«11 nach 9»

Grosser Erfolg: Die TV-Show auf der Bühne wird fortgesetzt

Ab Herbst gibts ein Sofa statt Plastikstühle – Komfortzuwachs bei «11 nach 9» in der Kulturgarage.

Ab Herbst gibts ein Sofa statt Plastikstühle – Komfortzuwachs bei «11 nach 9» in der Kulturgarage.

Jens Wachholz und Vera Probst planen bereits die Fortsetzung ihrer Talkshow «11 nach 9».

Eins verkündigen Jens Wachholz und Vera Probst jetzt schon: «Wir machen ab Oktober weiter!» Die Rede ist von der wohl einzigen Talkshow, die ohne Kameramann auskommt und nicht vom heimischen Sofa aus, sondern nur an Ort und Stelle – nämlich in der Kulturgarage – konsumiert wird.

Der Anchorman und die Studioassistentin blicken nach sieben Durchführungen auf ihre im Oktober lancierte erfolgreiche Talkshow «11 nach 9» zurück. Erfolgreich, weil hier ein experimentelles Format zwischen Bühne und TV-Show sein Publikum gefunden hat. Bei insgesamt 70 Sitzplätzen war es stets gut besetzt – und beim Auftritt des Stadtpräsidenten und der Filmtage-Direktorin mit 100 Besuchern sogar übervoll.

Als Zutaten des Spätabendprogramms überzeugten satirisch aufgeladene Videoeinspieler, musikalische Intermezzi sowie verhinderte Ständchen von Basil Medicis Ein-Mann-Formation Kuga Libre Band oder Einblicke hinter die Studiokulissen.

Vor allem aber punktete das Format mit den Live-Gästen, darunter eben Kurt Fluri und Seraina Rohrer, der unterlegenen Stadtpräsidiums-Kandidatin Franziska Roth, Katharina Rupp und Deborah Epstein vom Theater Orchester Biel Solothurn oder Künstler Pavel Schmidt.

Gedanken entstehen beim Reden

Inhaltlich und formal haben die beiden viel gelernt. «Wir durften nach jeder Show hören, dass wir wieder besser geworden sind», so Probst. So hat sich das Format weiterentwickelt, wobei sich Wachholz auf die Worte von Schriftsteller Heinrich von Kleist stützt: «Es geht um die ‹allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden›. Durch freies Besprechen eines Themas entdeckt man, was der Teleprompter im eigenen Hirn abspult ...»

Dabei gab es durchaus auch «schwierige» Lehrstücke: Dass man nämlich mit einem satirisch aufgeladenen Format anecken kann, bekamen die beiden zu spüren. Zum Beispiel, als sie in ihren Einspielern einen «Couronne»-Umtrunk Kurt Fluris und Ueli Maurers im Nachgang der Heso-Eröffnung fingierten.

Aber: «Das war Werbung für uns – und Kurt Fluri selbst hat es relativ locker genommen», so Wachholz. «Er hat sich auch sonst unglaublich wohlgefühlt bei uns. Es ist auch in seinem Sinne, dass es diese satirische Form der Unterhaltung gibt, die auch Privates hineinbringt.» Weitaus mehr Aufruhr gab es im Nachgang der November-«Sendung», als Wachholz in der Rolle von «Adi» mit «Blondie» auf den Obersalzberg resp. Weissenstein fuhr und seinen Besuch mit rollendem «R» kommentierte. «Es wurde oft thematisiert, weshalb wir so was machen», so Probst.

«Schweizer Satire wie bei Giacobbo/Müller ist vergleichsweise zahm, wenn man Formate aus anderen Ländern wie Böhmermann anschaut», sagt Wachholz. Dies, obwohl gerade Solothurn in dieser Hinsicht eigentlich sehr offen sei. Nur: «In der Schweiz darf man nicht so aufdrehen, das muss schleichend geschehen», sagt Probst.

Am 4. Oktober gehts weiter

Vor der Show ist nach der Show: Und so plant das Zweiergespann bereits die Wiederaufnahme im Herbst mit total sieben Shows, beginnend am 4. Oktober. Nicht zuletzt die Geldfrage beschäftigt weiterhin: «Die Finanzierung ist die grösste Schwierigkeit.» Deshalb sei man früh wieder auf Sponsorensuche. Allerdings soll diesmal – entgegen der vorigen Saison – Crowdfunding kein Thema mehr sein. Dafür ist die Idee eines Show-Abos im Raum. «Grosszügig und unkompliziert» sei zudem die Unterstützung der Stadt gewesen.

Hinzu kamen Sponsorengelder und Gönnerbeiträge. Ansonsten aber gestaltete es sich aber schwierig, insbesondere bei Stiftungen. Möglich ist aber, dass das Format schwer einzuordnen ist, was auch die Bereitschaft zur Unterstützung vermindert. «Dabei ist ‹11 nach 9› ebenso professionell aufgezogen wie ein Theaterprojekt», betont Wachholz. Und zeitaufwendig, wie beide bestätigen: Allein das Drehen, Schneiden und Vertonen der Einspieler, von denen in jeder Show mindestens eine Viertelstunde zu sehen war, habe Hunderte von Stunden in Anspruch genommen. Gesamthaft summiert sich der Arbeitsaufwand zu einem 50-Prozent-Pensum auf, rechnen die beiden vor. Nicht eingerechnet sind dabei zahlreiche Freundschaftsdienste. Umso mehr hoffen sie, dass sich der Anlass weiter etabliert: «Uns macht es extrem Spass.»

Etabliert hat sich bereits auch der Standort: «Die Kuga hat sich bewährt, nicht zuletzt, weil die Leute an der Bar noch die Möglichkeit zum Austausch haben», sagt Wachholz. Für die Wiederaufnahme soll das Studio optisch aufgewertet werden. «Für Talk-Gäste haben wir ein Sofa im Sinn, um weiter gute Gesprächspartner anzulocken.» Zuguterletzt soll die Show auch ein Bekenntnis zur Stadt und Region sein: So wird auch die Berichterstattung über Solothurner Grossanlässe nicht fehlen.

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