«Kannst du bitte einen Meter weiter nach drüben.» – «Du musst nicht die Kommas sprechen, sondern sprich den Text fliessend und ohne Pausen.» – «Punkt. Der Satz ist fertig. Du musst die Stimme senken.» Das sind Anweisungen der Regisseurin Manuela Glanzmann an die Spielenden, und wir dürfen bei einer Probe der Theatergruppe Eclat im Kleintheater Delly vorbeischauen.

Seit Oktober am Proben

Eine Woche vor der Premiere der Geiselfarce «Meier Müller Schulz oder Nie wieder einsam» von Marc Becker sind noch Feinheiten in Text, Gestik und Stellungen heraus zu kitzeln. Die kleine Bühne wird von sechs verschiedenfarbigen Sitzsäcken bedeckt, sodass der Holzboden praktisch verdeckt wird.

Die Handlung spielt aber auch im Eingangsbereich, was zur Folge hat, dass die Bestuhlung für das Publikum etwas speziell arrangiert ist. Seit Oktober proben Barbara Schäfer, Roland Kurz und Olivier F. Ziegler für diese Produktion. Nach dem Erfolg von «Patrick anderthalb» vor zwei Jahren war es folgerichtig, weiterzumachen.

Eine Schweizer Premiere

Manuela Glanzmann hat sich beim Verlag der Autoren in Frankfurt am Main nach einem geeigneten Dreipersonenstück erkundigt, worauf ihr nun dieses zugestellt wurde. Zuerst enttäuscht, dass nur dieses Stück geschickt wurde und keine Auswahl, war sie nach der Lektüre aber voll davon eingenommen. Sie hat das Werk denn auch in Mundart übersetzt. Marc Becker (Jahrgang 1969) ist seit 2009 Hausautor und Regisseur am Staatstheater Oldenburg, wo diese Farce 2009 ihre Uraufführung erlebte.

In der Schweiz wurde das Werk bisher nicht gespielt. Das Stück ist im Dürrenmatt’schen Sinn eine Komödie (aber kein Lustspiel), und gerade die Absurditäten erinnern an den Schweizer Dramatiker. Der Beginn ist ein Knalleffekt: Herr Meier hat Herrn Scholz gekidnappt und stösst ihn gefesselt und mit einem Sack über den Kopf die Treppe herunter.

Auswirkungen der Einsamkeit

Herr Schulz wehrt sich, so gut er kann, wird aber mit einem Revolver in Schach gehalten. Meier befragt ihn zu seiner Lebenssituation. Scholz fleht, ihn freizulassen. Auftritt der neuen Nachbarin, Frau Müller. Meier versteckt Schulz in den Sitzsäcken, doch Müller entdeckt ihn, worauf Meier ihr eine Lügengeschichte erzählt. Müller ist einsam.

Ihren Eltern hat sie weisgemacht, sie sei verlobt. Nun soll Meier beim Besuch der Eltern ihren Verlobten spielen. Meier ist auch einsam. Müller ist ein erster Besuch. Hat er Schulz entführt, damit jemand seine Einsamkeit teilt? Doch Scholz ist trotz Verlobter und Kind im Grunde genommen auch einsam.

Sprachgestaltung ist wichtig

Wie es sich für eine Farce gehört, gibt es auch einige sehr witzige Momente. Die Dialoge sind geschliffen, weshalb die Regie grossen Wert auf die Sprachgestaltung legt. Die Figuren sind viel in Bewegung, denn die Sitzsäcke lassen sich immer wieder anders arrangieren.

Nach unserem Probenbesuch hat es noch eine Woche bis zur heutigen Premiere gedauert, und es wird noch an diesem und jenem gefeilt. Bereits jetzt kann aber gesagt werden, dass die Rollen adäquat besetzt sind und die Ausführenden überzeugen.

Aufführungen: Freitag/Samstag, 2., 3. März je 20 Uhr, Sonntag, 4. März, 11 Uhr, Donnerstag/Freitag/Samstag 15., 16., 17. März, je 20 Uhr, Sonntag, 18. März, 17 Uhr, Freitag/Samstag, 23./24. März, je 20 Uhr.