um Solothurn Alternativen zum Mainstream-Kinoprogramm zu bieten.

Hanspeter Baertschi

Es versteht sich denn auch nicht als Konkurrenz zu den übrigen Kinos in der Stadt, sondern als eine Ergänzung. Zwei Schaukästen an der Aussenwand – bald sollen es drei sein – weisen auf die Existenz des etwa 100 Plätze umfassenden Kinos hin.

Die Eingangstüre ist mit jener zum Restaurant «Solheure» identisch. Links auf einem Bartischchen ist die Kasse und an ihr vorbei geht es in den verdunkelten Saal. Insgesamt sieben Leute arbeiten Teilzeit für Projektion und Kasse.

Oft steht Jean-Claude Käser an der Kasse. Er macht auch die Programmation und beziffert seinen Arbeitsaufwand für das Kino auf 40 bis 50 Stellenprozente.

Zu diesem Arbeitsbereich gehören die Verhandlungen mit den Verleihern, Abrechnungen der Vorstellungen, Koordinationsgespräche mit dem Canva Club, der ebenfalls Arthouse-Filme zeigt, und schliesslich noch die Werbung.

Der elektronische Newsletter wird an tausend Adressen verschickt und orientiert detailgetreu über die gezeigten Filme. Wie auch in den kommerziell geführten Kinos ist es schwierig zu beurteilen, wie viel Publikum ein Werk generiert.

So kann denn ein vielversprechender und durchaus amüsanter Film wie «Love Island» unter den Erwartungen bleiben, aber die Segantini-Biografie zum Überraschungserfolg werden. «Ein Plus ist auch, dass wir Schülervorstellungen für nur eine Klasse anbieten können. Wir spielen auch für weniger als 20 Schülerinnen und Schüler», bemerkt Käser.

Vom Schlachthaus zum Kino

Während Jahren wusste die Stadt Solothurn nicht so recht, was mit dem ehemaligen Schlachthaus anzufangen sei. Es wurde ein Projektwettbewerb ausgeschrieben. Architekt Guido Kummer obsiegte mit seinem inhaltlichen Projekt mit der Verbindung eines Gastrobetriebes mit einer Kulturschiene.

Involviert dabei waren auch die Solothurner Filmtage. Für die Gastronomie konnte schliesslich das «Baseltor» gewonnen werden und für die kulturelle (filmische) Schiene war von Anfang an klar, dass das Kino in die Fussstapfen des nicht mehr existierenden «Elite» treten und ausschliesslich Arthouse-Filme zeigen soll.

Filme werden von Sonntag bis Mittwoch gezeigt. «Da das Filmangebot in diesem Segment sehr hoch ist, prüfen wir derzeit, während des Winters eine Vorstellung am Mittwochnachmittag anzusetzen.»

An den übrigen Tagen kann der Saal vermietet werden. Das Kino bezahlt eine Rohbaumiete, denn die ganzen Einrichtungen, in die rund eine halbe Million investiert werden musste, wurden vom Kino respektive durch Darlehen finanziert.

Im August 2002 erfolgte die Eröffnung und seither ist dieser Kinosaal für Solothurner Cineasten eine gesuchte Adresse. Oft sind auch Leute von auswärts, beispielsweise aus Bern, anzutreffen, weil sie einen bestimmten Film sehen wollen, dieser aber andernorts nicht angeboten wird.

Keine Subventionen

Im Gegensatz zu ähnlichen Spielstellen, die sich als kommunales Kino mit entsprechenden Subventionen verstehen, finanziert sich das Kino im Uferbau selber, nämlich durch Eintritte, durch eine Gastroabgabe des Restaurantbetriebes, weil das Kino auch Konsumenten bringt, und durch Vermietungen des Raumes.

Wenige tausend Franken kommen vom Bund aus dem Succès Cinéma Fonds und für die Programmvielfalt. (Succès Cinéma ist eine Belohnung der Kinos für das Spielen von Schweizer Filmen.)

Die Programmvielfalt ist wirklich gegeben. Obwohl mit vielen Verleihern zusammengearbeitet wird, stechen jene von Trigon-Film und Look Now ins Auge. Trigon-Film – übrigens vom Solothurner Filmjournalisten Bruno Jaeggi gegründet – konzentriert sich auf Werke aus der Dritten Welt.

So sind Filmperlen aus dem Nahen und Fernen Osten oder aus Lateinamerika zu sehen. Demnächst «Vulcano» (internationaler Titel), der erste Film aus Guatemala, der zum weltweiten Festivalerfolg geworden ist. Look Now vertreibt ausschliesslich Arthouse-Filme und nimmt nur Filme ins Angebot, die dem Verleih selber gefallen.

Das Kino im Uferbau ist auch Anlaufstelle für Filmemacher, die ihre Werke im Eigenverleih vertreiben. So wird denn in absehbarer Zeit auch der neueste Film von Erich Langjahr dort zu sehen sein.

Gastrecht bietet das Kino auch der Kulturfilmgemeinde und anderen karitativ tätigen Organisationen. Am Tag der Menschenrechte wird Amnesty International wieder einen Film zeigen und alljährlich im Frühling bestreitet der Verein Insieme ein Programm.

Trotz allem Idealismus ist an das Publikumsinteresse zu denken. «Gerne würde ich auch Retrospektiven ansetzen, aber dafür ist Solothurn einfach zu klein», so Käser. Es wäre zu wünschen, dass das Publikum wieder neugieriger auf Nischenfilme ist.

Nächste Filme: «Che strano chiamarsi Federico», «Imagine Walking up tomorrow and all Music has disappeard», «Multiple Schicksale», «Smello quando voglio», «Heimatland».

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