Dimitra Charamandas
«Habe festgehalten, was ich antraf»: Solothurner Künstlerin reiste zu Fuss durch Griechenland

Die junge Solothurner Künstlerin Dimitra Charamandas bereiste zu Fuss Griechenland. Eine Reise, die Befindlichkeiten aufzeigte. Jene des Landes und diejenigen der Kunstschaffenden.

Fränzi Zwahlen-Saner
Merken
Drucken
Teilen
Dimitra Charamandas ist nach einem halben Jahr in Griechenland wieder zu Hause in Solothurn. Sie zeigt ihre Skizzenbücher.

Dimitra Charamandas ist nach einem halben Jahr in Griechenland wieder zu Hause in Solothurn. Sie zeigt ihre Skizzenbücher.

Thomas Ulrich

Dimitra Charamandas ist seit wenigen Tagen wieder zu Hause in Solothurn, nachdem sie ein halbes Jahr lang in Griechenland lebte. Drei Monate lang bereiste sie das Land zu Fuss dank des Reisestipendiums «Atelier Mondial» der Christoph Merian-Stiftung Basel; drei weitere Monate lebte und arbeitete sie in Athen.

Damit ihr dieses Atelier der Merian-Stiftung zugesprochen wurde, musste die 29-jährige Solothurnerin vorgängig ein Konzept einreichen. Sie schreibt darin: «Mythologische Orte bilden die Eckpunkte einer vergangenen Ordnung. Zu Fuss will ich diese Eckpunkte verbinden. Mein Fokus liegt während meiner Wanderung durch Griechenland auf der Natur und dem (menschlichen) Eingriff in die Natur. Die Route führt durch das Jetzt. Die Natur und der Boden werden so zur Schnittstelle von alten und neuen Vorstellungen. Dabei treffe ich auf die Spuren und Formen einer neuen (Un-)Ordnung: Drei Monate lang dokumentiere ich mittels Zeichnung, Text und Fotografie, was ich vorfinde. In einem zweiten Teil des Projekts arbeite ich drei weitere Monate in Athen mit der auf der Reise generierten Sammlung.»

Bruchstücke, Fundstücke

«Ich habe unterwegs festgehalten, was ich antraf. Ich habe collagiert, gezeichnet, gemalt, fotografiert und viel geschrieben», resümiert sie. Es sind Augenblicke, Bruchstücke, Fundstücke, die nun in den gross- und kleinformatigen Skizzenbüchern zu entdecken sind. Realistische Zeichnungen von Steinformationen, Pflanzen, Strukturen. Abstrakte Formen von Umweltsünden, Stimmungen von Wind und Meer. «Ich habe keine Antworten gesucht, nur aufgenommen, was für mich Sinn gemacht hat, was mich interessiert hat», sagt Charamandas.

Besonders zu Beginn der Reise sei es manchmal schwierig gewesen, sich zu entscheiden, welche Dinge nun interessant wären, welche nicht. «Es ging mir auch darum, mich zu entschleunigen. Zu lernen, meine Kräfte, meine Ressourcen einzuteilen. Das war manchmal schwierig, denn interessant ist für mich alles.»

Soziale Brennpunkte

In den drei Monaten in Athen ist Dimitra Charamandas dann auch mit den sozialen Problemen im Land in Berührung gekommen. «Hier sind mir natürlich die Kontraste zwischen Land und Stadt besonders aufgefallen». Unter den Begegnungen mit vielen Leuten erwähnt sie besonders jene mit Autor Petros Makaris. «Er sagt, es gebe momentan keine Lösung für das Land, in dem eine Juristin gleich viel verdient wie eine Kioskfrau.» Die Griechen lernen vermehrt, sich selbst zu helfen, alte dörfliche Strukturen wieder zu leben, hat sie erfahren.

Die Künstlerin, die in den kommenden Tagen mit dem Preis der Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten ausgezeichnet wird, sagt: «Mich interessiert seit langem die Frage, was ermöglicht oder verunmöglicht Dir deine Umgebung».

In diesem halben Jahr ist sie der Beantwortung dieser Frage in den vielen Schritten nähergekommen. Ihre Erkenntnisse, Eindrücke und Erfahrungen daraus werden in ihrem Schaffen sicher ihren Niederschlag finden.