Stadtbibliothek
Handschrift von 1593 erzählt vom alten Traum der Goldherstellung

Bis ins 18. Jahrhundert waren die Menschen fasziniert von der Idee, aus Metall Gold zu produzieren. Eine einzigartige Handschrift zu diesem Thema befindet sich auch in Solothurn. Sie ist wahrscheinlich die einzige dieser Art in der Schweiz.

Katharina Arni-Howald
Merken
Drucken
Teilen
Eine künstlerisch sehr anspruchsvolle Handschrift.

Eine künstlerisch sehr anspruchsvolle Handschrift.

Hanspeter Bärtschi

Einige der interessantesten und wertvollsten Handschriften in der Zentralbibliothek Solothurn verdanken ihre Bedeutung den handwerklich und auch künstlerisch anspruchsvollen Einbänden. Zu ihnen gehört die 1593 entstandene alchemistische Sammelhandschrift von Felix Schmid, Burger und Statthauptmann zu Stein am Rhein. Sie ist eingebunden in goldverziertes, braunes Kunstleder und auf dem Vorderdeckel mit Ornamenten und dem Wappen der Familie Schmid versehen.

Hergestellt wurde der Einband in der Werkstatt von Hanns Ludwig Brem aus Lindau am Bodensee. Auf den renommierten Buchbinder macht eine Druckermarke mit Lindenbäumchen aufmerksam, die sich auf einem Schreibkalenderfragment befindet, das Brem als Einbandmaterial verwendet hat.

In der wertvollen Sammelhandschrift, die 520 Seiten umfasst und in deutscher Sprache geschrieben ist, lässt Felix Schmid unter anderen den Arzt, Alchimisten, Astrologen und Metaphysiker Paracelsus, den Gelehrten und Wunderdoktor Leonhart Thurneisser zum Thurn, der sich auch im Heilbad Attisholz aufgehalten haben soll, und den Verfasser des alchemistischen Traktats Splendor Solis, Salomon Trismosin, zu Wort kommen.

Inhaltlich geht es um die Bereitung des Steins der Weisen, die Umwandlung unedler Materialien in Gold und Silber und die verschiedenen Herstellungsverfahren. In der Handschrift enthalten ist auch ein Verzeichnis von Metallen und alchemistischen Symbolen.

Heute noch eine Fundgrube

Die Sammelhandschrift von Felix Schmid ist auch heute noch eine Fundgrube für Alchimisten und Wissenschaftshistoriker, die nicht selten ihretwegen den Weg nach Solothurn finden. Laut Ian Holt ist sie wahrscheinlich die einzige dieser Art in der Schweiz. Für Fachleute von besonderem Interesse sind auch die zahlreichen verschlüsselten und kolorierten Zeichnungen und Medaillons, die für Nichteingeweihte kaum verständlich sind.