Das Bundesamt für Energie (BfE) nennt sie hochoffiziell «Leuchturmprojekte», «gläserne Werkstätten» und «lebende Labore» – innovative Projekte mit Ausstrahlung im Bereich der Energietechnologie. Mit dem Hybridwerk Aarmatt in Zuchwil taucht auch ein ansässiges Projekt in der Liste des BfE auf. Und ebenso, wie man einen Leuchtturm von weitem sieht, hat auch diese polyvalente Anlage über die Regions- und gar Landesgrenzen hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt.

Hier nimmt sukzessive ein Projekt Form an, das die Energieträger Strom, Gas und Wärme miteinander verbindet, und untereinander austauschbar, also auch speicherbar macht. Gerade die Speicherthematik ist innerhalb der Energiestrategie 2050 des Bundes ein präsentes Diskussionsthema.

Dem Besucheransturm begegnen

Die Ausstrahlung des Projekts mit einem mittelfristig gesetzten Investitionsrahmen von 10 Mio. Franken ist auch der Besitzerin, der Regio Energie Solothurn (RES), bewusst. Allerdings wird ein hoher Teil der Investitionen über Fördergelder entlastet. «Wir haben schon jetzt viele Anfragen für Führungen durch die Anlage», weiss Sandra Hungerbühler, zuständig für Marketing und Kommunikation. Die «Aarmatt» sei in Sachen Medienwirksamkeit zum Selbstläufer geworden. So zählte man insgesamt 500 Besucher seit Beginn – und das ohne Werbung, wie Hungerbühler betont.

Das interessierte Publikum setzt sich aus internationalen und nationalen Kennern und Fachleuten der Branche zusammen, aber auch aus Menschen aus der regionalen Politik, aus Vereinen oder aus interessierten Einzelpersonen aus der Region. Gerade weil ein weitreichendes öffentliches Interesse an der «Aarmatt» vorhanden ist, reagiert die Regio Energie Solothurn nun mit einem vorübergehenden Stopp der Führungen. «Seit dem November 2014 haben wir einen Führungsstopp einberufen, um die Führer für den Bau des Hybridwerks freizusetzen. Der Stopp wird aufgehoben, sobald der Pavillon steht. Wir mussten bremsen, weil die Bewirtschaftung der Führungen sehr ressourcenintensiv wurde», so Hungerbühler. Neu soll das Angebot deshalb strukturierter und effizienter daherkommen.

Langfristiger Besucherpavillon

Zu diesem Zweck wird nun ein kleiner, funktioneller Besucherpavillon errichtet, um die Gäste, zu denen auch Schulklassen zählen könnten, empfangen und Informationen weitergeben zu können. Diverse Präsentationsmittel sollen das Thema der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Sowohl Fragen zur Entstehungsgeschichte des Hybridwerks, als auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen – beispielsweise die Energiestrategie 2050 – sollen dabei im Zentrum stehen. Ebenfalls möglich soll zudem ein Baustellenrundgang werden. Denn klar ist: Eine Baustelle wird die «Aarmatt» als lernende Institution bewusst noch lange bleiben. Entsprechend langfristig ist deshalb auch der Besucherpavillon angelegt.

Neben dem Bau des Pavillons steht als nächster Wegmarker die Inbetriebnahme des sogenannten Elektrolyseurs an. Dieser erzeugt mithilfe von Strom Wasserstoff, das dann als geringer Anteil dem Netz-Erdgas beigemengt wird. Ein weiterer mittelfristiger Bauschritt wird die Methanisierungsanlage darstellen, die dann synthetisches Methan, also den Hauptbestandteil des Erdgases, produzieren kann. Beide Anlagekomponenten sind, so wie die bereits realisierte Wärmekraftkoppelungsanlage, Herzstücke des Hybridwerks.

Aber: «Natürlich ist es die Kombination aller Technologien, die unsere Anlage einzigartig macht», erklärt Sandra Hungerbühler. Der Elektrolyseur soll für die offizielle Eröffnung im Sommer in Betrieb genommen werden, ein Termin für diesen Anlass ist allerdings noch nicht gesetzt. Ebenfalls in der planerischen Endphase befindet sich eine Harnstoffanlage, eine Filterungsvorrichtung, die aus Gründen der Luftreinhalteverordnung vonnöten ist. «Die Harnstoffanlage ist ein Nebenbetrieb zur Abluftbehandlung. Es handelt sich nicht um einen relevanten Teil des Hybridwerks», betont Sandra Hungerbühler.