Solothurn
Grosses Orgelfest in der Jesuitenkirche

Über eine halbe Million wurden in die Renovation der Otter-Orgel in der Jesuitenkirche investiert. Nun wurde sie mit einem Gottesdienst und einem Konzert eingeweiht.

Silvia Rietz
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Suzanne Z’Graggen bespielt erstmals die Orgel.

Suzanne Z’Graggen bespielt erstmals die Orgel.

Hanspeter Bärtschi

«Das Gesamtkunstwerk von Klang und Raum wird wieder erlebbar», konstatierte Kirchgemeindepräsident Karl Heeb an der Einweihungsfeier der vollständig restaurierten Orgel. «Dies ist kein Tag wie jeder andere, sondern ein Freudentag», gestand denn auch Weihbischof Denis Theurillat. Die bis auf den letzten Platz besetzte Jesuitenkirche in Solothurn erlebte mit der morgendlichen Orgelweihe und dem nachmittäglichen Konzert ein wahres Orgelfest.

Domorganistin Suzanne Z’Graggen, Domchorleiter Konstantin Keiser und den anderen Verantwortlichen ist damit ein krönender Abschluss von aufwändigen Evaluations- und Entscheidungsverfahren in der Fachkommission und in den Gremien der Kirchgemeinde gelungen.

Offene Geldbeutel

«Wenn sich Solothurn als Barockstadt bezeichnet, ist die Jesuitenkirche die wichtigste Repräsentantin und die Otter-Orgel wiederum eines der wichtigsten Schmuckstücke dieser Barockkirche», brachte es Thomas Wallner auf den Punkt. Der alt Regierungsrat und Mitglied des Patronatskomitees erachtet es als zwingend, ein kulturgeschichtlich derart wertvolles Objekt zu pflegen und zu erhalten. Unabhängig von seiner sakralen Funktion. Wallner: «Die Orgel schenkt der Kirche äusseren und inneren Glanz.»

Davon liessen sich auch viele Spenderinnen und Spender überzeugen, die mitgeholfen haben, die Renovationskosten von total über einer halben Million Franken aufzubringen. Erstaunlich schnell, wie alt Dompropst Anton Cadotsch verriet, der in der Finanzkommission mitwirkte. «Wir sind auf offene Ohren und Geldbeutel gestossen», bestätigte auch «Fundraiser» Klaus Reinhardt. Die eigentlichen Renovationsarbeiten haben im Frühling begonnen.

Nun klingt das von 1791 bis 1794 von Franz Joseph Otter erbaute Instrument wieder in voller Pracht. «Und in seiner Anlagekonzeption mit der neuen Windversorgung bestimmt wieder näher bei der Bausituation und dem Klangbild der Entstehungszeit», bestätigt Wolfgang Rehn, Orgelrestaurator der Orgelbau Kuhn AG. Vom Resultat überzeugt zeigt sich auch Suzanne Z’Graggen, die für das Kollaudationskonzert Werke mit einem farbigen und abwechslungsreichen Klangbild auswählte. Auch Beim Konzert gestern Abend war die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt. Es mussten sogar noch Stühle herangeschafft werden.

Impulse für das Gemeindeleben

Virtuos und ausdrucksstark spielte Suzanne Z’Graggen die Musik der Barockmeister Bach, Böhm und Balbastre, liess dabei die wunderschönen Register teils einzeln und in den verschiedenen Klangkombinationen zur Geltung kommen. Über die brausenden Klangkaskaden, die künftig wieder die Liturgie verschönern, freut sich auch Stadtpfarrer und Dompropst Paul Rutz. «Herrlich – una grande gioia», stimmte Padre Pino Cervini von der Missione Cattolica Solothurn bei.

Die Italienerinnen und Italiener aus der Region feiern ihre Gottesdienste in der Jesuitenkirche. Padre Pino erhofft sich von der wieder spielbaren Orgel über den Festtag hinaus Impulse für das Gemeindeleben und den «Animationschor». Von den Orgelklängen schwärmten auch die Sängerinnen und Sänger des Domchores. Annette Blankart und Anton Meyer jedenfalls werden die «elektronische Übergangslösung» nicht vermissen, wie sie lachend bestätigen.

Auch Edith Ursprung von der Fachkommission ist erleichtert, dass der «Fremdkörper» ausgedient hat und das Jesuiten-Juwel wieder in vollem Glanz erklingt. Weihbischof Denis Theurillat hatte die Begriffe Inspiration, Kunst und Orgel als Motto über den Festtag gesetzt – ein Leitmotiv, welches sich im Sakralraum, in der Liturgie und in den Konzerten voll erfüllen wird.