«Jetzt heiter s’Gschänk, liebi Soledurner», eröffnete Grenchner Obernarr Thomas Meister die Spontanzeremonie, die gestern auf Feindgebiet auf dem Amthausplatz abgehalten wurde. Karrte doch eine Handvoll Grenchner Fasnächtler die als «Blaue Berta» bekannt gewordene Skulptur vor die Tore der Stadt – mehr oder weniger klammheimlich. Mit «Gruss aus Grenchen. BB» ist die Leihgabe beschildert, wobei das Infiltrations-Detachement der Grenchner Fasnächtler festhält, dass es die Initialen der werten Dame selbst sind. «Nächstes Jahr schicken wir dann den anderen BB», ruft einer lachend dazwischen.

«Die Solothurner wollen die Berta ja wieder. Und wie immer ist uns der Wunsch von Solothurn Befehl», witzelt Hilari-Zünftler Adrian Cslovjecsek. Aber: Die echte Berta haben die Grenchner dann doch schon zu lieb gewonnen, als dass sie sie einfach hergeben würden. Denn bei näherem Hingucken stellt sich heraus: Berta wird ohne Mühe aus dem Lieferwagen gehievt trägt eine weisse Zipfelmütze und scheint geschrumpft zu sein. Statt das Originalwerk von Marianne Flück-Derendinger wurde den Solothurnern hier eine üppige Schlumpfine untergejubelt, die ihren Auftritt schon am Grenchner Umzug hatte.

Entführung war geplant

Ein offensichtliches Plagiat aus Drahtgeflecht und Pappmaché: «Wir zünden die Solothurner auf diese Art ein wenig an», so Cslovjecsek. Der Öffentlichkeitseffekt dürfte allemal gegeben sein, kurven doch heute die Umzugswägen und -gruppen dort herum. Falls die Papp-«Berta» nicht das Schicksal des Solothurner Böögs teilen sollte – denn brennen würde die Leihgabe ausserordentlich gut – so nehmen die Grenchner sie am Samstag wieder bei sich auf. Aber auch im Westen hat sie keine sonderlich rosigen Zukunftsaussichten: Diese Berta hier endet in der Müllpresse.

Die Grenchner behaupten ja noch immer, die Holbein-Madonna sei illegal nach Solothurn gelangt und gehöre eigentlich ihnen. Letzten Sommer haben ihnen die Solothurner als ad «Ersatz» ad interim die Blaue Berta geliefert – doch wurden die Grenchner damit gar nicht warm. Beinahe wären sie sogar von der hölzernen Dame erlöst worden: Die Narrenzunft Honolulu erwog allen Ernstes eine nächtliche Entführung der Original-Berta auf die Fasnacht hin aus Grenchen nach Solothurn.

«Trojanische Pferta»

Doch schliesslich setzten sich die «Weicheier» gegen die «Hardliner» der Honolulesen durch und es blieb bei einer närrischen Sandkasten-Übung. Und man beschränkte sich auf den Umzugswagen einer griechischen Bireme, die im Triumph das Imitat der blauen Berta heimholt, nachdem die Solothurner Grenchen mit dem «trojanischen Pferta» eingenommen hatten. Noch heute soll es deshalb Grenchner geben, die nächtens misstrauisch auf Bertas üppigen Leib starren, und Unheil ahnen.

Der Klau von Fasnachtsymbolen ist übrigens ein uralter Brauch in der Eidgenossenschaft – der wohl bekannteste ist der Raub der Luzerner Fritschimaske 1507 durch Basler Knechte. Dass allerdings jemand ein Fasnachtssymbol aus eigenen Stücken zum Ursprungsort zurückbringt, ist ein neuer Ansatz der Grenchner. Hoffen diese immer noch, dafür die Holbein-Madonna zurück zu erhalten?