Solothurn

Hausbesetzer haben bis Donnerstag eine Gnadenfrist

Friedliche Hausbesetzer haben sich an Weissensteinstrasse neben dem Heidenhübeli einquartiert. Hier wird gegessen, geschlafen, gelesen und philosophiert, nur halt nicht ganz legal.

«Wir bleiben hier», steht auf einem Spiegel. Jemand schrieb mit dem Finger in den Staub, der sich an der Weissensteinstrasse 45 schon seit etlichen Jahren ansetzt. Über vier heruntergekommene Etagen finden sich immer wieder angeheftete oder gekritzelte Reviermarkierungen, Lebensweisheiten, Besitzansprüche – oder besser Besetzansprüche.

Und so ist die rechte Hausflanke, die dem angrenzenden Restaurant Heidenhübeli als Materiallager für Gartenmobiliar und weiteres Inventar dient, inoffiziell belebter als es offiziell scheint. Nicht nur wegen des Ahornsprosses, der an überraschender Stelle, nämlich im Haus, aus dem morschen Holzboden rauswächst. Einzelne Räume machen hingegen fast schon einen bewohnten und stellenweise gar wohnlichen Eindruck. Hier wird gegessen, geschlafen, gelesen und philosophiert, nur halt nicht ganz legal.

Hausfriedensbruch, aber friedlich

Seit vergangener Woche prangt nämlich weit sichtbar ein Emblem von Hausbesetzern an der Fassade: «Instandbesetzen statt kaputtbesitzen» lautet die politische Kampfansage, eine gängige Parole der «Szene». Bei unserem «Hausbesuch» tagsüber hingegen findet sich dort niemand, der das politische Motiv dahinter genauer erklären könnte. Bis am Abend war nicht zu ermitteln, ob es die Autonome Freiraumbewegung ist, die sich auch sonst in Form gelegentlicher Aktionen für ein Autonomes Jugendzentrum starkmacht.

Doch abgesehen von der Kampfanschrift scheinen sich die Hausbesetzer ruhig und friedlich zu verhalten, stellt Peter Fedeli, Kommandant der Stadtpolizei fest: «Reklamationen sind uns keine zu Ohren gekommen, auch nicht seitens Anwohner. Und da das Grundstück privat ist und bislang keine Strafanzeige des Eigentümers eingegangen ist, dürfen wir gar nicht einschreiten.»

Grösserer Bau geplant

Dies allerdings könnte sich bald ändern, wenn es nach den Ansichten des Besitzers geht, der auf diesem und dem benachbarten Grundstück des Heidenhubels ein grösseres Bauvorhaben realisieren möchte. Hermann Alexander Beyeler von der BUSS Immobilien AG in Pratteln stösst sich am Verhalten der Hausbesetzer – unabhängig von anstehenden Bauprojekten. Dennoch gewährt er den Besetzern bis Donnerstag um zehn Uhr kulant eine Galgenfrist. Danach allerdings wolle er Strafanzeige gegen die spontanen Einzüger einreichen.

Immerhin handle es sich bei diesem «jugendlichen Blödsinn» um Hausfriedensbruch und Einbruch: «Und wenn es um fremdes Eigentum geht, ist der Spass für mich vorbei», betont Beyeler. Insbesondere ärgert er sich darüber, dass die Hausbesetzer anscheinend ihre Notdurft im Bach verrichten, was ebenfalls nicht erlaubt sei. In der Liegenschaft selbst seien aufgrund eines Kellerbrandes vor rund 15 Jahren Strom und Gas abgestellt worden. Nicht zuletzt verwies Beyeler darauf, dass er keine Haftung für Unfälle übernehme. Gerade bei einem Gebäude, dessen Zustand einen so offensichtlich maroden Eindruck macht, ist diese Überlegung nicht weit hergeholt.

Ruedi Emch als Vermittler

Um eine friedliche und einvernehmliche Lösung bemüht war Ruedi Emch, Betreiber des Heidenhübeli und Mieter der beiden Liegenschaften. Mit Beyeler steht er auf freundschaftlichem Fuss. Doch auch mit den rund zehn Jugendlichen im geschätzten Alter zwischen 18 und 22 Jahren stand er vermittelnd in Kontakt und betrachtet diese nicht zwangsläufig als störende Elemente: «Ich brauche den Gebäudeteil ja lediglich als Gerümpellager im Trockenen», sagt er. Ausserdem hinterliessen die Hausbesetzer bei ihm ebenfalls einen guten Eindruck: «Sie haben mir teilweise sogar geholfen, die Gartenmöbel ins Lager zu tragen.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1