Wengistein

Heimleiter Hansruedi Moor zu Gewalt im Heim: «Eine Garantie gibt es nicht»

Hansruedi Moor, Leiter des Alterszentrums Wengistein, tut viel, um Gewalt zu verhindern. (Archiv)

Hansruedi Moor, Leiter des Alterszentrums Wengistein, tut viel, um Gewalt zu verhindern. (Archiv)

In jedem Heim kann es Übergriffe geben. Auch Wengistein-Leiter Hansruedi Moor kann Gewalt nicht ausschliessen, dennoch versucht er das Möglichste dagegen zu unternehmen. So gibt es beispielsweise einen Bewohnerrat und einen Angehörigenrat.

Nein, auch Hansruedi Moor kann Übergriffe in seinem Heim nicht ausschliessen – auch wenn der Leiter des Alterszentrums Wengistein sein Möglichstes dagegen tut. «Eine Garantie gibt es nicht», erklärte Moor vor gut 30 Grauen Panthern. Schliesslich sind in seinem Heim 100 Bewohner und 160 Mitarbeiter unter einem Dach versammelt.

Wenn Moor an Gewalt im Heim denkt, kommen ihm nicht in erster Linie «blaue Flecken» in den Sinn. Stationäre Institutionen – ob Kinder-, Altersheim oder der Strafvollzug – sind laut dem Heimleiter besonders für psychische Gewalt anfällig. Denn die Bewohner sind zu 100 Prozent auf den Goodwill der Mitarbeiter angewiesen. Hilflos ausgeliefert ist etwa der pflegebedürftige Patient, wenn er auch beim fünften Klingeln ignoriert wird, weil er dem Mitarbeiter «halt einfach auf die Nerven geht». Die psychische Gewalt sei besonders hinterhältig, erklärt Moor. «Sie hat viel mit Macht zu tun.» Wichtig sei deshalb, dass sich jeder Angestellte der Macht bewusst sei. In vielen Heimen sieht Moor hier noch mehr Schulungsbedarf.

Auch Bewohner sind gewalttätig

Ein Heimleiter ist jedoch auch mit dem Fall konfrontiert, dass Patienten gewalttätig werden: Da sind Demenzkranke, die um sich schlagen; da gibt es den Patienten, der die junge Pflegerin begrapscht und es gibt auch die ältere Dame, die die schwarze Pflegerin nicht duldet. «Wir kennen da keine Toleranz», sagte Moor. – Etwas anders sehe es natürlich aus, wenn eine weibliche Patientin aus Scham nicht von einem Mann gepflegt werden wolle, beantwortete Moor eine entsprechende Frage aus dem Publikum. – Auch wenn dieser Wunsch vom Dienstplan her nicht garantiert werden könne.

Angehörige sollen Fragen stellen

Doch was können Angehörige tun, die den Partner oder die Eltern ins Heim geben müssen? Fragen stellen, riet Moor. Wie geht das Heim mit Übergriffen um? Gibt es Konzepte, wie Mitarbeitende präventiv geschult werden? Kennt die Heimleitung ihre Mitarbeitenden und achtet sie darauf, dass diese nicht überarbeitet sind? Das Wengistein hat laut Moor mehrere Punkte umgesetzt, um die Wahrscheinlichkeit eines Übergriffs möglichst gering zu halten. Neue Mitarbeiter müssen einen Strafregisterauszug vorweisen. Bei den Angestellten wird darauf geachtet, dass niemand überfordert oder ausgelaugt ist. Und Übergriffe durch Bewohner werden dem Heimleiter gemeldet.

Institutionalisiert ist im Wengistein auch die kritische Begleitung durch Bewohner und Angehörige. So gibt es einen Bewohnerrat und einen Angehörigenrat. «Wir haben Gefässe geschaffen, damit mögliche Übergriffe so an die Öffentlichkeit kommen», sagt Moor. «Ich bin erstaunt, in wie vielen Heimen Angehörige immer noch nur Besucher sind.»

Respekt

«Es ist ganz toll zu hören, dass man einmal in ein Heim kommt, wo man respektiert wird», sagte eine Frau, die selbst jemanden zu Hause gepflegt hat und dabei erlebte, dass man die Nerven verlieren kann. Denn auch daheim kann es schnell einmal zum Übergriff kommen. «Einige pflegen zu Hause bis zur Erschöpfung», sagte Moor. «Hier gibt es einen grossen Graubereich. Aber trotzdem verdient jeder Respekt, der das bis zur Erschöpfung tut.»

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