Die Mängelliste, die aktuell im Posteingang der Stadtverwaltung liegt, ist lang. Das Corpus Delicti ist hinlängst als Sorgenkind der städtischen Sportinfrastruktur bekannt: das CIS. Absender des Schreibens ist der TV Solothurn Handball, dessen Mitglieder in den vergangenen Wochen protokollarisch zusammengetragen haben, was im Sportzentrum nicht so ist, wie es sein sollte. Nicht nur steht die Trainings- und Wettkampftauglichkeit der Hallen infrage, auch orten die Handballer Sicherheitsmängel für die Mannschaften und deren Publikum.
Altes und leidiges Problem: der «unebene und gefährliche Hallenboden». Teilweise lösen sich während der Spiele die Bodendeckel. «Die Verletzungsgefahr für unsere Mitglieder ist akut.»

Elektroinstallationen in schlechtem Zustand

Weiteres Gefahrenpotenzial ortet der Verein bei den Elektroinstallationen: So hängen sowohl in der Halle als auch in den Durchgängen Stromkabel herunter. Risikoherd ist auch hier der Hallenboden. Die dort eingelassenen Stromzugänge sind laut Mängelliste nicht zureichend vor Wasser geschützt, das sich bei der Hallenreinigung ansammelt. «Im Innern hängen die Steckdosen lose heraus.»

Doch auch abseits des Spielfelds lauert laut TVS Handball die Gefahr: Die Tribünenelemente, deren Alter auf 30 Jahre geschätzt wird, lassen sich nicht mehr korrekt ausfahren oder verschieben sich willkürlich. «Es gab auch schon einen Vorfall mit einem eingeklemmten Fuss während eines Spiels.» Zum Teil splittert auch Holz von den Elementen ab.

Viele «Baustellen»

Ebenfalls als «nicht gesund» sehen die Handballer den Zustand der Hallenisolation. So seien zahlreiche Verkleidungselemente aufgerissen, Isolationsplatten kommen zum Vorschein und Steinwolle fällt heraus. Und auch in den Sanitäranlagen wurde der TVS Handball fündig. Undichte Wasserleitungen in den östlichen WC-Anlagen – provisorisch mit Klebeband geflickt, und zahlreiche defekte Duschen in den westlichen Garderoben.

Auch bei der Sauberkeit mangle es

Weitere Probleme ortet die Mängelliste bei der Sauberkeit: Die Sporthalle werde nur an einfach mit der Reinigungsmaschine zugänglichen Stellen gereinigt, so die Wahrnehmung der Handballer. «Dreck unter den Tribünen oder in den Ecken wird nicht entfernt.» Abfallbehälter seien oft voll und stinken, «als Verein an den Heimspielen einfach nur peinlich.»

«Man sollte nicht erst reagieren, wenn sich Unfälle ereignen.»

Der Verantwortliche Infrastruktur des TV Solothurn, Alain Blaser, erklärt, warum die Mängelliste an die Stadt als Baurechtsgeberin und nicht an die Ammann Globalbau AG als neue Besitzerin der Anlage und Baurechtnehmerin der Bauparzelle gerichtet ist: «Wir mieten die Halle von der Stadt», sagt Blaser. «Die Mängelliste haben wir auch geschickt, weil wir in den letzten zwei Wochen zwei Beinaheunfälle gehabt haben. Man sollte nicht erst reagieren, wenn sich Unfälle ereignen.» Mit dem Besitzer indes habe man keinen Kontakt. Dafür warte man die Reaktion der Stadt auf die Bestandesaufnahme ab.

Die Pflichten des Besitzers

«Künftig aber werden wir jeden Unfall protokollieren und uns auch rechtliche Schritte überlegen», kündigt Blaser weiter an. Erwartet wird einstweilen, dass die Stadt gegenüber der Besitzerschaft Druck aufbaut und die Miete, die sie für die städtischen Sportvereine entrichtet, auf ein Sperrkonto überweist. Damit bezieht sich Blaser auch auf den Baurechtsvertrag, der die Ammann Globalbau AG dazu verpflichtet, die Anlage ordnungsgemäss zu betreiben und wo nötig zu erneuern.

Und was sagt der Besitzer?

Unklar bleibt, was die Besitzerschaft zu den Mängeln zu sagen hat und welche Sanierungsarbeiten sie in Betracht zieht: Peter Ammann, Geschäftsleiter der Ammann Globalbau AG, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Gleiches gilt für Julian Wyss, der vor Ort für die Administration zuständig ist. «Im Westen nichts Neues», ist derweil von Günter Weber, Präsident des Badminton-Clubs Ambass Drops zu hören.

Ebenso Funkstille herrscht zwischen Peter Ammann und der Interessengemeinschaft Sport Solothurn (IGSSO). Die im vergangenen Jahr gegründete Gruppierung setzt sich im Namen der Sportvereine für eine gesunde Infrastruktur ein. «Es gab bis jetzt noch keinen Kontakt mit Herrn Ammann, und wir konnten auch noch keinen Termin vereinbaren», ist von IGSSO-Geschäftsführer André Naef zu hören. Auch mit den Verantwortlichen der Stadt wurde noch kein Treffen vereinbart. Immerhin: Urs F. Meyer, Leiter des Rechts- und Personaldienstes, informiert, dass sich Ammann schriftlich dazu geäussert habe, welche Informationen er noch zusammentragen müsse. «Wir gehen davon aus, dass ein Gespräch im März stattfinden könnte», so Meyer.

Unklare Geschäftstätigkeiten

Die Ammann Globalbau AG hatte das marode CIS-Sportzentrum im Dezember des vergangenen Jahres für 4,51 Mio. Franken ersteigert, liess die Öffentlichkeit aber bis heute im Unklaren, was damit inskünftig geschehen soll. Viele Fragezeichen bleiben hinsichtlich der Geschäftsbeziehungen von Peter Ammann bestehen.

So wurde er kürzlich in den Verwaltungsrat der Berner Oberländer Dinett Holding gewählt, der konkursiten Muttergesellschaft der finanziell ebenfalls angeschlagenen CIS Solothurn AG also. Dieser AG wiederum gehörte vormalig das Sportzentrum – bis Ammann es ersteigerte. Anfang Februar nun stellte das Thuner Tagblatt Vermutungen an, wonach angesichts der jüngsten Geschäftstätigkeiten im Hintergrund am Widerruf des Dinett-Konkurses gearbeitet wird.