Friedhof St. Katharinen
Heller Raum für dunkle Momente: So sieht die sanierte Abdankungshalle aus

Nach sieben Monaten ist die Sanierung der Abdankungshalle St. Katharinen in Solothurn abgeschlossen – bald geht es weiter.

Andreas Kaufmann
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Die renovierte Abdankungshalle des Krematoriums Solothurn
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Am Herrenweg in Solothurn befindet sich die Abdankungshalle.
Abdankungshalle Solothurn
Abdankungshalle Solothurn
Abdankungshalle Solothurn

Die renovierte Abdankungshalle des Krematoriums Solothurn

Michel Lüthi/bilderwerft.ch

«Noch vor zwölf Jahren fristete das Krematorium ein Schattendasein», erinnert sich Matthias Beuttenmüller, Chef Einwohnerdienste. So blieb das neoklassizistische Gebäude beim St. Katharinen-Friedhof aus den Mittzwanzigern des vergangenen Jahrhunderts lange unter dem Radar der Politik. «Unterdessen haben Bestattungsriten an Wichtigkeit gewonnen.»

Was sich auch am besagten Gebäude zeigt, das einige Erneuerungen hinter sich hat – und vor sich. Nach sieben Monaten wurde die Auffrischung der Abdankungshalle abgeschlossen. Der letzte Investitionsbrocken liegt acht Jahre zurück: 2011 war für 2,45 Mio. Franken eine gesetzlich verordnete Rauchgasreinigungsanlage installiert worden.

Heller, lichterfüllt und würdevoll

«Durch die aktuelle Sanierung wurde eine würdevolle Atmosphäre für die Abdankungshalle geschaffen», zeigt sich Beuttenmüller erfreut. So wurden die Wände neu gestrichen, was den vorher düsteren Raum heller macht. Diverse Zierelemente wurden aufgefrischt, beispielsweise die Deckenrosetten, deren Blattgold durch die Restauration wieder glänzt.

Auffallen dürfte auch die neue LED-Beleuchtung, die laut Lukas Reichmuth, Leiter Hochbau, unterschiedliche Lichtmöglichkeiten zulässt. So können nach Witterung diverse Beleuchtungsarten programmiert werden.

Über die Geschichte des Krematoriums

Wie Lukas Reichmuth vom städtischen Hochbau informiert, war die Abdankungshalle als streng neuklassizistischer Zentralbau konzipiert worden. «Über einem hohen Sockel mit Freitreppe erhebt sich der Repräsentationsbau.» Die Hauptfassade wird durch vier dorische Säulen, ein hohes Gebälk und einen Dreiecksgiebel dominiert. Über dem Mittelportal erinnert eine Inschrift an das Vergängliche und an das Unvergängliche: «Ewige Seele steig flammend empor - sink irdischer Leib in Asche.»

Erbaut wurde das Krematorium zwischen 1923 und 1926 und zwar durch die Architekten Edgar Schlatter und Ernst Fröhlicher. Die seitlichen Erweiterungen, würfelförmige Annexbauten auf Betonstützen, entstanden zwischen 1960 und 1961 und wurden von Hans Luder geplant. (sba)

Saniert wurden auch die kunstvoll gefärbten Bleiglasfenster, die zum Teil undicht waren. Ebenso erfuhr der Boden eine Auffrischung: Im Hauptteil besteht er nach Linoleum neu aus Terrazzo, in den Seitenflügeln aus Parkett. Besagte Seitenflügel waren erst in den Sechzigerjahren als Annexbauten realisiert worden.

Um dies bauhistorisch zu kennzeichnen, wollte man die Abgrenzung durch die Böden unterstreichen. «Wir wollten die Geschichte des Gebäudes nicht verändern», sagt Beuttenmüller. Neu ist auch die Möblierung, die sich durch dunkles Holz kennzeichnet. Weiter wurde der Sarglift, über den ein Leichnam von unten in den Raum gehievt wird, mit einer neuen Abdeckung versehen.

Bessere Akustik

«Immer ein Thema» in Sakralbauten seien die Tonanlagen. So wurde die in die Jahre gekommene Anlage durch eine neue ersetzt und somit die Akustik erheblich verbessert, sagt Beuttenmüller. Immer mehr spielen bei Abdankungen auch Musikstücke ab Konserve eine zentrale Rolle: Mit der neuen Anlage können verschiedene Übertragungsformate, darunter auch Bluetooth oder USB, eingelesen werden.

«Wir hatten keine Reklamationen»

In der Zeit von März bis jetzt konnten im «St. Katharinen» aus praktischen Gründen keine Abdankungsfeiern durchgeführt werden. «Wir hatten deswegen keine Reklamationen», sagt Beuttenmüller. Betroffene Angehörige haben sich in dieser Zeit selbst organisiert und die Trauerfeierlichkeiten für ihre Verstorbenen andernorts abgehalten. Der für die Sanierung der Halle budgetierte Kredit über 1,15 Mio. Franken dürfte laut Reichmuth aller Wahrscheinlichkeit nach sogar unterschritten werden.

Weitere Bauvorhaben am Gebäude stehen unmittelbar bevor. So muss 2020 der Kremationsofen mit Sarg-Einfahrmaschine für 1,1 Mio. ersetzt werden. Der Kredit steht anlässlich der Budget-Gemeindeversammlung im Dezember zur Diskussion. Damit dürfte der Kremationsbetrieb im nächsten Jahr für voraussichtlich drei Monate ausfallen und nach Langenthal oder Burgdorf ausgelagert werden, wie Beuttenmüller informiert.

Ebenso für die Dezember-Gemeindeversammlung ist ein Projektierungskredit von 100 000 Franken für ein weiteres Vorhaben budgetiert: 2021/22 soll auch die Aufbahrungshalle umgebaut und saniert werden – und zwar für einen Investitionsbetrag, der im Finanzplan mit grob 1,15 Mio. Franken beziffert wird.