Passend zum Bettag organisierte die HESO gemeinsam mit den drei Landeskirchen ein Podium zum Thema «Welche Kirche braucht es heute?». Vor dem Hintergrund von schwindenden Mitgliederzahlen und periodischen Austrittswellen suchten Regierungsrat Remo Ankli, Barbara Fankhauser, Präsidentin der Reformierten Kirchgemeinde Solothurn, Niklas Raggenbass, katholischer Stadtpfarrer Solothurn, sowie Klaus Wloemer, Christkatholischer Pfarrer Solothurn, nach Konzepten, was dem gesellschaftlichen Wandel und den künftigen Herausforderungen entgegenzusetzen ist. Die Empfehlung lautete: Mehr auf die Gemeinsamkeiten als auf das Trennende achten. Weiter den Weg der Ökumene gehen, da keine Gemeinde, keine Kirche für sich allein bestehen könne.

«Die Kirche kann nur überleben, wenn wir es schaffen, eine Gemeinschaft zu bilden, in der sich alle wohlfühlen», betonte der bekennende «Ökumeniker» Klaus Wloemer, der mit einer reformierten Pfarrerin verheiratet ist. «Das Erste, was ich von Solothurn kennenlernte, war die ‹Wegeso›, in der die Landeskirchen und Freikirche Projekte verwirklichen, zusammenarbeiten und gemeinsam auf dem Weg sind», ergänzte Stadtpfarrer Niklas Raggenbass. Als Paradebeispiel nannte Barbara Fankhauser den gemeinsamen Religionsunterricht und die Spitalseelsorge und freut sich, dass beides vom Staat unterstützt wird. «Der christliche Basisunterricht wird nicht nur von christlich geprägten Schülern besucht, sondern 24 Prozent gehören einer anderen Religion an oder sind konfessionslos. Dies wirkt weit über die Gesellschaft hinaus», doppelte Klaus Wloemer nach. Ein Arrangement, welches es dem Kanton einfacher mache, dies zu unterstützen.

Starke Vertreter für starke Kirche

Der Politiker, Historiker und promovierte Theologe Remo Ankli ermunterte die Kirchenvertreter, vereint und mit einer starken Stimme aufzutreten, um mehr Gewicht zu erhalten und für künftige Herausforderungen besser gewappnet zu sein. «Starke Vertreter schaffen eine starke Kirche», ermunterte der Regierungsrat die Podiumsteilnehmer.

Dabei waren sich die beiden Geistlichen nicht nur im Appell für die Ökumene einig, sondern auch im Wunsch nach verstärkten sozialem und politischem Engagement der Kirche. «Gerade weil die sozialen und ethischen Fragen sich wandeln, muss das Wort Christi wieder mehr in die Mitte rücken.

Das Jesus-Wort sei stark, daraus entstehe etwas. «Das ist die Quelle. Wird diese trübe, verlieren die Menschen an Orientierung», gab Stadtpfarrer Raggenbass zu bedenken und Pfarrer Wloemer sagte: «Wir werden nur überleben, wenn wir solidarisch sind und uns um Leute kümmern, um die sich sonst niemand sorgt.» Remo Ankli dankte für das Geleistete, mahnte jedoch, diese Anliegen dürften nicht allein im Zentrum stehen, sondern die Kirche müsse Leitplanken und Antworten bei den Sinnfragen des Lebens und des Glaubens geben.

Moderatorin Anita Panzer fragte nach der jeweiligen Traumkirche und dem persönlichen Glauben und führte so zur Frage zurück, welche Kirche es heute brauche. Eine fröhliche Kirche, in der man gemeinsam auf dem Weg sei, lautete der Tenor. «Glaube stützt und vermittelt das Göttliche in jedem von uns, verbindet uns mit der Lebenskraft», erläuterte Niklas Raggenbass. Remo Ankli bekannte, durch den Glauben erfahre man den Sinn des Lebens, den Sinn des Leidens, aber auch das Leben nach dem Tode. Als Nicht-Theologin und Nicht-Pfarrerin brachte es Barbara Fankhauser auf den Punkt: «Der Glaube an Gott ist die Basis von allem – Gott ist Mutter und Vater.»