Landhaus Solothurn

«Heisse Luft» — Thomas Stocker präsentiert Fakten zum Klimawandel

Der Klimawissenschaftler Thomas Stocker diskutiert im Landhaus mit Solothurnerinnen und Solothurnern über die Zukunft der Erde.

Die «Meteo»-Moderatorin Sandra Boner zog während der Begrüssung einen anschaulichen Vergleich: «Das Wetter ist wie die Laune eines Menschen und das Klima sein Charakter.» Mit ihr auf der Bühne stand am Mittwochabend der international anerkannte Klimawissenschaftler Thomas Stocker.

Die Vereinigung Science Cité, welche den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft fördert, organisierte diesen Anlass. An diesem Abend soll eine Diskussion entstehen, bei dem der Klimaforscher die neusten Fakten liefert und das Publikum sich einbringen kann: ein interaktiver Anlass. Ins Landhaus sind ungefähr 150 Menschen gekommen. Kantonsschülerinnen und Schüler, Mitglieder der 2000-Watt- Gesellschaft, die Klimajugend des Kantons Solothurn und viele mehr.

«Es gibt viele Zukünfte»

Der Einstieg machte Stocker mit einem Vortrag über «Heisse Luft», und zwar im wortwörtlichen und nicht im übertragenen Sinn. «Die Schweiz wird nicht vom Klimawandel verschont», so Stocker. Heute werden im Durchschnitt 11 Hitzetage pro Jahr gemessen, im Jahre 2060 können es 28 werden.

Doch dies sei eines von vielen Szenarien: «Es gibt viele Zukünfte.» Je nachdem, was heute für Massnahmen ergriffen werden, sieht das Jahr 2060 anders aus. Diese Massnahmen müssen nicht nur globaler Art sein, sondern können schon im Kleinen anfangen.

Nicht nur globale, auch lokale Aktionen zählen

Solche lokale Aktionen werden hier gezeigt: die 2000- Watt-Gesellschaft mit einem kurzen Film, wie man den Alltag nachhaltig gestalten kann, sei es auf der Arbeit oder zu Hause. Die RestEssBar präsentiert ihre Aktion: Im Alten Spital gibt es einen Kühlschrank, wo Esswaren, die das Verfallsdatum überschritten haben, abgeholt werden können.

Eine Sportklasse der Kantonsschule produzierte den kurzen Film «Burn Fat Not Oil» und fordert ein Umdenken: Der Klimaschutz soll zum Statussymbol werden. Nicht mehr dicke Autos, sondern Fahrräder sollen abgefeiert werden.

Die Zukunft mit «coolen» Vision gehört der Jugend

Es gäbe «coole» Möglichkeiten, wie man das Klima schützen kann, erklärt der Forscher. Er spricht von einer dekarbonisierten Wirtschaft, die weitgehend auf fossile Brennstoffe verzichtet. «In dieser Produktionsform werden neue Arbeitsplätze entstehen», ist der Forscher überzeugt. «Die heutigen Jungen werden hoffentlich in diesen neuen Arbeitsplätzen arbeiten», sagt er.

Im Publikum sitzen viele Junge. So auch die Vertreterin der Klimajugend, die Oltnerin Rebecca Rutschi. Sie wird von Boner gefragt, ob die Klimabewegung sich um einen Modetrend handelt. «Mir persönlich ist es egal, wieso die Leute auf der Strasse sind. Hauptsache ist, dass sie mitmachen», meint sie entwaffnend.

«Es ist erfrischend, zu sehen, dass es die Jungen schaffen, etwas in der Politik zu bewegen», meint der Berner Forscher begeistert. Das Resultat der ­letzten Wahlen schreibt er der Klimajugend zu. Es stimme ihn hoffnungsvoll, dass die Jungen sich engagieren. In den letzten zwei Jahren sei klar ein Ruck durch die Gesellschaft gegangen, den er in seiner Karriere so noch nie gesehen hat.

Der Klimawandel soll Statussymbol werden

Thomas Stocker arbeitet schon seit 1992 als Klimaforscher. Der Wandel sei enorm, erklärt er dieser Zeitung: «In den 90er- Jahren musste ich jedes Wort auf die Goldwaage legen, damit ich nicht als Aktivist abgestempelt wurde und so meine Glaubwürdigkeit auf’s Spiel setzte.» Stocker forscht nicht nur am Klima, sondern formuliert auch Vorschläge, wie die Politik gestaltet werden muss, um den Klimawandel zu stoppen.

«Dank der Jungen und der sozialen Medien ist das Thema heute präsent und hat den dringlichen Status erhalten, den es verdient hat», so der Forscher. «Während der Nullerjahre, der Jahre des Konsums und der ­billigen Reisen, stiess man mit diesem Thema auf taube Ohren.» Heute seien die enormen Auswirkungen der Klimakrise auf die Umwelt auch viel sichtbarer: «In den letzten 30 Jahren waren 26 davon weltweit die wärmsten Jahre seit 1880, und seit 2014 haben wir sogar nur Hitzerekordjahre gemessen. Das Thema wird jetzt für jeden spürbar.»

Zum Abschluss wird dem Publikum der Stop-Motion-Film der Klasse B19a gezeigt. Darin werden einfache Handlungsvorschläge aufgezeigt, die umweltschonend sind, wie regionale Produkte konsumieren. Einige Schüler dieser Klasse erklären, wie sie zum Klimaschutz stehen und wie sie sich mit diesem Thema auseinandersetzen.

Autorin

Judith Frei

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