Wer den HeimArt-Laden am Stalden betritt, weiss gar nicht, wohin er zuerst schauen soll. Selbstgefertigte Insektenhotels, Vogelhäuschen, Kerzen, Handtaschen und Sirup sind nur ein Teil der bunten Vielfalt, die in den Regalen steht. Ursprünglich wollten drei Institutionen in einem Laden Kunsthandwerke von körperlich und geistig behinderten Menschen verkaufen. Mittlerweile ziehen 15 Institutionen aus dem ganzen Kanton am selben Strick und beliefern den Laden regelmässig mit kreativen Kunstwerken.

«Das Ziel dieses Projekts ist, dass wir unseren Laden mit den Einnahmen der verkauften Produkte künftig selbsttragend führen können», sagt Patrick Marti, Leiter der Grenchner Stiftung Rodania und Präsident des Vereins HeimArt. Deshalb wird die Höhe des Mitgliederbeitrags, der die Institutionen zur finanziellen Absicherung des Projekts künftig entrichtet sollen, in der euphorischen Generalversammlung zum einzigen grossen Diskussionspunkt.

Zwei Jahre nach der Ladeneröffnung wurde Anfang 2016 der Verein HeimArt ins Leben gerufen. «Die Gründung dieses Vereins war ein wichtiger Schritt. Früher waren alle Institutionen alleine unterwegs. Mittlerweile ist unser Laden zu einer Plattform geworden, die zeigt, was unsere Heimbewohner tagtäglich erschaffen», sagt Stephan Oberli, Leiter des Discherheims Solothurn und Vizepräsident des Vereins. «Wir wollen ein fester Bestandteil des Stadtbilds werden und erhoffen uns zunehmende Solidarität der Öffentlichkeit», fügt Marti hinzu.

Die Heimbewohner arbeiten jeweils in einem monatlichen Wechsel im HeimArt-Laden an ihren Kunstwerken. Nur für das Blumenhaus Buchegg ist das aus organisatorischen Gründen noch nicht möglich. Trotzdem wirke sich das Projekt positiv auf die Bewohner aus, wie Heimleiter Roger Schnellmann sagt: «Unsere Leute können nicht genau erfassen, was im Laden mit ihren Werken geschieht.

Sie begreifen aber, dass ihre tägliche Arbeit weggeht und nicht mehr zurückkommt. Das steigert ihr Selbstwertgefühl enorm. Dementsprechend sind sie auch glücklich, dass ihre Karten und Kerzen anderswo gebraucht werden.»

Eine positive Entwicklung kann auch Karin Kifoula, Leiterin der Alten Schmitte in Lohn-Ammannsegg, beobachten: «Wir haben mit unseren Produkten im Laden ziemlich Erfolg. Das motiviert unser ganzes Team und die Bewohner sind enorm stolz darauf. Wir müssen bloss aufpassen, dass wir nicht in einen Produktionsdruck kommen. Denn es ist wichtig, dass unsere Leute in ihrem Rhythmus arbeiten können.»

Patrick Marti hat grosse Pläne für die Vereinszukunft, denn er spricht von einem Vorhaben, das die nächsten Jahrzehnte überdauern soll: «Für uns ist es wichtig, dass wir diesen Laden auf den Beinen halten können. Wir haben auch schon von ausserkantonalen Institutionen Anfragen bekommen. Wenn aus dieser Idee weitere Läden entstehen könnten, wäre das schön».