Am Sonntag ist es wieder so weit: Ein lebendiges Jesuskind liegt auf dem Märetplatz in den Armen von Maria, neben ihr Josef. Nur der Ochs fehlt, Esel allerdings trotten genauso durch die Gassen wie Kamele mit den drei Weisen, die auf der Suche nach dem neu geborenen König der Juden sind.

Das ist auch König Herodes, der auf der St.-Ursen-Treppe Häscher aussendet, um des neugeborenen Nebenbuhlers habhaft zu werden. Am Bieltor und an der Kreuzackerbrücke tragen römische Legionäre Passanten zur von Augustus befohlenen Volkszählung ein, was die Hirten um ihre Schafe auf dem Friedhofplatz kaum kümmert. So spielt sich die «Weihnachtsreise» auch diesmal wieder am ersten Verkaufssonntag im Advent ab.

«Wir fangen aber eine halbe Stunde früher an und werden schon um 14 Uhr in die Stadt einziehen», erklärt Richard Hürzeler, Verwalter der Reformierten Kirchgemeinde Solothurn und Leiter des «Weihnachtsreise»-Projekts der Landes- und Freikirchen. «Damit beginnt auch das Schlusssingen auf dem Märetplatz schon um 16.15 Uhr. Später ist es bereits dunkel und viele Leute sind auf dem Heimweg, was die Stimmung beeinträchtigt.»

Jesuskind ausgewechselt

Hürzeler, der die Leitung vom langjährigen Vorgänger Urs Dummermuth übernommen hat, kann auf die weiteren Führungsmitglieder Regula Buob, Barbara Schmid und Bruno Linder zählen, aber auch auf rund 70 Mitwirkende, die in die verschiedenen Rollen schlüpfen oder beim Auf- und Abbau der Infrastruktur mithelfen. «Viele sind schon seit Anfang oder seit langem in Hauptrollen dabei. So die drei Weisen oder natürlich Jürg Meier als König Herodes.»

Dieser hat als einziger Darsteller eine richtige Sprechrolle und lebt diese mit Leib und Seele aus. Am meisten Kopfzerbrechen bereitet jedoch öfters die Besetzung der zentralen Rolle: die des Jesuskindes. «Eigentlich hatten wir es schon gefunden, mussten uns aber letzte Woche wegen einer privaten Verpflichtung der Eltern nach einem neuen Kind umsehen.» Inzwischen sind aber Hürzeler und sein Team fündig geworden – die Hauptattraktion auf dem Märetplatz und der wichtigste Punkt der «Weihnachtsreise» sind gesichert.

Kein «Exportschlager»

Dass Besucher aus der ganzen Schweiz inzwischen am dritten Adventssonntag die «Weihnachtsreise» erleben wollen, ist nicht neu. Doch nun zeigen andere Städte Interesse am beliebten Solothurner Adventsanlass. Richard Hürzeler: «Wir erwarten Delegationen aus Murten, Langnau im Emmental und St. Gallen.»

Die Besucher wollen sich direkt informieren und «wohl 2017» ähnliche Veranstaltungen, vielleicht in kleinerem Rahmen beispielsweise an einem Weichnachtsmarkt durchführen. Doch zu einem «Exportschlager» werde die «Weihnachtreise nicht, relativiert Hürzeler. Weder würden die Solothurner Darstellerinnen und Darsteller anderswo auftreten, noch werde man Ausstattungen ausleihen – «alle unsere Kleider haben wir selbst angefertigt.»

Bilder der letztjährigen Weihnachtsreise: