Konzert

Hackbrett-Virtuose musiziert mit Stadtorchester

Nicolas Senn spielte mit dem Stadtorchester. (Archiv)

Nicolas Senn spielte mit dem Stadtorchester. (Archiv)

Das Stadtorchester Solothurn und Hackbrett-Virtuose Nicolas Senn kombinierten leichte Klassik und Appenzeller Volksmusik zu einem erfrischend originellen Klangmix, der begeisterte.

Nach der drückenden Tageshitze servierte das Stadtorchester, für einmal im Sommertenue, Klassik im leichten Gewand, schwungvoller Auftakt dazu war ein «Slawischer Tanz» von Dvořák. Danach führte Dirigent Harald Siegel seine Musikerinnen und Musiker von der Quell der Moldau vorbei an einer Bauernhochzeit und einem Nymphen-Reigen bis nach Prag, liess den Bach zum Fluss anschwellen.

Smetanas bekannteste Komposition aus dem Zyklus «Mein Vaterland» plätscherte nie dahin, sondern flutete in flotten Tempi Richtung Goldene Stadt. Erste Anleihen an die Volksmusik kredenzte das Stadtorchester mit dem Ungarischen Tanz Nr. 1. von Brahms, intonierte den Ohrwurm mit viel Feuer und Paprika. Von den ursprünglich für Klavier zweihändig und vierhändig geschriebenen Miniaturen existiert eine Fülle an Bearbeitungen für unterschiedlichste Besetzungen.

Ein Novum dürfte die Interpretation der Tänze Nr. 5 und Nr. 6 darstellen, wo sich der Gewinner des «Grand Prix der Volksmusik 2011» zum Orchester gesellte und – den Temperaturen trotzend – unter dem Motto «Hackbrett goes Classic» so richtig einheizte. Bevor er mit Transkriptionen und Eigenkompositionen für die Kastenzither aufwartete, erklärte er die Besonderheiten seines Instruments. Das Hackbrett von Nicolas Senn hat 125 Saiten und wurde 1982 vom bekannten Hackbrettbauer Johann Fuchs aus Meistersrüte bei Appenzell gebaut. Der in Tracht auftretende Ostschweizer gab ein «Appenzöller Potpourri» zum Besten, welches neben Folklore über Filmhits (James-Bond-Melodie und Lara’s Theme) über das Solothurner Lied bis zum Simon & Garfunkel-Evergreen «El condor pasa» nichts ausliess.

Nicolas Senn ist ja für grenzüberschreitende Auftritte bekannt. Nachdem er mit Rapper Bligg auf Tournee war und letztes Jahr bei den Jazz-Tagen Langenthal den Blues entdeckte, bildete er nun mit Konzertmeister Matthias Steiner und Kontrabassist Gabriel Vacariu ein funkensprühendes Trio, das den Kampf zwischen einer Katze und einem Fuchs mit aberwitzigen Klangkaskaden untermalte. Geigen-Primas Matthias Steiner und Hackbrett-Virtuose Nicolas Senn demonstrierten dabei, dass Musik nicht nur zum Genuss für die Ohren, sondern auch für die Augen wird.

Zumal, wenn Nicolas Senn die Schlägel so schnell tanzen lässt, dass er den Titel «Muskelkater» wohl nicht zufällig wählte. Schliesslich vereinte Montis populärer «Csárdás» alle Musikerinnen und Musiker zu einem akrobatischen Schluss-Höhenflug. Vorab Nicolas Senn und Teufelsgeiger Matthias Steiner, der auf seiner Violine einmal mehr in aberwitzigem Tempo durch hinauf- und hinunterlaufende Skalen elektrisierte, und mit melancholischer Tongebung fesselte. Standing Ovations dankten für ein Sommerkonzert der Sonderklasse.

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