Solothurn
Herausforderung zweite Jahreshälfte: Wie das Alte Spital langsam zur Normalität zurückkehrt

Das Alte Spital kehrt langsam zurück zur Normalität. Doch diese geht mit Verzicht auf Anlässe und hohen Verlusten einher.

Gülpinar Günes
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Die mobile Quartier- und Jugendarbeit mit der «FahrBar» wird wieder hochgefahren.

Die mobile Quartier- und Jugendarbeit mit der «FahrBar» wird wieder hochgefahren.

Thomas Ulrich

Das Alte Spital fährt langsam den Betrieb hoch und sucht wieder direkten Kontakt zur Bevölkerung. Doch der Lockdown hat ein tiefes Loch in die Kasse der Institution gerissen, die etwa einen Drittel ihrer Einnahmen selber generiert: Mit dem Ausfall der Gastronomie, der Raumvermietung und der Kulturveranstaltungen sind die Haupteinnahmequellen ausgefallen. Letztes Jahr nahm das Alte Spital noch gut 1,5 Millionen Franken damit ein. Fast ebenso viel war für 2020 budgetiert. Aber die Betriebsleiterin Eva Gauch schätzt den diesjährigen Verlust auf rund 400'000 Franken. «Das ist eine grosse Herausforderung für uns», sagt sie. Das könne man unmöglich wieder aufholen.

«Zum ersten Mal in meinen 15 Jahren als Betriebsleiterin musste ich eine Liquiditätsplanung machen.» Wenn sich der Betrieb bis Ende Jahr normalisiere, komme man gemäss dem Plan «irgendwie durch». Sollte das Defizit aber doch zu gross ausfallen, werde man wohl das Gespräch mit dem Auftraggeber suchen müssen, der die Institution bereits mit rund eine Millionen Franken subventioniert.

«Jetzt überlegen wir uns alles drei Mal»

Um das zu vermeiden, fährt Gauch einen Sparkurs. Während des Lockdowns konnten die Teams der Vermietung und der Gastronomie Kurzarbeit beziehen und das sei teilweise noch immer der Fall. Aber auch Ausgaben über 50 Franken müssen nun bewilligt werden. «Wir hatten schon immer einen sparsamen Umgang mit unseren Mitteln, aber jetzt überlegen wir uns alles drei Mal.»

Gauch verspricht aber, dass Gäste und Besucher nichts von den Sparmassnahmen merken werden. Die Leistungen bleiben unverändert. So ist beispielsweise der Sommergarten seit dem 12. Mai wieder zugänglich und die Besucherzahlen seien vergleichbar mit den vergangenen Jahren.

Seit den letzten Lockerungen des Versammlungsverbots kommen laut Gauch auch wieder Anfragen für Seminare ein. Allerdings stehen die Räumlichkeiten nur mit beschränkter Kapazität zur Verfügung: Im grössten Saal, wo 250 Leute Platz haben, dürfen aktuell unter Berücksichtigung der Abstandsregeln nur noch maximal 50 Besucher rein. «Das ist jetzt die Herausforderung, das alles zu koordinieren», sagt Gauch.

Mittlerweile hat das Team auch die reguläre soziokulturelle Arbeit aufgenommen, nachdem während des Lockdowns verschiedene Alternativen entstanden sind. Das neue wöchentliche Quartierblatt für die Weststadt beispielsweise, das gegen Ende März lanciert wurde, erscheint im Juni ein letztes Mal. Danach wird das Team anhand von Rückmeldungen aus der Bevölkerung entscheiden, wie es damit weitergeht. Aber da auch die Dienste des Quartierbüros wieder hochgefahren werden, könne man das Blatt sicher nicht mehr wöchentlich ausgeben. Ebenfalls hochgefahren wird die mobile Jugend- und Quartierarbeit mit der sogenannten «FahrBar». Das ist ein Elektrovelo mit einer angebrachten Kiste, die sich, je nach Anlass, zu einer kleinen Bar, Theke oder einem Infostand ausbauen lässt. Das Projekt, welches letztes Jahr gestartet wurde, wird dieses Jahr in mehrere Quartiere der Stadt Solothurn und der Gemeinden Langendorf und Bellach ausgeweitet. Bis im Herbst werden die Mitarbeiter diese Orte aufsuchen und mit Anwohnern jedes Alters Gespräche über das Quartierleben führen. Rechtzeitig nach dem Lockdown nimmt auch ein neuer Mitarbeiter die im Mandat geführte Kinder- und Jugendarbeit für Bellach auf.

Beitrag aus dem Lotteriefonds zugesprochen

Der Regierungsrat spricht dem Alten Spital einen A-fonds-perdu-Beitrag 27'000 Franken aus dem Lotteriefonds gut, wie die Staatskanzlei mitteilt. Laut einem Gesuch des alten Spitals werde das Geld für diverse Kulturveranstaltungen und das Künstleratelier im Jahr 2020 benötigt. Für die Anlässe sei ein Defizit von knapp 88'000 Franken budgetiert. Für das Künstleratelier, das keinen Gewinn abwirft, rechnet die Institution mit einem Aufwand von rund 37'000 Franken (gue)

Solothurner Sommerfilme lassen hoffen

Während einerseits hochgefahren wird, muss wegen der bestehenden Massnahmen auch runtergefahren werden. So fällt das 44. Freundschaftsfest der Ausländerorganisation, das Anfang Juli vorgesehen war, aus. «Das war eines der traurigsten Momente für mich», bedauert die Betriebsleiterin die Absage.

Boulderfans sowie Seniorinnen und Senioren müssen sich ebenfalls gedulden. Zum Schutz aller Beteiligten werden der Boulderraum sowie die Angebote für betagte Personen erst im September wieder erlaubt. Auch der Flohmarkt wird voraussichtlich erst im September stattfinden.

Für das beliebte Open-Air-Kino auf der Krummturmschanze «Solothurner Sommerfilme» vom 18. bis 23. August macht Eva Gauch aber noch Hoffnung. Man warte momentan noch ein Schutzkonzept ab, aber mit den vorgeschriebenen 300 statt 500 Personen könnte das möglich werden. Mit den Sponsoren sei bereits alles geregelt. «Mit diesen Voraussetzungen gehen wir davon aus, dass wir es durchführen werden und hoffen auf gutes Wetter.»