Mindestens eine Grossbaustelle ist immer: Während schon «La Couronne» im neuen Glanz erstrahlt und das neue Bürgerspital von weit sichtbar langsam in die Höhe wächst, wird auch am Westring mit Hochdruck gearbeitet. Selbst ein Laie, der sich auf der Baustelle den Weg durch den regelrechten «Wald» von provisorischen Abspriessungen bahnt, sieht: Es gibt noch viel zu tun. Bis zum 21. November, dann nämlich soll hier die neue Migros-Filiale mit Restaurant ihre Tore öffnen.

Der Standort umfasst das Gebäude an der Wengistrasse 13/Poststrasse 12, das sich im Eigentum der Migros befindet, sowie die südöstlich gelegene Liegenschaft der Landi Reso, bei der Migros eingemietet ist. Das dritte Untergeschoss ist für technische Installationen vorgesehen, im zweiten Untergeschoss werden Kundenparkplätze sowie Lagerräumlichkeiten der Migros eingerichtet, und im ersten Untergeschoss werden schliesslich die Mitarbeiterräumlichkeiten und weitere Kundenparkplätze untergebracht sein. Neben dem Eingang auf Seite der Wengistrasse sollen für die Kunden zwei lichtdurchflutete Glaslifte sowie ein Treppenhaus vom zweiten Untergeschoss bis ins erste Obergeschoss führen.

Wohnungen und Arztpraxen

Im Erdgeschoss beider Gebäude wird die Ladenfläche realisiert werden, während sich im ersten Obergeschoss auf der Migros-eigenen Seite als Galerie das Laden-Restaurant befinden wird. Durch den Innenbereich des Gebäudekomplexes soll ein grosses Oblicht für natürliche Tagesbeleuchtung sorgen. Im Landi-Teil sollen unter dem bestehenden Glasdach dereinst Praxisräumlichkeiten für Ärzte entstehen. In den oberen Stockwerken werden auf der Seite der Poststrasse neun Wohnungen realisiert.

«Hell, offen und einladend» scheint für die Bauherren Programm zu sein, wie Pläne der neuen Frontfassade mit grossen Fensterflächen und weniger sichtbaren Tragstrukturen verdeutlichen – und wie Daniel Pulver, Projektleiter Bau bei der Migros Genossenschaft Aare, genauer erläutert: «Wir holen das Tageslicht herein und schaffen ausserdem eine Öffnung zur Achse Amthausplatz.» Dadurch werde zwischen Innen und Aussen ein Bezug geschaffen: «Die Restaurantgäste sehen – im Gegensatz zu vorher –, was draussen passiert.» Eine Aussenbestuhlung des Restaurants trägt ebenfalls zu dieser architektonischen Öffnung bei.

Ein anspruchsvolles Vorhaben

Gebaut wurde die Migros-Liegenschaft 1962, das benachbarte Landi-Gebäude, wo sich auch der frühere Migros-Eingang befand, entstand 1987. Michel Egger der IPAS Architekten und Planer AG, zuständig für Architektur und Bauleitung, zeigt im Erdgeschoss alte so genannte Kassetten- und Rippendecken, die durch ihre Hohlräume in früheren Bauzeiten Stabilität schufen und gleichzeitig Gewicht reduzierten.

Aber nicht nur, weil alt und neu bei dieser Sanierung aufeinandertreffen, ist das ganze Vorhaben sehr komplex. Das Gebäude wird auf mehreren Geschossen gleichzeitig saniert und umgebaut. Es muss – nicht zuletzt wegen des zusätzlichen Gewichts durch Abbruchmaterial und Baustellenmaschinen – durch eine kluge provisorische Baustatik abgestützt werden.

Unzählige provisorische Tragstrukturen übernehmen diese Aufgabe. «Bislang haben wir rund 90 Stück 20-Kubikmeter-Container Abbruchmaterial entfernt. Das entspricht einer ein Kilometer langen LKW-Kolonne», rechnet Egger vor. Auch dürfen lediglich Baumaschinen verwendet werden, deren Traglast die Böden nicht überfordert. Zu den Baustelleninstallationen zählen unter anderem 16 Betonschneidegeräte, mit denen auch der Liftschacht ausgefräst wird, 5 Raupendumper, deren breite Spur das Gewicht besser verteilt und 3 Abbruchroboter, die ebenfalls im Einsatz sind.

Kurz: Teilweise bis auf die Primärstruktur wird das Gebäude «ausgehöhlt.» Und: Der Hotelbetrieb im «Astoria», der sich vom dritten bis ins sechste Obergeschoss erstreckt, bleibt während der Bauzeit erhalten.

Eine Initialzündung?

Michel Egger sieht die Bauarbeiten an der Wengistrasse durchaus als mögliche Initialzündung für eine Kettenreaktion an neuen Bauaktivitäten in direkter Nachbarschaft. Denn: Schon länger werden unter anderem von politischer Seite her Rufe laut, dass die dortige Gewerbeachse seit der Schliessung der Wengibrücke eine Aufwertung und Umgestaltung nötig habe.

«Migros hat hier einen Nagel eingeschlagen. Unser Projekt belebt den ganzen Gebäudekomplex inklusive der Wengistrasse», sagt Egger. Die Bauherrin Migros hat mit ihrem Standortentscheid für das Bauprojekt ihren Blick auch in die langfristige Zukunft gerichtet. Die zukünftige Erschliessungsachse des neuen Stadtteils Weitblick soll nämlich über den Westbahnhof realisiert werden.