Weihnachten naht und es scheint, als seien dieses Jahr schon viele Geschenke eingekauft, verpackt und zum Schenken bereit. Die Zeit, um noch letzte Geschenke einzukaufen, ist gering: Ein erster Rückblick. Das Weihnachtsgeschäft, vor allem was die Rückmeldungen der beiden Advents-Sonntagsverkäufe angeht, sei vergleichbar mit dem Vorjahr, wie Caroline Jäggi, Geschäftsführerin der Stadt- und Gewerbevereinigung, berichtet. Am zweiten Advents-Sonntagsverkauf waren deutlich weniger Menschen in der Stadt als im Vorjahr.

Die fehlende Kundschaft fällt hauptsächlich den Schmuckgeschäften auf, die, wie es scheint, dieses Jahr keine Erfolgsbilanz ziehen können. «Seit 30 Jahren ist dies das schlechteste Jahr», erklärt Claudia Ruchti, Mitinhaberin der Müller und Ruchti AG. Auch Franziska Haldemann, Filialleiterin Rhomberg Schmuck, bestätigt dieses negative Fazit. Gründe könnten einerseits im Onlinehandel liegen, wie Ruchti sagt.

Andererseits könnten pragmatische Motivationen mitspielen. Die Menschen kaufen eher notwendige und praktische Geschenke, so Haldemann. Ähnliches wird auch in der Parfümeriebranche beobachtet, «dieses Jahr ist noch schlechter als das letzte», sagt Tanja Pauli, Geschäftsleiterin Marionnaud.

Nebst Schmuck scheinen dieses Jahr auch elektronische Geschenke nicht besonders beliebt zu sein. Manor gibt lediglich die Classic Mini Console von Nintendo als Verkaufshit an, so Elle Steinbrecher, Mediensprecherin Manor. In einer kleinen Umfrage der Leserschaft werden diese Trends bestätigt. Eine positive Bilanz ziehen hingegen die Büchergeschäfte, wie Daniela Bieri, Filialleiterin Lüthy, erklärt. Auch Spielwarengeschäfte, etwa das «Bim Müggli», und Kleidergeschäfte, wie Mode Küng, zeigen sich positiv gestimmt.

Vom Black Friday profitiert

Insgesamt wurde dieses Jahr früher eingekauft, trotzdem werde bestimmt am Abendverkauf und am Freitag noch einiges laufen, so Urs Jeger, Inhaber Kerzenjeger. Ein Grund für das frühere Einkaufen könne das Wetter sein: «Dieses Jahr war es Ende November kälter, die Menschen haben schon früher an Weihnachten gedacht», sagt Bieri.

Am Black Friday könnte auch bereits das eine oder andere Weihnachtsgeschenk eingekauft worden sein. «Wir hatten ein volles Haus», erklärt Pauli von Marionnaud. Auch für Manor war dieser Tag ein gelungener Start ins wichtige Weihnachtsgeschäft, so Steinbrecher. Spezielle Hochverkaufstage habe es aber insgesamt nicht gegeben, wie Jäggi erklärt: Die Leute kauften früher ein oder warten bis zum letzten Augenblick.

Viele bestellen auch von zu Hause per Klick ihre Geschenke: Der Onlinehandel erfährt ein Hoch. Dieser Absatzkanal scheint auch für Manor wichtig: Viele Kunden bestellen ihre Geschenke, ohne den Laden zu besuchen, wie Steinbrecher berichtet. In der Detailhandelsbranche herrscht Umbruchstimmung. Wie viele Geschäftsführer beobachten, nehmen sich die Menschen kaum Zeit für einen Weihnachtseinkaufsbummel.

Bücher, Gutscheine und Schals

Dieses Jahr schenken die Solothurner viele Spielsachen und Bücher, dies bestätigen sowohl die Geschäfte wie auch die Leser und Leserinnen. Es werde viel eingekauft, egal ob Brett- oder Kartenspiele, wie Susi Furrer von «Bim Müggli» erklärt. Auch Bücher bleiben weiterhin ein beliebtes Geschenk, «unter dem Weihnachtsbaum landen viele Kochbücher», so Daniela Bieri von Bücher Lüthy.

E-Reader hingegen scheinen heuer kein Verkaufsschlager zu sein. Nach wie vor beliebt bleiben Gutscheine, ob für bestimmte Geschäfte oder Solothurner Stadtgutscheine ist egal, auch dies wird wiederum von der Leserumfrage bestätigt. «Männer schenken ihren Frauen gerne einen Parfümgutschein», sagt Pauli von Marionnaud.

Frauen scheinen kreativer zu sein: «Viele Herren werden dieses Jahr einen Schal im Päckli finden» oder vielleicht ein «Secrid Portemonnaie», das Kreditkarten schützen sollte, so Thomas Schärer, Inhaber Mode Küng. Frauen mit kalten Händen werde dieses Jahr etwas Nützliches geschenkt, nicht etwa einen Diamantring, sondern «Handwärmerli», wie Livia Hämmerli, Mitarbeiterin von Elly-Geschenke, sagt.

Weniger Materialität – mehr Zeit

Die insgesamt eher schlechten Verkaufszahlen können auf eine Veränderung im Schenkverhalten der Bevölkerung hinweisen. Viele schenken nur kleinere Sachen, häufig werde «gewichtelt und so nur einer Person in der Familie ein Geschenk überreicht», erzählt Pauli von Marionnaud. Ähnliches hat auch Schärer von Mode Küng beobachtet: «Viele Kunden erzählen, dass sie in der Familie nur einer Person etwas schenken.»

Caroline Jäggi bemerkt auch ein weiterer, ähnlicher Trend, der sich in der Umfrage unserer Leser widerspiegelt. «Auf der Welt läuft einiges schief, da merkt man, wie wichtig gemeinsame Zeit ist», so Jäggi. Häufig werde daher den geliebten Personen gemeinsame Zeit, in Form beispielsweise eines Ausflugs, geschenkt.