Er wird älter, als es die Stadt Solothurn gibt – und wächst höher, als der St.-Ursenturm über der Altstadt thront. Der Baum unter dem Namen Wellingtonia Gigantea lässt schon vom Namen her erahnen, dass er mehrere Superlative in sich vereint: bis zu 3000 Jahre alt kann er werden, bis zu 95 Meter hoch reckt er seine Krone empor, und mit einem bis zu 10 Metern dicken furchigen Stamm macht er ebenfalls Eindruck. Bekannt ist der in der Sierra Nevada in den westlichen USA heimische grüne Riese auch unter dem Namen Mammutbaum. Und ja, es gibt ihn auch hier, in Solothurn.

Einer, der geradezu begeisterter Fan dieser Bäume geworden ist, ist der 68-jährige Solothurner Andreas Baumgartner. Auf einer Motorrad-Tour durch den Schwarzwald stiess er in einem Dorf auf ein imposantes Exemplar der Wellingtonia – und nach seiner Rückkehr nach Solothurn begab er sich als begeisterter Botanik-Laie auf eine abenteuerliche Spurensuche. Eine Suche, die mit einem Exemplar an der Weissensteinstrasse 15 gleich neben dem Jumbo-Markt begann, wo ein heute 160-jähriger Mammutbaum ein Bürogebäude überragt. «Für mich ist es jeweils eine Überraschung, diesen kalifornischen Baumriesen in unseren Breitengraden anzutreffen», sagt der Wald-Liebhaber.

Von Paris nach Solothurn

Seinen Ursprung, so zeigen Baumgartners Recherchen, hat der Baum in einem von mehreren Samen, die von der Weltausstellung in Paris 1855 stammen. Durch den Patrizier Josef von Sury und seinen Schwager Amédée Besenval sei das Saatgut in Solothurner Boden gelangt – unter anderem auf dem Grundstück des damaligen Waisenhausfonds der Gemeinde Solothurn, wie alte Grundbücher aus dem Staatsarchiv bestätigen. Nun vermutet Baumgartner, dass die in der Stadtregierung vertretenen Von Sury und Besenval die Stadtgärtnerei angewiesen haben könnten, hier und anderswo auf städtischem Boden Mammutbäume zu pflanzen, «als Geschenk an zukünftige Generationen. Ein hochwohllöblicher Beschluss», wie Baumgartner findet. Heute befindet sich das Grundstück im Eigentum der Immobilienfirma Bonainvest AG. Laut der Eigentümerin werde der Baum laufend gepflegt und durch ein eigenes Bewässerungssystem ober- und unterirdisch versorgt.

Weitere «Geschwister» des Mammutbaums an der Weissensteinstrasse finden sich im aktuellen Naturinventar der Stadt Solothurn: beispielsweise entdeckt man sie im Stadtpark oder neben der Parkanlage des Museums Blumenstein. Letzterer soll laut Angaben im Naturinventar von einem Pflänzling der Pariser Weltausstellung 1898 stammen. Ein leider abgestorbenes Exemplar stand in einer Gartenanlage an der Hermesbühlstrasse. «Unser Klima bietet nicht die gleichen Voraussetzungen wie die hohe Sierra Nevada», sagt Baumgartner, «aber schon die Tatsache, dass die Mammutbäume hier gedeihen, kann uns hoffen lassen.»