Heso 2021
Lärm, Zeitdruck und neugierige Zuschauer – an der Schweizer Meisterschaft der Gebäudetechniker

Auf dem HESO-Gelände wird dieses Jahr gelötet, gehämmert und geplant: Über sechzig Teilnehmende aus der ganzen Schweiz zeigen ihr technisches Können an den Meisterschaften der Gebäudetechnik. Die anspruchsvollen Aufgaben verrichten sie unter grossem Zeitdruck und direkt vor den Besuchern.

Anja Neuenschwander
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Die diesjährige Schweizer Meisterschaft in Gebäudetechnik findet an der HESO statt.

Die diesjährige Schweizer Meisterschaft in Gebäudetechnik findet an der HESO statt.

Hanspeter Bärtschi / SZ

Ein lauter Knall, Funken sprühen, lautstarkes Hämmern – das Zelt direkt hinter dem Baseltor an der HESO hat sich in eine Werkstatt verwandelt. Hier findet dieses Jahr die Schweizer Meisterschaft in der Gebäudetechnik statt. Zweiundsechzig Kandidatinnen und Kandidaten messen sich in sieben Berufskategorien.

«Die Schweizer Meisterschaft ist für uns einer der bedeutsamsten Events für die Imagepflege und die Nachwuchsrekrutierung in der Gebäudetechnik und trägt auch zur Verbesserung des Images von handwerklichen Berufen bei», sagt Web- und Social-Media-Managerin Helena Montag. «Wir wollen zeigen, dass unsere Arbeit technisch, kreativ und zukunftsorientiert ist.»

Impressionen von der Schweizermeisterschaft in Gebäudetechnik an der Heso 2021.

Impressionen von der Schweizermeisterschaft in Gebäudetechnik an der Heso 2021.

Hanspeter Bärtschi / SZ

Die Jobs in der Branche seien krisensicher, das habe sich in der Pandemie gezeigt. Montag sagt:

«Gebäudetechniker braucht es immer.»

Beim Thema Klimawandel beispielsweise, seien sie nicht wegzudenken.

Die Meisterschaft findet jedes Jahr an einer anderen Publikumsmesse in der Schweiz statt. An der HESO ist sie ausnahmsweise auf zwei Zelte aufgeteilt. In der Halle 7 schauen die Heizungs-, Sanitär- und Lüftungsplaner und -planerinnen konzentriert auf ihre Bildschirme. «Für sie ist das neue Konzept ganz gut, normalerweise sitzen sie mit dem Pamir am Computer», lacht Montag. Die handwerklichen Berufe befinden sich dieses Jahr nämlich in einem eigenen Zelt – und dort geht es ziemlich laut zu und her.

Eindrücke aus dem Handwerkerzelt

Die zweite Gruppe der Spengler, Heizungs- und Sanitärinstallateure und Lüftungsanlagenbauerinnen ist nämlich gerade im Endspurt. Jede Berufskategorie wird in drei Gruppen aufgeteilt. Diese haben jeweils drei Tage Zeit, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Die Aufgabe baut auf den Lehrabschlussprüfungen auf, die alle Kandidatinnen und Kandidaten im Sommer mit mindestens einer Note 5 abgeschlossen haben, informiert Montag. Um neun Uhr an diesem Abend wird der Wettbewerb für die Gruppe beendet sein.

Volle Konzentration bei den Teilnehmenden.

Volle Konzentration bei den Teilnehmenden.

Hanspeter Bärtschi / SZ

Elias Röthlin ist einer von sechs Sanitären, die sich im Zelt messen. Er ist gerade damit beschäftigt, Abläufe für Duschen und WCs in eine Vorwand einzubauen. Dies sei der anspruchsvollste Teil seiner Aufgabe, sagt er. Die Sanitärinstallateure müssen nämlich, anders als die anderen Handwerkerberufe, mehrere Teilaufgaben erfüllen.

In einer geht es beispielsweise um Kundenberatung. Das ist nicht so Elias Ding: «Ich arbeite lieber für mich», sagt er. Die gelegentlichen Fragen der Besucher stören ihn aber nicht weiter.

«Ich gebe einfach kurze Antworten, damit ich schnell weitermachen kann.»

Am Anfang sei es aber schon ungewohnt gewesen, bei so viel Lärm und Ablenkung zu arbeiten.

Die Teilnehmenden verrichten alle ihre Aufgaben vor Publikum.

Die Teilnehmenden verrichten alle ihre Aufgaben vor Publikum.

Hanspeter Bärtschi / SZ

Alle Teilnehmenden in derselben Kategorie arbeiten gleichzeitig an ihrer Aufgabe. Macht das nicht einen riesigen Druck, wenn man sieht, dass die Mitstreiter gegenüber schon viel weiter sind? Elias Röthlin ist da entspannt: «Viel Druck ist schon mal weg, da ich die Lehrabschlussprüfung diesen Sommer bestanden habe. Ich weiss, dass ich etwas kann und muss mich nicht immer vergleichen.»

Dazu komme, dass die Sanitäre nicht gleichzeitig an derselben Teilaufgabe arbeiten. Anders ist es bei den Spenglern und Spenglerinnen, die sich alle gegenseitig auf die Finger schauen können. «Manchmal, wenn jemand besonders schnell vorwärtskommt, entwickelt sich schon eine andere Gruppendynamik, weil sich die Kandidatinnen und Kandidaten gegenseitig anspornen», sagt Montag.

Teilnehmende sind weniger nervös als früher

Während alle vertieft an ihren Konstruktionen tüfteln, schrauben und löten, beurteilt der Experte Fritz Egli die einzelnen Arbeitsschritte. Der Heizungsinstallateur bewertet die Meisterschaftsteilnehmenden in diesem Berufsfeld schon seit 20 Jahren. «Die Killer-Kriterien sind Massgenauigkeit, eine saubere Arbeit und schlussendlich, ob das Ganze funktioniert», erklärt er.

HESO 2021: Schweizermeisterschaft in Gebäudetechnik.

HESO 2021: Schweizermeisterschaft in Gebäudetechnik.

Hanspeter Bärtschi / SZ

Bei den Heizungsinstallateurinnen prüft man beispielsweise, ob die Rohre gleichmässig rund gearbeitet wurden und ob sie dicht sind. Doch nicht alle Teilnehmenden schaffen es, ihre Aufgabe fertigzustellen. Egli findet:

«Die grösste Herausforderung ist der Zeitdruck.»

Klar würden die Messebesucher die Teilnehmenden etwas nervös machen, aber das würde sich nach dem ersten Tag legen.

«Früher waren die Kandidatinnen und Kandidaten viel nervöser. Das hat sich in den letzten Jahren verändert. Vielleicht weil sich alle gewohnt sind, immer mit dem Handy fotografiert zu werden», sagt Egli. «Ich finde es aber immer sehr lässig, wenn sich die Leute Zeit nehmen, in unserem Zelt vorbeizuschauen.»

Schweizermeisterschaft in Gebäudetechnik

Schweizermeisterschaft in Gebäudetechnik

Hanspeter Bärtschi / SZ

Nach insgesamt neun Tagen werden die Sieger am 3. Oktober im Landhaus gekürt. Bei den Spengler und den Sanitär- und Heizungsinstallateuren können sich die drei Bestplatzierten jeweils für die Europa- oder die Weltmeisterschaft qualifizieren. Wie schätzt Elias seine Chancen ein? «Ich glaube, ich werde fertig mit allen Aufgaben. Aber für die besten Drei reicht es wohl nicht», sagt er schmunzelnd.

Mehr Informationen unter: Schweizer Meisterschaften der Gebäudetechnik 2021 – suissetec

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