HESO
Heisses Literaturquiz im HESO-Zelt

Anlässlich des HESO-Behördentags stellte sich Reina Gehrig, Geschäftsführerin der Solothurner Literaturtage, auf dem «Heissen Stuhl» den Fragen von Moderator Marco Jaggi. Sie sinnierte dabei über E-Books, über die Leselust und gewährte dabei auch Einblick in die aufwändige Arbeit im Literaturtage-Team.

Andreas Kaufmann
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«Der Heisse Stuhl»

«Der Heisse Stuhl»

Andreas Kaufmann

Der traditionelle «Heisse Stuhl» am HESO-Behördentag ist manchmal Politbühne, zuweilen Philosophieecke, dann wieder Scherzkabinett oder ab und zu auch Literaturclub. Dass dieses Jahr die letzte der aufgezählten Varianten zutraf, ist dem Gast zuzuschreiben, den Moderator Marco Jaggi vom SRF-Regionaljournal Aargau-Solothurn dieses Jahr auf den bequemen Sessel bitten konnte. Reina Gehrig ist Geschäftsführerin der Solothurner Literaturtage – und frischgebackene Mutter, was Jaggi gleich vorneweg als Thema einwarf.

Dass ihre Tochter Juno heisst, ist allerdings nicht der gleichnamigen Göttin aus der römischen Mythologie zu verdanken: «Wir haben nach einem Namen gegrübelt. Da kam die zurzeit aktuelle Jupitersonde Juno als Namensgeberin gerade richtig», so die 33-jährige studierte Germanistin, Kunsthistorikerin und Theaterwissenschaftlerin. «Gschaffig» dürfte die gebürtige Wilerin (SG) allemal sein – trotz mutterschaftlicher Pause.

«Wieviele Bücher schaffen Sie pro Stunde?», wollte denn Jaggi wissen. 50 Seiten pro Stunde, zwei Bücher pro Woche – so die durchschnittliche Bilanz Gehrigs. Gerade im Vorfeld der Literaturtage werden rund 350 Schweizer Neuerscheinungen vom Literatur-Tageteam gelesen und bewertet. 50 davon kommen schliesslich in die Kränze.

«Publikumsjoker, bitte...»

Vielleicht ein Spürchen zu hartnäckig kokettierte Jaggi dann aber mit dem Klischee, dass Reina Gehrig jedes Buch kennen müsste. So stellte er in einem Lesequiz mit neutral eingefassten Bucheinbänden die Kenntnisse der Literaturtage-Chefin auf die Probe. «Kann ich den Publikumsjoker einsetzen?», befand Gehrig dazu. Passagen aus einem wenig tiefschürfenden Kioskroman oder aus einem Klassiker von Otto F. Walter, einer der Gründerväter der Literaturtage, standen im Fokus.

Oder aber – ziemlich unfair – Pedro Lenz’ noch unveröffentlichte «Di schöni Fanny». «Bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich den Kioskroman lese?», wollte Jaggi wissen. Doch Gehrig liess sich keine kulturkritische Note entlocken: «Es ist grundsätzlich schön, wenn Menschen ein Buch zur Hand nehmen. Manchmal beobachte ich im Zug, was die Leute lesen», verriet sie. Es sei hingegen schade, wenn man gar nicht lese.

«Die Literatur öffnet Türen in verschiedene Welten.» Und so werden die Literaturtage künftig auch für die jüngere Leserschaft aus den Schulen mit einem ausgedehnteren Programm aufwarten. Das sogenannte JuKiLi-Angebot von Freitag bis Sonntag soll um mehrere Tage erweitert werden.

Wie steht es nun aber im neuen Millenium der E-Books mit dem Lesen? «E-Books sind keine schlechte Angelegenheit», so Gehrig. Gerade viele Senioren seien auf diesen Trend aufgesprungen. Problematisch sei hingegen, dass oft nur Bestseller digital erhältlich seien. Bei Schweizer Autoren lohnt es sich für die Verlage fast nicht. «Und so haben gerade kleine Trouvaillen der Mundartliteratur kaum eine Chance auf dem E-Book-Markt.»

Kleine und grosse Schwester

2014 hatte Reina Gehrig das Amt von Vorgängerin Bettina Spoerri übernommen, zunächst interimistisch und nun definitiv. «Werden Sie auch zwölf Jahre bleiben wie der neue Einsiedler?», wollte Jaggi wissen. «Sicherlich werden es ein paar Jahre sein», gab sie bekannt. Und wird die «kleine Schwester der Filmtage» anwachsen? «Wir befinden uns in einem ganz andersartigen Genre und sind gerne die kleine Schwester der Filmtage», befand dazu Gehrig. «Beispielsweise haben meine grosse Schwester und ich uns auch sehr gern, obwohl wir unterschiedlich sind.»

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