Stadtbummel
Hey, ihr Säcke!

Lucien Fluri
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Das wär was wenn die Kehrichtsäcke in Solothurn farbenfroh statt grau aussehen würden. (Symbolbild)

Das wär was wenn die Kehrichtsäcke in Solothurn farbenfroh statt grau aussehen würden. (Symbolbild)

Keystone

Grau, grau, grau. Der Nebel ist grau, die Stadt ist grau, der Asphalt ist grau. Und immer, immer wieder stehen diese grauen Säcke am Strassenrand. Tage bevor die Kehrichtabfuhr kommt. Müssen unsere Abfallsäcke so trist sein? Basel hat sie leuchtend blau. Brugg orange. Solothurn fehlt Farbe. Es ist Zeit, das zu ändern. Es kommt die Stadtmist-Sanierung und Kurt Fluri liess die Katze schon mal aus dem Sack: Wir Städter brauchen vielleicht bald unsere ganz eigenen, teureren Ghüdersäcke, um unseren Sanierungsanteil zu finanzieren.

Was für eine Chance. Wir könnten Künstler unsere Säcke gestalten lassen. Der Schang-Hutter-Sack, der Reto-Emch-Sack, der Roland-Flück-Sack, ... Solothurn könnte schlagartig bekannt werden – weltweite Medienpräsenz erhalten wie Wien, das seine Ampelmännchen mit Ampelpärchen ersetzte. Wir könnten auch teure Werbung auf unseren Säcken verkaufen und unseren Mist vergolden.

Oder wir könnten die Säcke passend zu den Fahnen auf der Kreuzackerbrücke gestalten: Es gäbe die Filmtage-Säcke, die Literaturtage-Säcke. Es gäbe, im praktischen Handtaschenformat, die Biertage- und-Oktoberfest-Säcke für alle, die abgesackt sind und kübeln. Und es gäbe Säcke zum Classic-Openair. Wenn das nicht schon im Eimer wäre.

Es gäbe den Chlausensack und an der Chesslete erschiene die blütenweisse Spezialedition. Wenns regnet, können ihn alle Chessler überziehen. 17- Liter-Säcke für die ganz kleinen, 35 Liter für die schmalen, 110-Liter-Säcke für die fetten S... Es gäbe einmal im Jahr die Chris-von-Rohr-Spezialedition: mit vollmundiger Öffnung, Abdeckplätz für die kahle Stelle oben und der praktischen Ausbuchtung ganz unten rechts; für «meh Dräck». Wir könnten auch demokratisch über unsere Säcke abstimmen: Wird im Sommer Roth ins Stadtpräsidium gewählt, werden die Säcke rot.

Wird Fluri gewählt, bleibts grau, wies ist – oder wird FDP-blau (es liegt in seiner Hand). Bald werden so oder so die Transparenz-Fanatiker unter den Politikern einschreiten. Sie fordern durchsichtige Säcke, damit jeder sieht, ob du ein guter Mensch bist und deinen Ghüder trennst. Und wehe, wenn nicht!

Natürlich wird es anders kommen. Auch sackstarke Ideen haben es oft schwer. Werden unsere Säcke zu Kunstwerken, greift sicher bald der Alt-Stadt-Möbilierungsleitfaden. Wir alle, die ihren Müll rausstellen, kämpfen dann wie die Wirte, die am Aarequai Sonnenschirme aufstellen möchten, mit dem Gewurstel der Politik. Womit wir bei Chris van den Broeke wären. Der kämpft nicht nur für seinen Wurstgrill.

Er rollte diese Woche auch den roten Teppich aus, als er das «Bistraito» eröffnete. Die Stadt liess das Dekor offenbar einsacken. Auch die Fackeln, die schon vor der «Wirthen» standen. Das ist Reglementitis Solodorensis. Die haben wir noch nicht im Sack. Die geht uns nur auf den Sack. Aber man stelle sich vor, die Stadt-Ghüdersäcke würden tatsächlich teurer.

Ur-Solothurner, die die Stadtmauern seit dem Schanzenbau nicht mehr verlassen haben, würden sich endlich wieder über die Grenze wagen. Sie würden ihre Liebe zu Zuchwil entdecken, sie würden wöchentlich mit Sack und Pack nach Grenchen fahren und dort etwas liegen lassen. Mülltouristen: Was für Säcke!