Auszeichnung

«Herausragende Autorin des 21. Jahrhunderts»: Terézia Mora erhält Solothurner Literaturpreis

Die ungarisch-deutsche Schriftstellerin Terézia Mora wurde am Sonntag in Solothurn mit dem Solothurner Literaturpreis 2017 ausgezeichnet.

Zum letzten Mal hielt der Präsident der dreiköpfigen Jury des Solothurner Literaturpreises, Hans Ulrich Probst am Sonntagmittag eine Laudatio für einen Ausgezeichneten. Mit ihm wählten die Jurymitglieder Beat Mazenauer und Christine Tresch die ungarisch-deutsche Autorin Terézia Mora zur Preisträgerin 2017.

Probst erklärte einleitend, dass er und seine Jurykollegen nach 20 Jahren zurücktreten und dass als seine Nachfolgerin Nicola Steiner, Literaturjournalstion sein wird. Die beiden weiteren neuen Jurymitglieder würden später bekanntgegeben, so Probst.

Voller Stolz sprach Probst über die diesjährige Preisträgerin Terézia Mora. «Für mich und meine Jurykollegen ist sie die herausragende deutsch schreibende Autorin des 21. Jahrhunderts.» Obwohl zweisprachig aufgewachsen, schreibt Mora in deutsch, ist aber auch erfolgreich als Übersetzerin aus dem Ungarischen. Probst: «Mit verstörender Direktheit und grandioser Sprachkraft erzählt ihr ganz in der Gegenwart verankertes Werk seit zwanzig Jahren von Menschen, die sich selbst abhanden kommen und in unserer Welt verloren gehen.»

Scharf in der Diagnose aber zugleich mit warmer Empathie folge die Autorin ihren Figuren auf der meist vergeblichen Suche nach Geborgenheit und Liebe, so Probst in der Laudatio, und: «Wie ein roter Faden ziehen sich dabei die Motive Fremdheit und Gewalt durch ihre eigenwilligen und kühnen Geschichten».

Wer ist Terézia Mora?

Die Autorin ist 1971 in einem kleinen ungarischen Dorf im nordwestlichsten Zipfel des Landes aufgewachsen. Ihre Familie gehörte damals zur deutsch-sprechenden Minderheit und sie stammt nach ihren eigenen Angaben aus einem bäuerlichen, katholischen, patriarchalen und auch gewalttätigen Umfeld.

Nach dem Fall der Mauer ging sie als 19-Jährige nach Berlin, um Hungarologie und Theaterwissenschaften zu studieren. Sie versuchte sich als Drehbuchautorin, doch ihre Geschichten waren den Filmproduzenten zu poetisch. Erstmals hörte eine breitere Öffentlichkeit von ihr als Autorin, als sie 1999 den Ingeborg Bachmann-Preis für ihre Erzählung «Der Fall Ophelia» erhielt.

Mit ihrem Roman «Alle Tage» rechtfertigte sie diesen Preis und ihr wurden zahlreiche weitere Auszeichnungen zugesprochen. Aufsehen erregte sie jüngst mit den zwei Bänden einer Trilogie «Der einzige Mann auf Erden» und «Das Ungeheuer». Am dritten Band arbeitet sie derzeit. Auch hier erzählt die Autorin von «Reibungen des Individuums an den gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts – von Beschädigungen, Scheitern, Verlusten und finaler Verzweiflung», so Probst.

Terézia Mora freute sich sehr über den Preis und versprach lächelnd, keine lange Dankesrede zu halten. Sie war vor 12 Jahren zum ersten Mal nach Solothurn, an die Literaturtage gekommen und einiges, was sie hier erlebt hatte, sei in ihre Geschichten eingeflossen, bekannte sie. «Man erlebt nichts umsonst», sagte sie dazu.

Das Leben Anderer und ihr eigenes versetze sie immer wieder in Erstaunen und werde in Literatur umgesetzt. «Es ist eine Expedition, auf der wir uns befinden.» Mora las danach eine ihrer bekanntesten Geschichten «Die Liebe unter Aliens» und bewies damit, dass es kein schöneres Hörvergnügen gibt, als wenn ein Autor seine eigene Geschichte liest.

Neuer Vereinspräsident

Der neue Präsident des Vereins Solothurner Literaturtage, Walter Pretelli dankte der abtretenden Jury, allen Sponsoren des Preises , sowie seinem Vorgänger Ivo Bracher. Auch er machte sich zu Beginn des Anlasses ein paar Gedanken zur Sprache und dem sinngemässen Übersetzen, wie dies die Preisträgerin in Vollkommenheit beherrscht.

Stadtpräsident Kurt Fluri sagte zum Solothurner Literaturpreis, an dem sich neben einigen Unternehmen auch die Stadt Solothurn, sowie die Gemeinden Bellach und Derendingen beteiligen: «Oft wird kritisiert, dass dieser Preis sehr offen ausgestaltet ist. Doch gerade dies ist seine Stärke, denn so kommt der Jury eine sehr grosse Verantwortung zu.»

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