Fasnacht in Solothurn

Grosser Umzug schafft im grauen Regenwetter den farbigen Kontrapunkt

Die Fasnächtler aus 35 Umzugsnummern hielten in Solothurn dem Unbill von Petrus kämpferisch stand. Lediglich anhand der Publikumszahlen machte sich der Dauerregen bemerkbar.

«Wieduwotsch» galt übertragen auch für die Narren beim Umgang mit dem gestrigen Dauerregen. Sie lösten diese Unwägbarkeit mit ihrer eigenen Gelassenheit. Dank ausgefeilt konstruierten und wunderbar geschmückten Wagen, Wägelchen, Gringe, Kostüme, ausgewählten Musikstücken bis zu den Kleinstutensilien hielten sie mit ihrem 35 Nummern starken Umzug dieser Unbill unerbittlich entgegen und entschädigten das weniger als sonst erschienene Publikum reichlich. Nebst dem Regen drückte wohl der Sportferienbeginn auf die Besucherzahlen.

Keine Qualitätseinbusse zogen die ergänzten Sicherheitsbestimmungen bei den Zugfahrzeugen nach sich. Die Wagenbauer sind zu gewitzt, diese so umzusetzen, dass die verbesserte Rundsicht für die Hin- und Wegfahrten mit seitlichen Fenstern und Rückspiegeln gewährleistet ist und die MFK zufrieden ist, ohne das gewohnte Bild der eingekleideten Fahrzeuge zu beeinträchtigen. Die Massnahmen, die Kronenecke mit dem Baugerüst am Übergang zum Chronestutz nicht zu einem Nadelöhr werden zu lassen, haben sich ausbezahlt.

Fasnachtsumzug 2016 in Solothurn

Fasnachtsumzug 2016 in Solothurn

Die Fahrer und ihre Zeiger haben diese mögliche Falle bestens gemeistert. Wenn man davon absieht, dass «Die Wüude» auf dem Konfettibrei vor der St.-Ursentreppe beim Anfahren ihres Zweiachsers stossende Unterstützung brauchten, die Provinznarren Zuchwil vor der Jesuitenkirche ihren Generator nachtanken mussten und die Schanzennarren bei der Bieltor-Durchfahrt und erstaunlicherweise (!) beim Manor-Brunnen etwas mehr Zeit benötigten, verlief der Grosse Umzug auch aus polizeilicher Sicht problemlos.

Blütenweiss bis blutrot

Blutig war der Umzugsbeginn. Der Tambourenverein war als Vampire unterwegs. Nur der Tambourmajor präsentierte sich blütenweiss. Sportlich überzeugte die Fasnachtszunft Vorstadt. Sie kümmerte sich nicht um die langatmigen IOC-Bewerbungsverfahren und präsentierte eine taugliche olympische Arena. Nach vorne schlich sich die Nachwuchsgruppe «Sö Baröckis». Ihnen folgten die Blooswos, ihr eigenes Fasnachtsverständnis in einem Haufen unmusikalisch auslebend. Die Schneemänner und -frauen der Grashüpfer holten Frau Holle ins Mittelland. In die Zwanzigerjahre zurück versetzten die Stedtli-Gumslen das Publikum. «Tcharlsten» hiess es bei ihnen. Dem Selfiefieber erlagen die Wybeeris, ohne den richtigen Augenblick zu verpassen.

Den verstorbenen Kabarettisten Jörg Schneider ehrten die Gassefäger als Kasperli. Ein dankbares Thema lieferte die Klinik Obach wegen der Schliessung ihrer Geburtenabteilung der Narrenzunft Honolulu. Ärzte, Babies und Störche liess sie ausschwirren. Bei den Chrumm-Durm-Sumpf-Chronikern hiess es wieduwotsch – mit krallenden Löwen. Ihr Zehnjähriges feierten «Die Wüude» wie immer «eifach angersch». Neunmal in Schwarz, diesmal in Weiss mit den Brunnenfiguren und den Stadtheiligen Urs und Viktor. Die Kladeredätschs nahmen sich den VW-Skandal mit ihren unmanipulierten Vehikeln vor. Den i- oder Eisprung zeigten «einzig un(d)artig» die Sümgaggophoniker. Das Derendinger Rotlichtmilieu mit neuen Etablissements in einem zweiten Hochhaus war den Herregäggern ihr Heimatdorf wert. An der letzten Fasnacht kam den Guggetschi bereits die Idee, diesmal die Geweihe auszufahren. Deshalb «Jägerlatein».

Jubilare lärmten mit

Ins Hochweitsfieber stürzten sich die Hudibras-Chutze. Halb Braut, halb Bräutigam widmeten sie sich den nur noch auf Solothurn und Zuchwil reduzierten Fusionsplänen. Die Trommelschule des Tambourenvereins meinte lakonisch: «Chumm mit, bisch kei Dotsch». Im ersten Nachwuchsblock waren die Pistazien als Aschenbrödel und die Gruppe Grimms als Harlekins dabei. Als Glückskobolde kamen die 11i-Schränzer: Sie feiern ihr 25-Jähriges hoffnungsvoll in Grün. Die Vorstadt-Piraten mit ihrem trojanischen Pferd als Kinder-Umzugssieger bildeten mit den tanzenden Konfetti-Frässer den zweiten Nachwuchsblock. Die legendäre Hippiezeit liessen die Schanzenarre wild, bunt, laut und mächtig aufleben. Asiatisch vollführten die Ambassadonner das chinesische Drachenfest.

«Minions» eroberten die Altstadt

Die Provinznarren Zuchwil gingen in ihre Jugend zurück und tobten sich als «Chindsköpf» aus. Violett-schwarz, die Guggeschränzer-Farben zu ihrem vielsagenden Motto «Wie du wotsch Du ‹Totsch›». Die Expo in Mailand verlängerte die Tannewäg-Zunft. Maskottchen «Foody» musste für die Masken herhalten. Den Glunggehüpfern war es «Wurscht», nicht aber die obligate Cervelat in ihrem Wander-Picknick. «El carneval» der Glänggeler Guggenmusig war «schuurig» schön und fröhlich, sicher nicht traurig. Die Weschtstadt-Minions kamen in Scharen, ihr Wagen im typisch amerikanischen 3-D-Film-Style. Auf den afrikanischen Kontinent führten die Weihere-Schränzer mit Urklängen: «Hakuna Matata». Und direkt ging es in den hohen Norden zu den Wikingern. Die Sans-Gêne-Zunft Zuchwil liess einfach ihre Fantasie walten.

«Einer für Alle – Alle für einen» – dieser Slogan gilt für die Mamfi-Musketiere nicht nur während der Fasnacht. Den Wahlplakat-Salat der letztjährigen Parlamentswahlen nahmen die Altstadt-Rueche aufs Korn. Vampire oder Barock, das war die Frage bei den Konfettistampfer. Traditionell auf ein Film-Motto setzten die Muttiturmbiisser: Diesmal «Joker» mit Anspielungen auf Batman, The Riddler, Scarecrow und so weiter. Als Hunnen ohne Röcke jätteten die Aare-Jätter durch den Barock. Auch Gummibootreisende auf der Aare können «Chargé pour Soleure» sein. Der entenhafte Hauptgassleist flösste den Bürgerwein sogar durch die honolulesischen Gassen.

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