Stadttheater Solothurn
Günter Baumann brilliert im Drama «Amadeus»

Am Ende des Stücks «Amadeus» im Solothurner Stadttheater bleibt man erschüttert, ergriffen und dennoch irgendwie erhöht zurück.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Günter Baumann brilliert als zerrissener, intriganter Antonio Salieri.
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Matthias Schoch spielt Wolferl Mozart
Stadttheater Solothurn spielt «Amadeus»
Salieri versucht Konstanze zu verführen.

Günter Baumann brilliert als zerrissener, intriganter Antonio Salieri.

ilja Mess

Nach fast drei Stunden im roten Plüschsessel des Stadttheaters Solothurn, und nachdem sich auf der Bühne das menschliche Drama zweier rivalisierender Künstlerpersönlichkeiten abgespielt hat.

Es heisst «Amadeus» und stammt vom britischen Erfolgsautor Peter Shaffer. 1979 uraufgeführt, ist das Stück ein moderner Klassiker, um so mehr der tschechische Star-Regisseur Milos Forman 1984 den Stoff kongenial verfilmte und dafür mehrere Oscars einheimste.

Eine schwarze Bühne zu Beginn. In der Mitte zuhinterst: ein alter, gebrechlicher Mann im Rollstuhl. Gerüchte umschwirren ihn, die er selbst gestreut hat. Ist der ehemalige Hofkompositeur Antonio Salieri der Mörder von Wolferl Mozart? Er habe ihn vergiftet, heisst es. «Perdono me, pietà Mozart, vergebe mir», lallt der Alte.

Es ist das Jahr 1823 und Mozart ist schon lange tot. Doch lebt dessen Musik weiter, während jene des einst hoch verehrten Hof-Kompositeurs Salieri schon lange vergessen ist.

Salieri beginnt, dem Publikum seine Lebensgeschichte zu erzählen und wie es dazu kam, dass er Gott den Krieg erklärte. Dabei hatte er ihm als Junge gelobt, er werde Gott mit seiner Musik preisen, wenn er ihm genügend Talent schenke.

Doch dann kam Mozart und schon beim ersten Zusammentreffen erkennt Salieri Mozarts Genie. Gott hat ihm also einzig das Talent zuerkannt, Mozarts Genie und damit seine eigene Mittelmässigkeit zu erkennen.

Günter Baumanns Rolle

In diesem Solothurner «Amadeus» spielt, ja ist Günter Baumann Antonio Salieri. Und zwar so grandios und packend, dass man am Ende dasitzt und nur noch erschlagen und «mit trüben Augen» applaudieren kann.

Es ist Baumanns beste Rolle. Fast drei Stunden führt dieser Salieri durch das Stück, spielt auf verschiedenen Ebenen, mal als Erzähler oder als Handelnder. Mal ist er der junge, agile und karrieresüchtige Emporkömmling, dann der alte verbitterte und gebrechliche Mann. Mal ist er der lüsterne Intrigant, dann der zweifelnde, kleinstädtische Katholik.

Als Gegenentwurf steht Wolferl Mozart, dargestellt von Matthias Schoch. Wie Mozart ist Schoch ein Liebling des Theaterpublikums. Stets sympathisch, stets leidenschaftlich. Hier mimt er das lebenslustige, manchmal vulgäre und stets am Abgrund stehende Genie.

Exaltiert und übertrieben im Leben, ernst und leidenschaftlich bei seiner Musik. Und die Musik! Die nimmt in diesem Stück eine tragende Rolle ein und diese wird ihr auch zugestanden.

Mozarts Klänge werden ab Band eingespielt, setzen sich in die Ohren und in die Hirne – auf der Bühne und im Publikum. Mittels Beamer-Szenen wird man in Opernhäuser versetzt, mittels luxuriöser Leuchter und spezifischer Lichthintergründe (von Barono Justheim) in die Regierungspalais oder in die Wohnungen mit Spinett und verlockenden Süssigkeiten geführt.

Es ist Katharina Rupps Regie-Verdienst, auch in diesem Stück die Rollen kongenial zu besetzen. Neben den bereits Genannten ist Natalia Muggli als Constanze, Tim Mackenbrock als Joseph II., Daniel Hajdu als Kammerherr von Strack, Mario Gremlich als Graf Orsini-Rosenberg, Jan-Philipp Walter Heinzel als Freimaurer van Swieten, Atina Tabé als Sängerin Katharina Cavalieri, – die doch tatsächlich Opernpassagen live singt –, Wolfram Schneider-Lastin als Kapellmeister Bonno zu sehen.

Lou Elias Bihler und Dimitri Stapfer sind die beiden «Lüftchen», zwillingsartige Diener und Einflüsterer Salieris.

«Amadeus» in den Spielplan aufzunehmen, kann auch als Hommage an das älteste Barocktheater der Schweiz in Solothurn betrachtet werden, denn selten haben Geschehen auf der Bühne, das modern reduzierte Bühnenbild von Marco Brehme, die eleganten doch schlichten Kostüme und Maske von Cornelia Brunn so sehr mit den Zuschauerrängen korrespondiert. Mehr bleibt nicht zu sagen, als einfach: Hingehen und sich verzaubern und erschüttern lassen.

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