Reto Sollberger

Gut gesprochen ist halb gewonnen im Rhetorik Club Solothurn

Reto Sollberger, Gründer und Präsident des Rhetorik Club Solothurn, redet über Rhetorik.

Reto Sollberger, Gründer und Präsident des Rhetorik Club Solothurn, redet über Rhetorik.

Seit einem Jahr gibt es in der Stadt einen Rhetorik Club, gegründet und präsidiert von Reto Sollberger.

Gepflegte Umgangsformen und ein positiver erster Eindruck sind ihm wichtig. Das spürt man bei Reto Sollberger gleich zu Beginn eines Gesprächs. Saubere Betonung, perfekt strukturierte Sätze, nie zu laut oder zu leise gesprochen – so redet ein Kommunikationsprofi. «Es gibt viele Menschen, die eigentlich viel zu sagen hätten, aber Mühe haben, sich auszudrücken», beschreibt der Bewerbungscoach und Berater seinen Tätigkeitsbereich. «Viele tun sich schwer damit, über sich selber, die eigenen Erfolge und Ziele zu reden. Das gilt besonders für introvertierte Menschen. Ich möchte ihnen zu einer souveränen Kommunikation im Berufsalltag verhelfen.»

Gut reden zu können, das sei nicht nur Talent, auch mit Fleiss lasse sich das lernen. «Jeder kann trainieren, wie man die Gedanken strukturiert, einen Vortrag vorbereitet und selbstbewusst auftritt. Aber nicht jeder kann es sich leisten, einen Coach zu engagieren.» Mit dem Rhetorik Club schaffe er eine kostengünstige Plattform, um die rhetorischen Fähigkeiten praktisch vor einem zwar kritischen, aber positiv eingestellten Publikum zu üben. Konkurrenziert er damit nicht selber sein berufliches Standbein? «Nur auf den ersten Blick», so Sollberger, «der Rhetorik Club ist ein niederschwelliger Einstieg ins Thema, aber ein vertieftes Coaching, wie ich es beruflich anbiete, geht weiter.»

«Die Kritik muss immer positiv sein»

Das Konzept des Clubs hat Reto Sollberger nicht selber erfunden. Als Vorbild dienen ihm die «Toastmasters». «Jeder übernimmt bei unseren Treffen eine Rolle. Es gibt einen Moderator, jemand hält die Begrüssungsrede, jemand zählt die unnötigen Füllwörter und jemand misst, ob die vorgegebene Zeit eingehalten wird. «Eine wertschätzende Atmosphäre ist ganz wichtig.» Man darf Fehler machen, um daraus zu lernen. Die Kritik muss immer positiv sein, denn Übung macht den Meister. «Man lernt vor Leuten zu reden, indem man vor Leuten redet, und wir machen einander Mut.»

Aber warum haben wir Schweizer einen Komplex und bewundern die Deutschen für ihre sprachliche Gewandtheit? «Der Philosoph Ludwig Hasler nennt uns voralpine Knörze und trifft damit unsere Mentalität recht genau», meint Reto Sollberger. «Wir sind eher zurückhaltend und wollen uns nicht exponieren. Der Deutsche ist konfrontativer und sagt an der Bar: Ich krieg ein Bier. Der Schweizer sagt, dürfte ich vielleicht eine Stange haben, bitte, wenn sie so gut sein möchten.»

Vereinspräsidenten, Verkäufer, Fach- und Führungskräfte, Jungpolitiker oder eine Mutter, die möchte, dass ihr die drei pubertierenden Kinder wieder zuhören, gehören laut Sollberger zu den Mitgliedern des Vereins. Extrovertierte Menschen würden Gefahr laufen, ins Schwafeln zu kommen, wenn sie den roten Faden verlieren. Introvertierte Leute suchten oft so lange nach der perfekten Aussage, bis es zu spät sei. Das Gespräch sei schon eine Stufe weiter, wenn sie bereit wären, etwas zu sagen, weiss Reto Sollberger aus Erfahrung. «Es gibt so viele Menschen, die sich nicht so gut ausdrücken können und deswegen in Stresssituationen überfordert wirken, obwohl sie eigentlich kompetent sind. Im Rhetorik Club üben wir, unsere Gedanken zu ordnen und diese strukturiert vorzutragen. Die erarbeitete Routine und das Selbstvertrauen würden helfen, etwa in einem Vorstellungsgespräch ruhiger zu bleiben.

Ende Monat startet der Rhetorik Club wieder

An den Treffen, die jeweils am letzten Montag jedes Monats im Berufsbildungszentrum BBZ stattfinden, nehmen jeweils 12 bis 15 Mitglieder teil. Die letzten Treffen mussten wegen des Versammlungsverbots abgesagt werden. Nun geht es am 29. Juni wieder los, ausnahmsweise im Baseltorturm, weil das BBZ erst nach den Sommerferien den Normalbetrieb aufnimmt.

Meistgesehen

Artboard 1