Der Sankt Veit Riesling Sekt extra brut prickelte angenehm im Gaumen, als Ehrengast Norbert Riedel, seit 2017 Botschafter in der Schweiz und Liechtenstein, sich nicht nur als Schwabe zu erkennen gab, sondern gestand, dass er fast in Solothurn aufgewachsen wäre. Weil sein Vater vor 50 Jahren ein Angebot des Industriekonzerns Bosch ausschlug, ist es nicht so weit gekommen, da ihm die baden-württembergische Heimat wichtiger war. Jenes Bundesland, welches den Wein zu seinem Sympathiebotschafter zählt.

Die Stadt Heilbronn selbst zählt mit über 530 Hektar Rebfläche zu den wichtigsten Weinbaugemeinden im Lande. Liebhaber und Kenner schätzen den Riesling und den Trollinger wie auch Gewürztraminer, Muskateller, Clevner, Samtrot und Lemberger als Qualitäts- oder Prädikatsweine.

Spitzenweine kredenzt

«Insgesamt erzeugen 120 Familienbetriebe weit über sechs Millionen Liter Heilbronner Wein», wie Justin Kircher von der Wein Villa und Vorstandsvorsitzender der Genossenschaftskellerei Heilbronn bemerkte. Mit ein Grund für die Heilbronner Delegation, ihre Gastgeber zum Abschluss des Partnerstadt-Besuchs zur kulinarischen Weinprobe in den Gewölbekeller des Alten Spitals einzuladen. Die Vertreter der ältesten Weinstadt Württembergs kredenzten von Spitzenkellereien gekelterten Lemberger und weissen Burgunder und rückten das «Jahrhundertereignis» BUGA 2019 in den Fokus der Aufmerksamkeit.

«Die von 17. April bis 6. Oktober dauernde Bundesgartenschau Heilbronn wird zum nationalen Grossevent, der Heilbronn mit geschätzten 2,2 Millionen Besuchern auf Weltstadt-Niveau hieven wird», prognostizierte Steffen Schoch, Geschäftsleiter von Heilbronn Marketing. Um gleich anzufügen, die Drei-Millionen-Grenze zu sprengen, sei eine realistische Hoffnung.

Die Vorhersage freute insbesondere Stadtpräsident Kurt Fluri und Stadtschreiber Hansjürg Boll, der das Besuchsprogramm für die Heilbronner organisierte und den Solothurner Auftritt an der BUGA koordiniert. Die Solothurner Woche bringt nicht allein kulinarische Spezialitäten an den Neckarstrand, sondern Kultur aus der Aarestadt als eigentlichen Markenartikel.

Am 9. August werden Ulrich Studer und Alexandra Melar mit 6500 Lichtquellen mit einer gigantischen Lichtinstallation entlang der Gewässer des Neckars das BUGA-Gelände verzaubern. Ben Jeger mutiert ebenso zum «Exportschlager» wie Dülü Dubach und seine Supersieche, die am 14. August an der BUGA gastieren und die Solothurner Mundart dem Schwäbele entgegensetzen werden.

Effizient und locker

Solothurns und Heilbronns Behörden kommunizieren effizient und locker. Man kennt sich, die Freundschaft reicht über die politischen Netzwerke hinaus, umfasst Vereine und persönliche Bekanntschaften. Davon zeugen der Kiwanis Club Solothurn und das Heilbronner Pendant, die einen regen Austausch pflegen. Kurz vor der BUGA trifft es sich gut, dass der Solothurner Präsident Christoph Rölli gleichzeitig als Kulturförderer des Kantons amtet.

Die Solothurner Delegation erwarten an der BUGA neben floralen Hinguckern auch die parallellaufende «Experimenta». Das Science Center der Region Heilbronn-Franken punktet mit einem riesigen Bildungs-Campus und innovativem Bauen. Ein Treffpunkt steht jedoch bereits fest: Die WeinVilla, wo hundert Weine auf das Verkosten warten. Mit dabei der 2015er-Riesling Beerenauslese, der golden funkelnd und edelsüss die Solothurner Weinprobe krönte.