Solothurn
Herbstferienaktion der Quartierspielplätze: «Die Kinder müssen hier nichts. Sie dürfen»

Die Herbstferienaktion der Solothurner Quartierspielplätze Güggi, Tannenweg und Villa 41 hat am Montag wieder gestartet.

Alexandra Just
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Milena Adamo liest auf dem Spielplatz Güggi zur Einstimmung eine Geschichte vor
32 Bilder
Quartierspielplätze in Solothurn
Kreativspass mit Blechbüchsen.
Die Kinder schleifen Holzlatten ab, um sie später zu bemalen
Keine Berührungsängste vor Maschinen.
Hauptsache Spass
Aufs richtige Outfit kommts an
Volle Konzentration beim Anmalen der Latten.
Exakt anzeichnen
Volle Konzentration beim Malen
Beim Bau eines Baumhauses packen alle Kids des Spielplatzes Tannenweg mit an.
Eine Wasserwage, was ist das?
Mit der Bohrmaschine per Du
Mutige Baumkletterer.
Mutige Baumkletterer.
Wimpel malen auf dem Spielplatz Tannenweg.
Wimpel malen auf dem Spielplatz Tannenweg.
Mutige Baumkletterer.
Mutige Baumkletterer.
Menschenpyramiden bauen ist nicht einfach...
In der Villa 41 können die Kinder auswählen, was sie machen möchten. Diese drei Mädchen veranstalten eine Modeschau,
Modeschau in der Villa 41
In der Villa 41 kann auch gemalt werden
Kleine Künstler machen grosse Kunst.
Spieglein, Spieglein an der Wand...
Kleine Künstler machen grosse Kunst.
Kleine Künstler machen grosse Kunst.
Im verschmutzten Meer findet man allerhand Verwendbares
Draussen werden Specksteine geschliffen
Basteln unter dem grünen Sonnenschirm.
Weiss jemand, wie das geht?

Milena Adamo liest auf dem Spielplatz Güggi zur Einstimmung eine Geschichte vor

Hanspeter Bärtschi

Durch eine Glastür hindurch erhascht man einen Blick auf das morgendliche Ritual der Güggi-Gruppe. In einem Kreis sitzend lauschen 37 Kinder der Geschichte, die Betreuerin Milena Adamo vorliest. Mit einem «bis hier» vertröstet die Betreuerin ihre Schützlinge auf den nächsten Tag. Auf dem Tagesprogramm stehen noch viele weitere Punkte.

Die Herbstferienaktion der Quartierspielplätze Güggi, Tannweg und Villa 41 hat am Montag wieder gestartet. Unter dem Motto «Zeichen setzten» baut die Spielplatzgruppe Güggi einen bunten Zaun, der das Spielgelände von der Strasse abschirmen soll. Aufgeteilt in vier Gruppen realisieren die Kinder dieses Vorhaben. Die «Waldgeister» widmen sich an diesem Vormittag dem Bemalen der Latten, während die anderen Gruppen fleissig schmirgeln, nageln und Skulpturen aus Dosen für das Dach des roten Containers basteln.

Ältere Kinder helfen dabei als Kindercouch den jüngeren. «Kinder nehmen es ganz anders auf, wenn ihnen ein anderes, älteres Kind anstelle eines Erwachsenen etwas erklärt», sagt Guda Hess, Geschäftsführerin des Vereins Quartierspielplätze Solothurn. Auf die Frage eines jüngeren Kindes, warum es keine Pommes frites zum gemeinsamen Mittagessen gäbe, habe ihm ein Kindercouch erklärt, dass Pommes frites Fast Food sei. «Food» bedeute Essen und «Fast» bedeute, dass es das auf dem Güggi-Spielplatz nicht zu essen gäbe.

Um Kindercouch werden zu können müssen die ehemaligen Spielplatzkinder eine siebentätige Ausbildung absolvieren. Als ausgebildete Coachs unterstützen sie sowohl die Kinder als auch die Betreuer und Betreurinnen der drei Quartierspielplätze bei ihrer Arbeit.

Ausgleich zur Schule

In der Villa 41 beschränke sich diese Arbeit auf eine zurückhaltende Rolle, so Isa Dreier als Leiterin der Kindervilla. «Ausdrücklich Spielen» lautet das diesjährige Thema der Villa. Darunter soll das selbstständige und selbst gewählte Spielen der Kinder verstanden werden. Diese sollten während der Herbstwoche die Möglichkeit haben, individuell entscheiden zu können, was sie machen wollen. Zur freien Auswahl stehen dabei verschiedene Posten, an denen die Kinder Malen, Basteln und Theater spielen können. Anders als in der Schule darf es bei den Tätigkeiten auch mal etwas lauter werden.

Bevor die Kinder sich jedoch frisch-fröhlich vestreuen, beginnt der Tag mit einer Märchenstunde. Die Geschichte der grünen Sophie, die Wale klagen hört, soll nicht nur als morgendlicher Einstieg, sondern auch zur Sensibilisierung in Sachen Umweltverschmutzung dienen. «Die Haarbürste gehört doch nicht hier her», sagt ein Mädchen zu Isa Dreier, die besagtes Objekt zwischen den blauen Decken hervorgefischt hat.

Anlässlich der Geschichte arrangierten die Betreuerinnen mit Tüchern ein Meer im Garten, auf welchem allerhand Unrat und Müll verstreut liegen. Das Stöbern nach unpassenden Gegenständen scheint dem Mädchen und den anderen Kindern, Spass zu bereiten. «Die Kinder müssen hier nichts. Sie dürfen», meint Dreier dazu. Sie gäbe den Kindern nur den Rahmen vor. Was sie damit anstellten, läge in ihren Händen.

Hauptsache Natur

Ebenso munter wie auf dem Spielplatz Villa 41 geht es auf dem Spielplatz Tannenweg zu und her. Unter der Leitung von Monika Szalai verwandelt sich der Platz in eine grosse Baustelle. Die jungen Bauarbeiter und Bauarbeiterinnen haben Grosses vor. Ein Baumhaus, ein Vogelhaus, ja sogar ein Tipi-Zelt soll gebaut werden.

«Das Ferienangebot der Quartierspielplätze ist dafür da, dass Kinder, die während den Ferien zu Hause bleiben, ebenfalls etwas erleben können», so Szalai. In der Gruppe zusammenkommen, etwas konstruieren, bauen, herumklettern und Spiele spielen – für all das finden die Kinder auf dem Tannenweg-Spielplatz während der viertägigen Herbstaktion Zeit. Um die 20 Kinder nehmen bei der Aktion am Tannweg teil. Die Zahl der insgesamt 80 beteiligten Kinder ist Zeugnis, dass die alljährliche Herbstferienaktion der «Quartierspielplätze» auf grosses Interesse stösst.